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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Besuch Planetarium Paranal

Observatorium Cerro Paranal

Ein Schmankerl für High-Tech Freaks. Very Large Telescope.

Das VLT kombiniert 4 Spiegel von je 8,2 Meter Durchmesser sowie 3 kleinere und simuliert mit Hilfe einer ausgeklügelten Synchronisation die optische Auflösung eines 200-Meter Teleskops. Es ist zur Zeit noch das größte optische Teleskop der Welt, das die Performance des in der Öffentlickeit bekannteren amerikanischen „Hubble“ wie ein Amateurteleskop erscheinen lässt. Betriebn wird die Anlage von der europäischen Astronomie-Organisation ESO.

In Paranal arbeiten im Schichtbetrieb ca 220 Personen, davon ca. 60-70 Wissenschaftler. 8 Tage  Besucher., 6 Tage Freizeit. ESO öffnet samstags seine Pforten für angemeldete und registrierte Besucher. Unsere Gruppe bestand aus 9 Personen. Mit Helm ausgestattet, hatten wir fast uneingeschränkten Zutritt in der ganzen Anlage. Wir besichtigten ein Planetarium, waren im Arbeitsbereich der Wisenschaftler, auch in den Kontrollräumen und Rechenzentren. Darüberhinaus  durften wir auch in den Wohnbereich. Eine unterirdische Oasenanlage mit Palmen, Schwimmbad und Kantine sowie Zimmern für ca. 120 Personen. Das Planetarium, endlich ein Ort – total abseits vom mainstream des Tourismus – bei dem man endlich das Gefühl hatte, etwas Besonderes zu erleben. Es war sehr faszinierend und einzigartig. Selbst mit dem Personal durfte man ohne Auflagen reden. Manchmal hat eine Registrierung und Genehmigung auch seine guten Seiten.

Jetzt geht es in die Wüste Atacama.

 

Von Mendoza über den Passo San Francisco nach Chile

Kleine Bildernachlese Mendoza

Mendoza ist wie eine Oase in der Wüste. Die drittgrößte Stadt Argentiniens. Ab 19.00 Uhr geht es richtig los mit dem Shoppen. Die Läden sind brechend voll. Im Gegensatz zu unseren Innenstädten gibt es hier noch eine Vielzahl von individuellen Läden anstatt die Monotonie von System-Ladenketten. Ab 22.00 Uhr füllen sich die Restaurants, Cafes, Eisdielen usw. Um diese Uhrzeit  gibt es in Deutschland anscheinend eine „Fress“-Sperrstunde. Bei uns herrscht dann „Bestellverbot“. Beim Mitternachtsimbiss ist die ganze Familie dabei. Es wimmelt nur von Kindern. Auch in den Spielhallen gehen Groß und Klein mit großem Engagement ihrem Spieltrieb nach. Die BMW übrigens hat ihren Routinecheck ohne größere Beanstandung hinter sich.

Über den Passo San Francisco – 4725 m hoch

Nach 3 Tagen Mendoza ging es weiter Richtung Norden. Wieder einmal eine kleine Tagesetappe von über 700km. Leicht erholt und die BMW neu gefiltert, geölt und gewaschen ging es früh los. Das Streckenprofil auf der Karte zeigte keine besondere Schwierigkeiten. Nach nicht einmal 20 km musste ich zum ersten Mal durch eine Wasserfurt. In diesem Teil Argentiniens kommt es immer wieder zu sinnflutartigen Regengüssen, die selbst Hauptstrassen überfluten. Zurück bleibt im günstigsten Fall Sand, Geröll oder Kies. Man muss sich die Strasse wie eine riesige Achterbahn vorstellen. Es geht permanent in Wellenform auf und ab. Alle 300 bis 500m senkt sich die Strasse in ein kleines Tal und du fährst mit ca. 100km/h  über die Kuppe und bist dann gespannt was dich erwartet. Bei leichtem Geröll, Sand oder Schutt rast du die 20-50 m Stelle mit Karacho darüber – immer mit der Hoffnung, dass die Maschine sich doch nicht eingräbt oder schlingert. Bei den überschwemmten Partien wird es spannender – how deep is your love – oder besser dein Vertrauen in die Maschine. Mehrere Mal hat sich ein neues Flussbett mit einer undefinierbaren Fahrspur gebildet. Selbst Offroad-Fahrzeuge stehen dabei vor fast unüberbrückbaren Felshindernisse. Jetzt kannst du umdrehen, eine andere Strecke suchen – die Alternative gibt es aber nicht – oder du musst hier durch bis die Kupplung raucht. Ihr seht, langweilig wird es einem nie, trotz Geradeausfahrt. Gibt es keine Furten zu durchqueren, dann gibt es, was für ein Horror für Motorradfahrer, Längsfräsrillen. Unangenehm das besoffene Schlingern der Maschine. Aber nicht wie bei uns einige Hundert Meter, sondern gleich 70km am Stück.

220 km vor einem der größten Andenpässe übernachte ich noch. Die Maschine wird vollgetankt, genügend Wasser eingekauft und los geht es. Auf sehr gut ausgebauter Strasse geht es ca. 220 km auf der argentinischen Seite zum Pass hoch. Von 1000 m auf 4725 m ohne mehrtägige Höhenakklimatisierung. Obwohl das Fahren auf diesem Streckenabschnitt problemlos ist, merke ich die zunehmende Höhe. Kurz vor dem Gipfel die Grenzstation. Der Zöllner meinte, es wären hier schon länger keine Motorräder vorbeigekommen. Das ich solo fahre, konnte er gar nicht glauben. Er schüttelte mir mehrmals die Hand und wünschte mir viel Suerte, viel Glück oder Erfolg. Er warnte mich noch vor dem chilenischen Teil der Strecke mit fast 250 km Offroad. Insgesamt gibt es auf der über 500 km langen Etappe keine Tankstelle oder Läden. Er hatte nicht übertrieben. 120 km davon waren extrem schlechte Offroad. Loser Untergrund mit vielen Kurven. Harte Arbeit und kaum Zeit einen Blick auf die traumhafte Andenkulisse zu werfen. Hohe Berge, Salzlagunen, wilde Esel, vereinzelt auch Flamingos und immer wieder Laster, die riesige Staubwolken aufwerfen und dich zu einem 100 m langen Blindfahrt zwingen. Zum Schluss wurde die Offroad-Strecke besser und noch wichtiger, es ging bergab. Extrem-Offroad gepaart mit Superhöhe, das brachte auch mich oft ans Limit.

So fühlte ich mich nach dem Tag

So fühlte ich mich nach dem Tag

Total erschöpft kam ich in Copiapo an der chilenischen Pazifikküste an. Als Krönung des Tages hatte ich noch ein verrauchtes, versifftes Minizimmer ohne Frischluft und ein Gemeinschaftsbad für 30 Übernachtungsgäste mit einem Hygienestandard, den ich nicht näher beschreiben möchte. Am nächsten Tag früh auf nach Taltal, nur ca 300 km. Erst einmal ausruhen bis es am nächsten Tag zum Planetarium Paranal ging.

 

Erst Links, dann Rechts, dann wieder Links

Von der Gletscherwand in die Schweiz

Passend zum Titel habe ich bei einem Schweizer übernachtet. Er ist zwar in Argentinien geboren, konnte aber seinen schnellen, schweizerischen Zungenschlag, den er von seinen Eltern und Großeltern vererbt bekam, nicht ablegen.

Schweizer Hotelier

Schweizer Hotelier

Das klingt ganz witzig, wenn Du Spanisch mit einem Schweizer Einschlag hörst… oooder? Jedenfalls war das Hotel sauber und sehr leise. Toller Ausblick auf den aufgewühlten See. Es windete mal wieder sehr heftig.

Von hier ging es weiter nach Norden. Immer noch Wüstenlandschaft, aber unterbrochen von türkisfarbenen Seen. Bei El Bolson kam ich recht müde an. Das Hostel, das ich gebucht hatte, war ziemlich weit oben auf dem Berg. Auf dem Weg dorthin habe ich mich im losen Schotter die Kupplung heissgefahren. Als ich endlich ankam, stank die BMW als würde sie gleich abfackeln. Ich parkte sie und oh Schreck, genau unter der BMW riesige Öllachen. Oh Shit! Der Hostelwirt beruhigte mich aber. Ich hatte das Motorrad exakt an der Stelle geparkt an der am Vortag ein PKW viel Öl verloren hatte.

Das Hostel entpuppte sich als Perle: neu, Hostelbetreiber, die perfekt Englisch sprachen, keine Stockbetten, Getränke vorhanden und tolle Gäste aus allen Ecken der Welt. Abends kochten sie Huhn mit Kartoffel und Kürbissalat. Das Ganze für umgerechnet € 3,30.

Das war bisher mein bestes Hostel.

Übernachtungen

Aus Gründen des Budgets und auch wegen der Abwechslung buche ich soweit möglich über booking.com abwechselnd Hostels oder „Schnäppchen-Hotels“. Die Preise für Hostels liegen in diesem Teil von Südamerika bei ca. € 15-20 die Nacht, meistens ohne Frühstück. Hotels der Kategorie 3 Sterne (nicht unbedingt mit unseren Standards zu vergleichen) liegen zwischen € 30-55 pro Nacht, dann aber immer mit einem sehr kargen Frühstück. Kaffee, Toast, Butter, Marmelade, gepresstem Flickschinken, fade Käsescheiben, evtl. Hörnchen und manchmal auch Orangensaft. Wenn ich kein Frühstück bekomme, gehe ich in der Regel in eine Panderia (Bäckerei) und hole mir dort ein frisches Sandwich, manchmal gibt es dort auch ganz hervorragenden Kaffee. Generell esse ich sehr wenig. Ich denke ich habe mittlerweile gute 5kg abgenommen.

Von El Bolson, Argentinien nach Pucon, Chile

Die Landschaft wird wirklich abwechslungsreicher. Wälder und tolle, türkisfarbene Gebirgsseen. Kurvenreiche Strassen, kein Wind und auch sehr angenehm warm. Auf einer kleinen Landstrasse geht es über einen wunderschönen Gebirgspass nach Chile. Natürlich offroad auf einer Vulkanaschenbahn. Links der noch aktive Vulkan mit seinem Sahnehäuptchen. Sieht tatsächlich wie eine Krone aus: die dampfenden Wolken um den Krater.

In Pucon übernachte ich in einem französischen Surferhostel. Sehr nett eingerichtet, alle sprechen französisch – auch ich. Besonderheit – die kleinste Schlafkabine, in der ich je übernachtet hatte. 2m lang, 80 cm breit. Genau der Platz für eine Matraze. Dein Zeug verstaust du draußen in einem abschließbaren Holzwürfel. Platzangst darfste dabei nicht haben, denn die Kabine ist auch noch abgeschrägt. Der Kniestock ist gerade 40-50cm hoch. Nur an der Verschlagstüre kannste noch halbwegs stehen. Echt japanische Tokio-Verhältnisse. Aber einmal etwas anderes.

Chile ist fast wie Deutschland

Die Fahrt geht weiter Richtung Panamerica Highway. Die Infrastruktur in Chile (zumindest dieser Abschnitt) ist sehr gut ausgebaut. Die Strassen besser wie bei uns, intensive Landwirtschaft und vor Santiago reiht sich ein Weinbaugebiet an das andere. Ich übernachte diesmal wieder in einem privaten Hotel.

Privatunterkunft

Privatunterkunft

Der Eigentümer ist selbst ein Motorradfahrer. Am nächsten Morgen baut er ein Frühstück auf, das keine Wünsche übrig lässt.

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Unterwegs nach Santiago treffe ich – welch Zufall nach über 1 Woche und ca. 2000km wieder den kanadischen Biker, der auf dem Weg zu einer Werkstatt ist, um sein gebrochenes Federbein an der BMW GS austauschen zu lassen.

GS Biker aus Vancouver Wir haben uns schon auf ein Bier verabredet

GS Biker aus Vancouver
Wir haben uns schon auf ein Bier verabredet

Mein Motorrad stinkt noch immer nach Kupplung vor allem nach Stopp/Go-Phasen. In Mendoza gibt es einen BMW-Händler, der soll mal das Öl nach über 11.000 km wechseln und sich einmal die Kupplung ansehen.

 

Von Santiago, Chile nach Mendoza, Argentinien

Meine imaginären Verfolger schüttele ich jetzt bestimmt ab. Mein Zickzack-Kurs führt mich wieder über die Anden und Grenze nach Argentinien. Erst geht es einmal über einen 3200m hohen Pass. Unzählige, schwere LKWS quälen sich die Serpentinenstrecke hoch. Ich fahre zwar sehr gern schnell Pässe hoch, aber die Kurven sind vom Reifenabrieb der Brummis so schmierig, dass ich diesmal auf einer meiner berüchtigten Pirouettenversuche verzichte und ebenfalls sehr gemässigt nach oben fahre. Ein wenig enttäuscht bin ich schon, der höchste Berg Südamerikas der Aconcaqua (fast 7000m ) wird leider von anderen Bergen „sichtgeschützt“, nur ein kleiner schneebedeckter Gipfel ist sichtbar.

Dagegen erwartet mich eine besondere Belohnung. Eine Riesenschlange vor der Zollabfertigung. Man sagt mir 6-7 Stunden Wartezeit – auch für Motorräder. Zum Glück spreche und verstehe ich perfekt Spanisch und fahre nach meinem Spachverständnis einfach an der Schlange vorbei und ordne mich mit „Engelsgeduld“ kurz vor der Abfertigungshalle wieder ein. 1 Stunde Wartezeit ist doch auch ein guter Kompromiss. Ich will ja schließlich nach Alaska und kann meine Zeit nicht mit dem ollen Zoll bzw. Grenze vergeuden.

Die Fahrt nach Mendoza führt durch einen 100km langen Canyon. Der schlammige Fluss hat ein tiefes Tal ausgeschwemmt. Unterwegs sehe ich eine neue Sportart: Schlamm-Rafting. Wenn du dort kenterst, ertrinkst du nicht, sondern erstickst du in der Schlammbrühe. Dann fahre/segele ich doch lieber mit dem Motorrad.

Runter und raus aus den Bergen liegt auf einmal eine grüne Oase vor dir. Mendoza – das größte Weinanbaugebiet Argentiniens. Mendoza City selbst hat über 1 Million Einwohner. Die ganze Stadt hat quadratisch angeordnete Strassenzüge. Jede Strasse hat eine Baumallee. Ich denke es sind Plantanenbäume. Sehr schöne Stadt und umgeben mit Weinbergen, Olivenbäume und sonstige Obstplantagen. Nach einigen Irrwegen finde ich am nächsten Morgen den BMW-Händler. Eine ganze Gruppe von paraguaischen BMW- Fahrer sind ebenfalls dort eingetroffen. Sie sind recht erstaunt über meinen „schwäbischen“ Service-Intervall 12.000km anstatt 6000km. Die Südamerikaner warten halt gerne an der Grenze und halten sich erstaunlicherweise an BMW-Vorgaben. Bestaunt werden meine Heidruns (Heidenau-Reifen). Nach fast 12.000 km sind sie fastnoch wie neu. Sie müssen noch mindestens weitere, schwäbische 10.000 km bis Kolumbien halten.

Meine BMW bekommt frisches Öl, ich buche eine Weintour inkl. Olivenölproduktion um die Zeit zu überbrücken. Ich hoffe die Inspektion ergibt keine versteckten Schäden.

Morgen geht es weiter nach Norden. Dann beginnt der Hardcore-Teil meiner Südamerikaetappe. Zunächst über den berüchtigten Passo San Francisco (ca. 4720m hoch), anschließend auf der chilenischen Seite fast 300 km offroad, beinahe 600km keine Tankstelle, dann Planetarium-Besichtung, Salpeter- und Kupferminen, Wüsten etc, etc.

Ich werde mich jetzt unregelmässiger im Blog melden. Je nach Verfügbarkeit von Internet und persönlicher Fitness.

Erst Israel – nun Asien?

Feuerland Adios

Nachdem ich Ushuaia mehr als ausführlich touristisch erkundet hatte, dafür benötigte ich inkl. Besuch von Ramons Generales ganze 5 Stunden, ging es am nächsten Morgen wieder Richtung Nordwesten nach Punta Arenas im chilenischen Teil von Feuerland.

Hier noch einige Bilder von Feuerland:

Mit wachsender Routine wieder die Grenzübergänge, Fähre und auch zahlreiche Motorradfahrer getroffen. Erstaunlicherweise sind sehr viele Brasilianer nach Feuerland unterwegs. Nach ca. 600km mit wiederum viel Wind und ca. 12 Stunden Fahrt treffe ich in Punta Arenas, der größten Stadt Feuerlands, ein. Punta Arenas war der Ausgangsort für alle größeren Expeditionen in die Antarktis. Laut Reiseführer eine attraktive, schöne Stadt. Na ja – mein Urteil: ein trostloser Flecken, der weder ein tollen Hafen noch einen sehenswerten Stadtkern aufzuweisen hat. Das Highlight sind die riesigen Pinguinkolonien, die man auf mehreren Inseln verteilt, per Bootstour besichtigen kann. Die halbtägige Tour habe ich mir geschenkt. Mein Highlight war das total überfüllte Hostel. Fast 70% der Gäste waren Israelis, die aber irgendwie alle individuell angereist waren. Wahrscheinlich stockt im Gazastreifen gerade die Ansiedlungspolitik und die Jugend will sich bei den Pinguinen niederlassen. Im Ernst – warum die alle nach ihrer Militärzeit sich an das Ende der Welt begeben, keine Ahnung – vielleicht hat auch der Lockruf vom Papst auf dem Plakat etwas damit zu tun. Jedenfalls ging es sehr laut zu – bis früh in den Morgen.

Nach 1 Tag Rast ging es dann Richtung Norden wiederum nach Argentinien – El Calafate – zu dem berühmten Gletscher Perito Moreno.

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Mit 2 Motorrädern unterwegs

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Australisches Bikerpaar

Müder Schwabe vor El Calafate

Müder Schwabe kurz vor Calafate

 

Egal, welchen Biker man traf, jeder schwärmte von dem tollen patagonischen Wind.

Meine ca. 700 km von Punta Arenas nach El Calafate waren von extremer Kälte und Regen geprägt. Ich bin kein verfrorener Typ, aber bei 5° C und starkem Seitenwind inkl. Schlagregen, musste selbst ich die Zwiebeltechnik anwenden: mit 5 Schichten Klamotten war es dann irgendwie „kuschelig“ angenehm. 80 km offroad waren ein echter Bonus. Endlich durfte ich wieder mit meiner BMW „arbeiten“. Konzentration und Balance waren gefordert.

Bei El Calafate wurde es endlich wieder warm. Diesmal hatte ich ein Hotel gebucht. Heiße Dusche, raus aus den Klamotten und rein ging es in den Touristenort. Unglaublich, wieviele Touris sich hier aufhielten. Dazu kam noch ein 2-wöchiges Musikfestival mit dem Resultat, dass alle Leute (zur Zeit über 50.000 Besucher!) glücklos versuchten, bei den 4 Banken Bargeld aus den Bankautomaten zu ziehen. Laut mehreren Aussagen spuckten die Automaten seit 5 Tagen kein Bargeld mehr aus. Kleine Info – 2000 argent. Pesos (Gegenwert von ca. € 130,-) – sind der Maximalbetrag, der normalerweise ausgezahlt wird. Da brauchst du schon eine Kreditkarte, die keine Spesen berechnet.

Am nächsten Tag ging es zum 80 km entfernten Gletscher. Von Israel nach Asien. Dominierten in Punta Arenas die Israelis, war hier irgendwie die Asiengrippe ausgebrochen. Hier wimmelte es nur so von asiatischen  Selfie-Fotografen. Der Gletscher war schon imposant. Aber mitten in einer Heerschaar von Asiaten kommt einem irgendwie das Abenteuer- und Exklusivitätsgefühl abhanden. Und ständig bei jedem Eisgeknarre das gemeinschaftliche Aufstöhnen und Zücken der Kameras. Dem sensationslüsternen Asiaten könnte ja das „Kalben“ eines Minieisberges entgehen. Bricht dann doch ein Eiszacken ab – hört man links und rechts das laute orgiastische Aufstöhnen der Selfiebesitzer.

Einige Bilder vom Perito Moreno. Die Gletscherwand ist ca. 4 km breit, 60 m hoch und ca. 13 km lang und wächst noch.

Heute und morgen geht es weiter nach Norden. Ca. 1500 km liegen vor mir – auf der Flucht vor dem patagonischen Wind.

Mucho viento, mucho frio?

 

Am Ende der Welt – Ushuaia

Terra del Fuego – Fin del Mundo

Nochmals fast 600 km bis zum Ende der Welt. Vor dem Happy End kommt aber noch eine reine Zoll- und Grenzorgie. Schon nach ca. 110 km komme ich an die argentinisch-chilenische Grenze. Voller Spannung nähere ich mich der Grenzstation. Ein Grenzbeamter winkt mich gleich vorbei an der großen Autoschlange. Ich darf gleich neben dem Zollgebäude parken. Glück gehabt. Denkste. Erst mal rein – die Bude ist völlig überfüllt. Ein Bikerkollege aus Uruguay zeigt mir in welche Schlange ich mich einordnen muss. Dann erstes Formular ausfüllen und los geht es – mit dem Warten. Schalter 1: Passkontrolle – Stempel hier, Stempel da. Dann zügig weiter an Schalter 2 inkl. Zettel mit Stempel. Dann neuer Stempel und wieder alles hergezeigt. Donde? Woher, wohin, bist du Eigentümer der BMW etc., Fahrzeugschein usw. Das ging ja recht flott – nur 30 Minuten. Dann an Schalter 3. Ah da drüben nur 10m entfernt. Aber was ist das für eine langsame Polka. Die Schlange kommt gar nicht von innnerhalb des Raumes. Sie kommt von außen. Also Ende der Polkaschlange gesucht – ein Guiness Book Versuch? – die längste Polka der Welt! Nach ca. 150m das Ende.  Dann in den nächsten 1 1/2 Stunden im Schneckentempo zum Schalter 3. Die armen Südamerikaner – im eisigen Wind kommen sie fast schockgefroren in der Zollhalle an. Ich im Vollkombi und einem Windbreaker habe da es doch viel angenehmer. Schalter 3 nimmt mir wieder den argentinischen Biker-Pass ab. Schalter 4 gibt mir wieder einen neuen – diesmal einen chilenischen BMW Aufenthaltsschein. Und jedesmal bekomme ich auf einen Zettel mehrere Stempel. Da können meine Afrikaner noch etwas lernen! Nun geht es mit dem Zettel und den vielen Stempeln nach außen. Zollbeschau. Ob ich einen Asado oder sonst etwas Essbares im Motorrad hätte. Lächelnd sage ich meine BMW fährt mit aceite puro de oliva. Reinem Olivenöl. Er schaut mich ungläubig an und will dann doch den Inhalt eines Koffers sehen. Zum Glück erwischt er die richtige Seite. Im anderen hätte er wohl Queso natural – meine Käsesocken vorgefunden. Jedenfalls geht es endlich nach über 2 Stunden weiter.

Nach 70 km erreiche ich die Fähre nach Feuerland.

Riesen Warteschlange vor Fähre nach Feuerland

Riesen Warteschlange vor Fähre nach Feuerland

Wieder eine Fahrzeugschlange. Das erste was ich höre – 3 Stunden Wartezeit. Ja für Autos und LKWs. Mopeds dürfen sich immer vorne anstellen.

Keine 5 Minuten und schon kommt die Fähre. Mein urugayischer Bikerkollege erkundigt sich nach dem Ticketverkauf. An Bord gibt es Tickets. Unsere Bikes kommen als letzte Fahrzeuge dran. Er hat aber ein großes Problem: seine Maschine bleibt auf dem Ständer nicht stehen. Er muss sein Fahrzeug halten und kann nicht selbst sein Ticket holen.

Ruckzuck auf Fähre

Ruckzuck auf Fähre

Was kostet die Fähre? Er gibt mir 60 US$. Er meint das wäre billiger als in Argent. Pesos zu zahlen. Ich zahle für beide Bikes US $10. Das hatten wir doch schon mal – uruguayischer Zoll – wahrscheinlich habe ich auch da den 6-fachen Zoll gezahlt.

Willkommen auf Feuerland

Willkommen auf Feuerland

 

Der Wichser hängt mich ab

Nach kurzer Asphaltstrecke geht es wieder auf die Piste. Über 100 km trockene Geröllstrecke. Hart aber griffig. Ca. 20 km vor dem nächsten Grenzübergang eine Baustelle auf der Piste. Der Stopp wird gerade aufgehoben. Ich möchte aber nicht den Staub von über 100 Fahrzeugen schlucken und gebe Stoff. Ein Fahrzeug nach dem anderen überhole ich. Längst zeigt mein Tacho weit über 100km/h. Heute habe ich so gut wie nichts gegessen – da tut ein ordentlicher Schuss Adrenalin mal richtig gut. Die BMW fliegt phantastisch über das Geröll. Es kracht am Unterboden und ich ziehe eine enorme Staub- und Steinwolke hinter mir her (ich habe ja kein hinteres Schutzblech mehr!). Vor mir fährt ein Wichser. Er steigert ebenfalls das Tempo. Bei ca. 140 km/h liege, eher springe ich neben ihm. Nach 3 km gebe ich auf. Da der Untergrund holpriger wurde, hatte ich Angst um meine Stossdämpfer. Und der Wichser? – ja der Mitsubishi Pajero – übersetzt heißt Pajero im Spanischen einfachWichser. Mitsubishi erfuhr erst nach der Markteinführung die wahre Bedeutung des Namens seines neuen SUV. An der Grenze traf ich wieder den Fahrer des „Pajeros“. Er hob den Daumen nach oben und sagte Paris-Dakar. Ich antwortete: No Senor – Ruta Express Kenia Norte!

Immer wieder trifft man unterwegs Bikerkollegen. Diesmal 4 GS Fahrer aus Paraguay und Uruguay. Alle mit neuesten BMW Motorräder und Top-Ausrüstung versehen.

BMW GS Treffen auf Feuerland

BMW GS Treffen auf Feuerland

Ushuaia

Ushuaia gehört zur argentinischen Seite von Feuerland. Politisch gesehen auf einer Halbinsel. Das heisst nach 150 km muss man wieder Chile verlassen und wieder nach Argentinien einreisen. Same procedure as usual. Okay diesmal war es weniger als 1 Stunde.  600 km hört sich anfangs nicht als eine lange Tagesetappe an. Aber mit 2 Grenzübergängen und einer Fähre bist du dann doch gut 12 Stunden unterwegs. Die letzten 100 km entschädigten mich für all die montonen Windkanalstrecken Patagoniens. Plötzlich wird es hügelig – richtig alpin. Grün, Wälder, schneebedeckte Gipfel und blaue Fjorde und kurvige Streckenführung. Von der Landschaft, Vegetation und Gebäuden erinnert mich das Ganze an Skandinavien bzw. zum Teil an Island.

Ushuaia liegt am Beagle-Kanal, einem Meerarm. Eher schmucklos. Hafen, Sendemasten, keine schöne Stadt. Das Panorama mit seinen Schneegipfeln und der blaue Meerkontrast ist die eigentliche Schönheit der Gegend. Die Innenstadt (Ushuaia hat ca. 60.000 Einwohner) hat unzählige Outdoor-Geschäfte und ein paar urige Kneipen.

Hier wieder einige Impressionen:

Ein Muss ist der Besuch von Ramos Generales und nicht nur wegen der originellen Toilette.

Einige Bilder zeigen, dass hier nicht gerade Hochsommer herrscht. Hoffentlich regnet es morgen bei der Weiterfahrt nicht. Ich möchte noch gerne einige Panoramabilder und Fotos von der Vegetation schiessen.

Drückt mir die Daumen, dass morgen der erneute Grenzübergang nach Chile nicht wieder zur einer Polkaschlangenorgie ausartet. Sind doch nur 550 km nach Punta Arenas.

Donde? Ab jetzt geht es Richtung Alaska.

Fiesta Nacional del Asado – Cholila, Pategonia

Kaum angekommen, ging es gleich am Freitag abend um 22.00 Uhr zum Grillfest. Die perfekte Zeit. Der Südamerikaner geht erst um diese Zeit zum Abendessen (Cena). Den ganzen Tag bin ich gegen den Wind gesegelt, hatte fast nichts gegessen und freute mich auf mein erstes Asado. Ich bekam eine Riesenschüssel mit verschieden Fleischstücken. Genial dazu: Plastikbesteck! Versuch einmal mit solchen Zahnstochern Fleisch von den Knochen zu trennen – unmöglich. Die Profis (links und rechts an meinem Tisch, alle außer mir) hatten ihr Kampfwerkzeug (langes Messer mit Scheide) dabei. Asado = 90% Fettschwarte? Irgendwie waren die Fleischstücke eher zähe, aber sehr knusprige, Fettklumpen. Selbst mit 2 Dosen Bier konnte ich mich mit diesem Asado nicht anfreunden. Dann doch lieber der Live Musik zuhören und den ausgelassen tanzenden Einheimischen zuschauen.

Nachts regnete es in Strömen. Pünktlich um 9.00 Uhr morgens kam aber die Sonne heraus. Mein Hostel-Chef Dario gab mir den Tipp, das gleichzeitig stattfindende Rodeo zu besuchen. Auch hier viel pathetische Reden und immer viel argentinische Country Musik. Dann Dutzende „Absteiger“. Null Touristen, massig Gauchos in allen Klamottenkombinationen und auch jeglichen Alters. Dann ging es wieder zum Asado. Kotelett und Würste sind die bessere Wahl . Nicht so grasso (fett). Hugo und sein Freund, zwei ältere Herren, mit denen ich mein „Zimmer“ teilte, meinten, dass wir heute Abend alle zur Miss Asado-Wahl gingen. Dort würde die neue „Miss Hüftsteak 2016“ gewählt.

Unglaubliche Mengen an Leuten haben sich auf dem Festgelände eingefunden, die meisten campten irgendwo wild, hatten Kinder dabei und schleppten ihre Klappstühle herum. Neben dem gigantischen Live Grill gab es noch Hunderte von Ständen, auf denen alles Mögliche und Kitschige verkauft wurde. Auf der großen Bühne fanden permanent Live Auftritte statt – von Komikerauftritten über Country-, Hard Rock- und Tangomusik – hauptsächlich laut – aber das Publikum ging immer mit.

Dann das Highlight gegen Mitternacht: die Miss ASADO-Wahl. Was für ein Spaß. Ich mit meiner Monsterkamera ganz vorn und Hugo schrie ständig auf die Kandidatinnen ein – TV Allemania – schau mal her. Und ob ihr es glaubt oder nicht – jede Kandidatin blieb stehen und posierte extra vor meiner Kamera.  Wir hatten eine Riesengaudi.

Hier einige Bilder:

Meine 2 Jungs sahen, dass ich vom offiziellen Asado-Essen ein wenig enttäuscht war und organisierten mit ein paar anderen Hostelbewohner richtig gutes Fleisch und Würste. Dazu gab es Tomatensalat, Zwiebeln und Weißbrot. Nach ca. 2 Stunden hatten wir unser Asado privado:

Rey del Bano Seco (König des Trockenklos)

Unser Hostel war ganz auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Nichts aber gar nichts wurde verschwendet. Auch der letzte Sch…. wurde nachhaltig recycled. Dazu wurde extra ein Bano Seco (ein Trockenklo) errichtet. Aus Lehm, Gras und Flaschen (sie dienen als Fensterersatz) hat Dario ein nachhaltiges Toiletten-Refugium errichtet. Man(n) oder Frau ersteigt innen den Thron und residiert (verrichtet sozusagen seine Geschäfte). Lecker oder? Hast du deine Amtsgeschäfte verrichtet, gibst du anschließend deinen Segen in Form von Sägemehl. Das Naturdeo – Nachhaltigkeit in Perfektion.

Leute – ganz im Ernst. Heute war ich unterwegs von Cholila zur Atlantikküste. Zweimal musste ich tanken und zweimal fand ich katastrophale, überflutete Toiletten vor. Dann kneifst du entweder, trinkst und isst den ganzen Tag nichts und sehnst dir ein ordentliches Hotelzimmer mit bano privado herbei. – Das gehört auch zu Abenteuerreisen.

Unterwegs traf ich noch 2 Biker aus Brasilien. Sie kamen von Feuerland und fuhren Richtung Norden. Wir tauschten uns über die verschiedenen Streckenabschnitte aus und sie gaben mir die Adresse eines guten BMW-Händlers in Punta Arena, auf der chilenischen Seite von Feuerland.

 Zwei Biker aus Brasilien

Zwei Biker aus Brasilien

Dort könnte ich wahrscheinlich ein neues Schutzblech bekommen. Insgesamt legte ich heute mäßige 675 km bei wiederum heftigem Seitenwind zurück. Morgen und übermorgen geht es weiter nach Ushuaia, Feuerland. Macht nochmals ca. 1350km.

Ölpumpstation in Patagonien

Ölpumpstation in Patagonien

Sobald ich am Ende der Welt bin, werde ich mich wieder melden.

 

 

 

 

Vom Winde verweht – it’s a long way down!

Von Buenos Aires quer durch die Pampa an die Atlantikküste

In zwei Etappen ging es Richtung Atlantikküste. Ich brauchte 3 Stunden um den Großraum Buenos Aires hinter mich zu lassen und das bei relativ flüssigem Verkehr. Anschließend ging es durch flaches Agrarland mit Viehzucht . Zwischen Mar del Plata und Bahia Blanca verbringen viele Argentinier ihren Sommerurlaub. Fast Zustände wie bei Rimini.

Punta Alta zur Halbinsel Valdes

Vom Marinestützpunkt Punta Alta ging es dann Richtung Süden zur Halbinsel Valdes. Die Fahrt war aufregend: die Temperatur stieg immer mehr, bis zu 39°C, die Landschaft einfach abwechslungsreich – absolut flach, kein einziges Tier, kein Baum nur trockenes Gestrüpp, wenig Verkehr und immer geradeaus inkl. den 5-6 Kurven als Highlights und das auf über 760 km.

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Gedenkstätte Verkehrsopfer an Kreuzung

Immer wieder sieht man am Strassenrand Minikapellen mit vielen roten Fahnen. Sie erinnern an die vielen Verkehrsopfer. Schnell pennst du auf den monotonen Strassen ein. Ich selbst hatte meine Mühe mit dem extremen Seitenwind. Im Ernst, ich hatte nächsten Tag Muskelkater im Nacken. Du musst ständig den Kopf gegen den Wind drücken und bei dieser Etappe ganze 9 Stunden lang!

Komplett erschöpft kam ich Piramides auf der Halbinsel Valdes an. Das Hostel Aloha und die anwesende Leute waren sehr nett und aus aller Welt. Valdes ist ein Naturschutzgebiet und vor allem bekannt für seine Seelöwen, -elefanten, Pinguine und Schwertwale (Orkas). Die Hauptattraktion sind aber die großen Buckelwale. Leider sind die dort nur bis November zu sichten. Es gibt auf Valdes mehrere „Spotting Points“. Der größte Aussichtspunkt -Punta Norte- hat auch die größte Tierkolonie.

Hier einige Schnapshots:

Als ich aufbrach, begann es schon leicht zu tröpfeln. Der ganze Weg zurück zum Hostel (ca. 90 km) ist offroad mit sehr sandigen und dreckigem Untergrund mit zum Teil sehr heftigen Quer- und Längsrillen. Okay das ist man beim Offroad- Fahren ja gewohnt. Ungewohnt und speziell für Valdes:  der heftige Seitenwind, der dich ständig aus einer der härteren Fahrspuren sprichwörtlich heraushebt. Trotz hervorragander Wettervorhersage zog plötzlich ein heftiger Sturm auf. Innerhalb von wenigen Minuten verwandelte sich die Piste in eine klitschige, seifenartige Rutschbahn. Nix mit 100-120 km/h über die Piste. Geschwindigkeit anpassen. Max. 60 km/h. Dachte ich. Ich legte einen filmreifen Stunt hin – null Grip. Ich drehte mich um die Achse – im Eislauf hätte ich dafür eine tolle künstlerische Note bekommen – schlingerte noch heftig und flog mit der BMW in tiefen Matsch.

Matschpartie auf Valdes

Matschpartie auf Valdes

Das war mein Glück. Ich brauchte 5 Minuten um mich aus der Maschine wieder zu befreien. Die BMW wieder aufzustellen war unmöglich. Es gab kein festen Halt um irgendein Hebel anzusetzen. Erst mit Hilfe von 2 Autofahrern konnte ich die BMW wieder aufrichten. Ich setzte meine Fahrt im Schritttempo fort. Für die nächsten 3 km brauchte ich über 1 Stunde.

Alles Gepäck runter - Gewicht machen

Alles Gepäck runter – Gewicht machen

Irgendwann wurde der Untergrund fester und nach 4 Stunden und 2 weiteren, kleineren Stürzen, erreichte ich total erschöpft und völlig eingedreckt in der Dunkelheit das Hostel und gönnte mir mein „Aventura“-Bier. Den nächsten Tag verbrachte ich damit die Klamotten zu reinigen.

Von Valdes nach Esquel-Cholila

Neue Rekordetappe mit 870 km. Wie gewohnt extrem langweilig, immer geradeaus und als Bonus neben dem Wind extrem kalt mit 10-12°C. Nach 10 Stunden erreichte ich die Ostseite der Anden. Endlich grün und Berge. Aber es regnete und war noch immer kalt. Auf der letzten Strecke – offroad again – kracht es auf einmal infernalisch unten an der BMW. Mein erster Eindruck: jetzt hat sich der Kardanantrieb aufgelöst und die Kugellager spielen Billard im Gehäuse. Ich hielt an, aber ich konnte auf den ersten Blick nichts erkennen. Die Maschine lief auch normal. Auch der Seitenständer und Hauptständer waren noch dran. Aber wo ist das hintere Schutzblech (-plastik)? Beide Halterungsschrauben sind aus dem Plasikteil herausgebrochen und das ganze Schutzteil hat sich zwischen Rahmen und Rad verkeilt und den enormen Krach verursacht. Was soll es – dann fahre ich ohne Schutzblech. Nächstes Jahr kann ich ein Ersatzteil mitbringen.

Nun freue ich mich auf das größte Grillfest von Argentinien.

Bis bald.

Buenos Aires – eine City, die nie ruht

Mit über 13 Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt Südamerikas. 40.000 schwarz-gelbe Taxis, 18.000 Autobusse sowie ein Meer von Autos und Kamikaze-fahrenden Motorrädern auf zum Teil 10-spurigen Fahrbahnen lassen Buenos Aires nie zu Ruhe kommen. Spät abends schwadronieren ganze Heerscharen von Leuten durch die Strassen, ab 21.00 Uhr gehen die Leute hier erst richtig aus. Ab in eine Bar, Restaurant oder man hört einem der Strassenmusikanten zu. An jeder Ecke ist etwas los. Das ganze Flair erinnert einen hier an Südeuropa.

Von den Läden und vom Angebot kann Buenos Aires mit jeder Weltstadt mithalten. In den letzten 3 Tagen bin ich sehr viel zu Fuß unterwegs gewesen und habe gefühlt jeden Tag einen Marathon hinter mich gebracht. Bis zu 6-7 Stunden war ich jeden Tag in einigen der angesagtesten Viertel unterwegs und habe über 500 Fotos und viele Videosequenzen geschossen.

Am besten nehme ich Euch auf meine Erforschungstouren mit ein paar Bildergalerien mit .

Da wäre das Viertel Recoleta – ein eher reicheres Viertel -bekannt auch für seinen  Friedhof mit fast monumentalen Mausoleen. Hier ist auch das Familengrab von Evita Peron. In dem Viertel fand ich auch einen sehr beeindruckenden Bücherladen, der sich in einem historischen Theater befand. Reichtum kann man hier außer am Zustand der Gebäude und Autos auch an den vielen, professionellen „Hunde-Gassieführer“ erkennen. Nicht selten sind sie mit über 20 Hunden an der Leine unterwegs.


 

Hier folgen einige Bilder von Restaurants und Cafes:


 

Tangotänzer, Polizisten, Strassenartisten oder ein Foto von mir in der Kaufhausspiegelwand. Außer einigen wenigen Pennern (für eine Großstadt erstaunlich wenige) , fast keine Bettler, es fallen einem nur die Geldwechsler auf, die ständig Cambio, Cambio rufen. Mit der Freigabe des argentinischen Pesos (der Wechselkurs wurde zum 1.1.16 von der Regierung freigegeben und gab auch prompt um 30% nach) müsste der Wechsel-Schwarzmarkt austrocknen. Positiver Effekt: Argentinien ist für Touristen billiger geworden.


 

Impressionen aus den verschiedesten Vierteln von Buenos Aires. Läden, Kaufhäuser, Demos etc.


 

Boca – Heimat der Boca Juniors, dem bekanntesten Fußballclub Argentiniens. Papst Franziskus ist auch ein Fan davon. Natürlich habe ich mir das Stadion, die Museum und Fankneippen angeschaut. Nicht weit davon entfernt habe ich Bilder von dem ehemaligen Einwanderungsviertel Boca geschossen.


 

Fotosafari – manchmal doch ein gefährliches Abenteuer

Auf der Suche nach ungewöhnlichen Szenen und Bildern streife ich oft allein durch abgelegene Straßenzüge. Ein Problem dabei ist meine relativ große Kamera, die sofort ins Auge sticht.

Thema Stechen – ich war gerade dabei, in einer abgelegenen Straße ein skurriles Auto aufzunehmen, als plötzlich ein junger Argentinier auf mich zukam und mir meine Kamera entreißen wollte. Obwohl ich auf diese ungeplante Actionszene nicht gefasst war, konnte ich die Kamera festhalten. Er zückte darauf sofort sein Messer und forderte die Kamera. Leider hatte ich nur die linke Hand frei und konnte ihm nur einen relativ schwachen Hieb verpassen. Er fuchtelte und stieß mit dem Messer noch mehrmals nach mir bis ich die Kamera in meinem Rucksack verstauen konnte. Als er sah, dass ich nun beide Hände frei hatte, ging er einige Schritte zurück.  Da ich mir nicht sicher war, ob noch mehr von seiner Sorte in der Nähe waren, lief ich einige hundert Meter weiter bis ich wieder in einer belebten Straße war.

Nächstes Mal lasse ich mein Pfefferspray nicht mehr im Hotel zurück.

Que aventura!

Jetzt geht es Richtung Süden – nach Patagonien.

 

 

Endlich bin ich wieder im richtigen Film

Mein Alptraum – Uruguay ist vorbei. Nun kann es richtig losgehen.  Am Dienstag ging es aus Montevideo raus Richtung Osten Punta del Este. Mautstelle. Schon wieder diese uruguayischen Piraten. Ihr könnt mich mal und fahre haarscharf an der Absperrschranke an dem verdutzten Polizisten vorbei. Das gleiche nochmals nach ca. 30 km. Von mir bekommt ihr keine Dineros mehr, sondern nur das Hinterteil meiner GS zu sehen. Kann ich doch nichts dafür, dass sich genau über mein Nummernschild ein Teil meiner Tasche gelegt hatte. Zur Sicherheit mache ich noch einen kleinen Schwenk ins Landesinnere um im Offroad-Modus meine neuen Geländereifen Marke Heidenau – ich habe sie „Heidrun“ getauft, zu testen.

Meine Heidruns – sie sollen extrem lang halten und im Gelände besonders guten Grip bieten. Mein erster Eindruck: im Gelände fühlt sich Heidrun sehr wohl, aber auf der Strasse jault sie bei ca. 90km/h fürchterlich. Am Anfang dachte ich die GS hätte einen Motorschaden, so schräg klang es. Es gibt nur zwei Möglichkeiten – entweder du fährst auf der Strasse schneller oder gehst offroad.

Nach ca. 450 km kam ich an mein Tagesziel Punta del Diablo (Teufelspunkt), ca. 35km von der brasilianischen Grenze, an.

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Hostal Lady

Der Ort ist bei Surfern, Yogies und Alt-Hippies sehr beliebt und wird auch sehr stark von der brasilianischen Jugend frequentiert. Mein Hostal war fast komplett belegt. In meinem gemischten Schlafraum waren neben Schotten, Waliser auch noch 2 Yogies, die mit ihren Verrenkungen permanent die Türe blockierten.

Die Hostal Lady – selbst eine Mopedfahrerin – konnte gar nicht glauben, dass ich mit meiner Riesen-Scania, die BMW GS ist zu den uruguayischen 125er mehr ein GigaLiner, direkt aus Alemania gekommen bin. Wahrscheinlich hat sich schon in ganz Uruguay herumgesprochen, dass ich dem uruguayischen Zoll entkommen bin. Jedenfalls bekam ich allein eine Cabana (eine Minihütte mit einem leeren Stockbett). Aber irgendwie bin ich für  einen solch vibrierenden Ort doch ein wenig zu alt.

Punta del Diablo Beach

Punta del Diablo Beach

Bis 4.00 Uhr morgens grölten die von Cannabis gestonte Jugend. An Schlaf war kaum zu denken. Am Abend hatte ich mir noch eine Portion Knoblauch mit ein wenig Pulpo (Tintenfisch) gegönnt. Alex, unser Lager-Knoblauchfetischist hätte daran seine reine Freude gehabt. Mir hat die Überdosis Knoblauch nur einen rumpelnden Magen und Kopfschmerzen bereitet.

Surfboards

Surfboards

Nächsten Morgen ging es wieder auf Achse, oder sollte ich besser sagen auf die Stossdämpfer. Die auf der Karte eingezeichneten Landstrassen entpuppten sich als heavy stuff. Zum Großteil unbefestigte Wege mit zum Teil steinigen und sandigen Untergrund. Das war aber gut so. Ein wenig Namibia (gut geschottert), viel Nordkenia ( permanent wechselnder Untergrund). Meine ganze Konzentration war gefordert. Mit zum Teil über 120km/h jagte ich über die Pisten. Die Heidruns (Reifen!) waren toll. Unten knallte der Schotter gegen die Unterbodenbleche, die Stossdämpfer testeten ihr Limits. Aber ich war frei und konnte stundenlang meinen Zollfrust „herausfahren“. Die Strassen im Landesinnere sind so einsam, dass ich oft über eine Stunde kein Fahrzeug sichtete.

Spät nachmittags landete ich in der Karibik. Trinidad. Karibik wäre schön. Stattdessen war ich mitten in der uruguayischen Pampa. Ich hatte in Montevideo per Internet eine Übernachtung auf einer echten Rinder Rancho (laut dem Obergaucho haben sie dort auch mehr als 100 Pferde) gebucht. Ich hatte zum Glück GPS Daten. Nach 4 Fehlversuchen (die Farm war ein paar mal laut GPS nur einige km entfernt von mir, kam ich dort recht müde an. Das GPS wollte mich zweimal durch einen Fluss lotsen! Kurzer Rundgang, die Leute waren sehr freundlich, sprachen aber schlechtes Spanisch (Grins – verstanden mein Rolf-Esperanto irgendwie nicht), bruzelten mir aber 4 herrliche Schnitzel.

Rancho von Innen

Rancho von Innen

Trotz Sprachschwierigkeiten – wer mich kennt – ich gebe bei der Kommunikation selten auf, erzählte mir der Rancho-Boss, dass der Montevideo Hafenzoll in Uruguay eine Mafia sei. Er selbst hat leidvolle Erfahrung mit extrem überhöhten Zöllen auf Zaumzeug und landwirtschaftliche Geräten gemacht.

Heute ging es früh los – wieder viele Offroad-Strecken. Schnell an die Grenze, ich wollte noch heute nach Buenos Aires, Argentinien. Um 11.00 Uhr erreichte ich die Grenze. Ich gab meine Gefängnispapiere (Motorrad-Aufenthalts-Genehmigung) am uruguayischen Zoll ab. Der argentinische Zoll ? Nettes Rolf-Esperanto Geplauder, nach 10 Minuten hatte ich meine Papiere für Argentinien. 9 Monate Aufenthaltserlaubnis für die BMW. Kosten? Zero Pesos!

Vor lauter Erleichterung vergaß ich die Überquerung des River Uruguay mit der GoPro zu filmen. Eine Monsterbrücke. Sehr beeindruckend. Dann ging es langweilige 250 km auf der Autobahn nach Buenos Aires. Links und rechts der Strasse war ein gigantisches Sumpfgebiet.

Um 16.00 Uhr bin ich in Buenos Aires eingetroffen.  Mit 15 Millionen Einwohnern ist Buenos Aires eine Weltstadt.

Sehr lebhaft. Lauter Verkehr, moderne Geschäfte, die ganze Stadt vibriert. Demos vor dem Regierungsgebäude, Massen von Leute in den Fußgängerzonen, viele Straßenmusikanten. Ich selbst habe schon viele Millionenstädte gesehen.  Ab sofort gehört Buenos Aires zu meinen Lieblingsorten. Ich werde die nächsten 3 Tage geniessen und euch bald Bilder von meinen „Lieblingsecken“ zeigen.

Buenos Aires ist echtes Kino – Montevideo dagegen ist ein veralteter Stummfilm (und das nicht nur wegen dem Zoll)

Viva Argentina

Libertad por la BMW

Endlich ist die BMW aus dem Zoll.

Pablo, ein Angestellter von Cargas war mir eine große Hilfe. Er hat über 6 Jahre in Utah Basketball gespielt. Sein Englisch ist deshalb hervorragend. Mit meinem „Rolf Espanol-Esperanto“ wäre ich nie durch den Zoll gekommen. Selbst er schüttelte manchmal verzweifelt den Kopf bezüglich Einfallsreichtum des uruguayischen Zolls.

Zunächst trafen wir unseren Zollagenten, dann ging es zum Containerhafen. An der Sicherheitspforte blieben wir erstmals hängen. Meine Daten waren nicht im internen System hinterlegt, trotz vorliegendem Scan meines Passes. No permisso. Nach endlosen Telefongesprächen bekam ich endlich meinen Ausweis – mit Foto. Dann ging es zum Zoll. Nach Austausch vieler emotionaler Bruder- und Schwesterküsschen (wenn ich nächstes Mal in Deutschland zum Zoll muss, werde ich auch einmal den Zollbeamten abknutschen – bin schon jetzt gespannt auf die Reaktion!) bekamen wir unsere „Zollschwester“ zugeteilt. Nochmals alle Originalpapiere kontrolliert plus überraschende Frage nach der Motorradversicherung. Die hatte ich zum Glück im Vorfeld bei einem argentinischen Versicherungsbroker abgeschlossen. Noch meine Geburtsurkunde, Metro-Ausweis oder ähnliches? Nein fürs Erste war sie zufrieden.

Pablo von Cargas und mein Zollagent

Pablo von Cargas und mein Zollagent

Dann fuhren wir mit dem Auto zur nächsten Zollabteilung. Hier wurden die Kopien der Papiere nochmals zertifiziert, dokumentiert und autorisiert (ohne Küsschen!). Weiter ging es an die nächste Pforte. Dort bekam ich einen neuen Ausweis, einen Sicherheitshelm und eine Warnweste. Senor – no permisso por camera! Was? Filmen verboten – na ja. Der Typ haut auch einmal ab. Später schoss ich meine Bilder. Von hier fuhren wir mit einem Riesen-Transferbus quer durch den Container-Terminal zur Lagerhalle.

BMW auf Holzsockel noch fest verzurrt

BMW auf Holzsockel noch fest verzurrt

Die Holzkiste war schon entfernt, die BMW stand fest vertäut auf ihrem Siegessockel. Batterie angeklemmt, Motor sprang gleich an. Schnell die Strapsen (seemännish befestigt) und Balancesäcke abgeschnitten und los geht’s. Denkste! Der Lagerchef muss noch unterschreiben, Transferbus kommt. Meine zwei Begleiter (Zollagent und Pablo) steigen ein.

Containerhafen

Containerhafen

Stopp! Uruguayische Sicherheitsvorschriften – ich kann doch nicht einfach hinter einem Bus herfahren. Ein kleiner Sicherheitswagen wird angefordert. Mit Blaulicht und Warnlicht fahren wir im „Convoy“ mit 15 km/h durch den Containerterminal. Bekomme ich jetzt gleich meinen eigenen Runway, muss ich jetzt noch den Tower um „Flight Permission“ bitten? Nö, nur meinen hübschen Sicherheitshelm  und die Weste abgeben. Meinen „Visita“- Ausweis gegen personalisierten Ausweis tauschen und dann geht es wieder zum Zoll. Zollbeschau und wieder ein neues Zolldokument. Hier wird genau der Grenzübergang der Ausreise festgelegt.

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„Hafenarbeiter“ – Ready to Go

Nach knapp 3 Stunden endlich die Pforte – ich fahre einfach durch, ohne meine Papiere oder Sonstiges zu zeigen – Libertad por Todos!

Adios amigos aduana.

Ich fahre mich erst einmal frei – drehe die BMW auf, und dann endlich, im Hotel ein cervesa frio (kaltes Bier)