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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Das Comeback – mit der Stahlratte auf Karibik Cruise

Cartagena und Motorradverladung

Der Start in die zweite Etappe meiner „Amerikaexpedition“ war einiges gemütlicher wie beim Hinflug nach Montevideo. Großes Lob an die Lufthansa. Im Gegensatz zur Iberia-Tochter Air Europa ordentliche Beinfreiheit, guter Board Service und hervorragendes Filmprogramm. Relativ relaxed kam ich in Bogota an. Zoll null Problem, auch meine Tasche mit der Kupplung interessierte niemanden.  Plötzlich ein Riesenlärm und aufschreiende Menschen. Kolumbien hat bei der Copa America die nächste Runde erreicht. Nach gefühlten 3 Minuten holte der Reporter nach seinem „GOL“- Ausruf wieder Luft. Weiterflug nach Cartagena. In Cartagena dann der große Schock: 35°C bei 90% Luftfeuchtigkeit und das nach fast 3 Monaten ununterbrochenem Regenwetter und kühlen Temperaturen in Deutschland. Schnell Taxi und ab zu Kapitän Ludwigs Haus. No Problema. Denkste. Taxifahrer kennen nur Hoteladressen. Obwohl ich einen genauen Strassenname hatte, keine Chance. Gottseidank war ich schon vorher bei Ludwig. Aber ohne meinen eigenen Input würden wahrscheinlich jetzt noch in Cartagena herumirren. Kurz nach Mitternacht kam ich an, Ludwig erwartete mich schon mit einem kühlen Bier. Die nächsten 3 Tage gingen mit Akklimatisierung und Verzollungskram vorbei. Irgendwie genoss ich das ganze südamerikanische Chaos.

Am Dienstag, dann endlich Verladung der Motorräder. Ich war schon gespannt auf das Segelschiff, die Crew und die anderen Teilnehmer. Nach langem Gegurke sprang die BMW an. Wahrscheinlich hatte sich in den vergangenen 3 Parkmonaten zuviel salzhaltige Seeluft angesammelt. Froh dass ich endlich wieder Moped fahren konnte, stach ich euphorisch los. Nach einigen Kilometer stellte ich fest, dass ich mich irgendwie zu „luftig“ fühlte. Ich hatte glatt meinen Helm vergessen. Also zurück und dann schnell zum Zollhafen. Jetzt wurde die Zeit knapp. Ausfahrt verpasst. Keine Möglichkeit umzudrehen auf der Stadtautobahn. Lösung: einfach als Geisterfahrer zurückfahren. Und dann kommen dir 3 Motorradpolizisten entgegen, die es fast vor Schreck vom Moped haut. Dann anhalten und Laberlaber, sorry sorry, rapido rapido, Aduana cerado (geschlossen), no adios to Columbia etc. Nach 5 Minuten durfte ich weiterfahren – ohne Strafe, haben aber Bilder gemacht vom logo Aleman (verrückten Deutschen). Schnell wieder weiter, aber zu spät: am Zolltreffpunkt vor verschlossenem Tor. Wieder hablas Rolf Espanol und irgendwie Sesam öffne Dich kam ich in den Zollhafen rein, rechtzeitig zur Verschiffung des Motorrades. Hier traf ich zum ersten Mal die anderen Teilnehmer.

Ab in die Karibik mit Insel-Hopping und Landung in Panama

Bunt gemischte Truppe: insgesamt 9 Motorräder, 19 Passagiere – 2 australische Biker, 2 Biker von Argentinien, 2 Biker von Schweden, 1 Malayer und seine südafrikanische Frau und ein schwäbischer Biker (ich!), der Rest noch 4 deutsche Non-Biker, 3 Texaner, Kapitän Lulu (Ludwig) samt Frau und Tochter Lotti sowie Johann aus Barcelona und Tilly aus Deutschland als Crewteam. Ein brasilianisches Bikerpaar hatte nur sein Motorrad auf der Stahlratte deponiert, hatte aber selbst keinen Kajütenplatz mehr bekommen. Sie erwarteten uns in Panama. Vor der Abfahrt gab es noch ein wenig Stress mit den Papieren. Aber alles wurde von Kapitän Lulu gelöst. Dann stachen wir in See.  Kurze Einweisung und Fakten zur Stahlratte: 2 Masten, Dieselmotor, 116 Jahre alt, ursprünglich in Holland gebaut, heute von einer non-Profit Verein betrieben (Mehr dazu unter: www.stahlratte.de). Dann wurden wir alle zu sehr humanen Küchendiensten eingeteilt. Los ging es. Unser malayischer Pirat Zeinal (auch bekannt als Bruce Lee) beschloss seekrank zu werden,  sonst gab es keine Ausfälle. Verpflegung war sehr gut. Großes gemeinsames Frühstück, besonders meine südafrikanische Balettlehrerin strotzte vor Extrovertiertheit. Wir alle harmonierten sehr und hatten viel Spass. Am nächsten Tag liefen wir eine kleine Karibikinsel an. Barbecue inklusive. Die Insulaner boten uns Kokosnüsse an. Den Tag verbrachten wir mit ausführlichen Schnorchelexkursionen im klaren Karibikwasser. Nach einiger Zeit war ich Feuer und Flamme! Vor allem auf meinem Rücken. Sonnenbrand.

Am nächsten Tag ging es weiter zu einer größeren Karibikinsel mit großem Hummer- und Baracudaessen am Abend. Hier wurde auch unsere Einreiseformalitäten für Panama erledigt. Zunächst erstmal die Pässe. Wiederum tauchen und Seilschwingen vom Schiff ins Wasser.  Unterwegs trafen wir immer wieder Leute. Kapitän Lulu ist wirklich gut „vernetzt“ in diesem Teil der Karibik. Lulu ist eine imposante Erscheinung und punktet mit seinem großen Charme. Eine weiter Nacht auf See und am 4. Tag nähern wir uns der panamaischen Küste. Wir legen nicht in einem offiziellen Hafen an, sondern an einer relativ kleinen Mole. Mit viel Erfahrung werden unsere Bikes auf die Mole „geschwungen“. Dann Abschied und die Bikertruppe legt los Richtung Airport Panama City. Ich lass es mir nicht nehmen engeren Kontakt mit einem schwedischen Bikerkollegen zu pflegen. Fahre ihm prompt in seinen Koffer. Außer dass mein rechter Suchscheinwerfer abknallt ist nichts passiert. Nach 20km die erste Zollkontrolle. Hier muss jeder erst einmal US$ 20 Bay Gebühr bezahlen. Nach weiteren 10 km wird Zainals Frau auf der kurvenreichen Strecke „motosick“. Mit verminderter Geschwindigkeit geht es dann weiter.

Biker Terror Squad Team beim Zoll

Wir folgen genau den Instruktionen und landen beim Airport in der Abfertigungshalle für Flugpassagiere. Was für ein Bild – wir 10 in voller Kampfmontur. Für Aufmerksamkeit ist gesorgt. Dass wir aber durch den Personenscanner sollen um unser Motorrad vom Gepäckband zu holen, kommt mir aber dann doch dubios vor. Selbst meine spanisch sprechenden Argentinier sind damit überfordert. Dann die Auflösung: der Frachtterminal befindet sich 3km weiter. Langsam, langsam. Laut Kapitän Lulu hat der Zoll am Samstag bis 17.00 Uhr geöffnet. Noch über 2 Stunden Zeit. Wir finden den Zoll, er hat auch offen. Sprichwörtlich die Tür geht auf und wir stehen in einem leeren Büro. Unser Zöllner, so erfahren wir, ist schon im Wochenendurlaub. Also am Montag früh wieder zurück. Dann innerhalb von knapp 1 Stunde haben wir alle unsere Papiere und ab geht es zum BMW Händler Kupplung reparieren.

BMW Panama City – Nachhaltigkeit ist angesagt

Nach dem zweiten Anlauf finden wir die richtige Werkstatt. Alle begleiten mich. Claudio, der auch eine GS Adventure fährt, hatte auch schon das selbe Problem. Bei ihm war nur eine Dichtung am Kupplungshebel defekt. Auch der Händler denkt,dass es nicht an der eigentlichen Kupplung liegen dürfte. Claudio lässt auch sein Kupplungsöl tauschen. Ich habe ja eine komplette Ersatzkupplung und Kupplungsöl dabei. Das Öl reicht für beide Fahrzeuge. Nach 5 Stunden kommen wir zurück. Bei Claudios BMW haben sie eher Bedenken wegen dem Zustand.

Und meine Kupplung? Ja bei meiner BMW waren beim letzten Service Nachhaltigkeitsfanatiker am Werk. Sie haben zwar die Leitung entlüftet, aber mein altes, völlig verdrecktes und zähflüssige Kupplungsöl wieder eingefüllt und mir als neues Öl verkauft . Und ich kaufe für 700 Euro eine komplette Ersatzkupplung und transportiere die Teile nun durch die halbe Welt. Das ist halt Südamerika. 550 US $ für ein paar Bremsbeläge und den alten Rotz als Neuware wieder an den Gringo gebracht. Die Kupplung funktioniert wieder tatenlos.

Die Brazilianer sind schon voraus an einen Strand gefahren. Wir treffen 2 Stunden später nach einem heftigen Regenguss ebenfalls ein. Zelt aufgebaut. Grillzeug besorgt. Dusche und WC dürfen wir kostenlos benutzen.

Kopienorgie beim Zollübergang nach Costa Rica

Am nächsten Tag kommen wir spät nachmittags an der Grenze Panama/Costa Rica  an. Nach 15 Minuten haben wir unser Ausreisepapierkram in Panama erledigt. Jetzt Einreise nach Costa Rica. Irgendwie identifizieren wir zusammen das richtige Zollbüro. Hier bekommt jeder von uns eine Liste, die wir abarbeiten müssen. Zu nächst Versicherung für US$ 15 abschliessen, dann Kopie machen. Dann Pass abstempeln, dann Kopie machen. Dann Formular ausfüllen und nochmals Kopie vom KFZ-Schein machen lassen, dann wieder abstempeln lassen, dann wieder Kopie machen, dann neues Formular ausfüllen. Dann 4-Augen Interview mit Inspektor. Wo steht im Kfz-Schein Motornummer. Gibt es bei der deutscher Version nicht. Schwabe hat aber Motornummer von Werkstatt bekommen. Dann x-mal  Unterbrechung wegen privaten whatsapp des Zöllners. Dann Zollbeschau. Dann okay. Dann noch 3 weitere Wiederholungen bei den anderen und nach knapp 2 Stunden geht es bei völliger Dunkelheit zur nächsten Stadt in ein gutes Hotel.

Nächster Bericht folgt aus Belize in gut 1 Woche, falls ich mich bei den nächsten Grenzüberquerungen (Nicaragua, Honduras, Guatemala, Belize) gut aufführe und fleißig mit Dollares schmiere!

 

 

Das Ende des Toilettenpapier-Sozialismus – Kuba Reloaded

Kuba – DDR Reloaded?

Ich bin noch ein Bericht zu Kuba schuldig.

Wegen einem technischen Problem konnte ich einige Zeit nicht auf meinen Blog zugreifen. Live aus Kuba war leider auch nicht möglich, da ich dort nur einen sehr begrenzten Zugriff auf das Internet hatte.

Ganz ehrlich es fällt mir schwer über Kuba zu schreiben. Ich habe mittlerweise ein Luxusproblem, ich habe über 80 Länder bereist, u.a. war ich auch mehrmals in der ehemaligen DDR, und vergleiche natürlich Länder, ihre soziale Systeme und bin einfach nicht mehr so romantisch verklärt und oft auch schon zu kritisch. Kuba ist zur Zeit vor allem in Deutschland als Reiseland sehr in Mode. Typische Aussage: „schnell noch nach Kuba und das echte sozialistische Kuba in seiner Ursprünglichkeit erleben bevor es amerikanisiert wird“.

Mein Bericht könnte ausfallen wie folgt: tolles Land, fantastische Stimmung, morbider Charme von halbverfallenen Häuser, amerikanische Autoschlitten aus den 50er Jahren, Musikkneippen in vibrierenden Gassen, Karibik pur – tolles Klima (ich hatte nie Regen, immer 30°C), Palmen und schöne Strände, Cocktails und freundliche Kubaner. All das habe ich auch gesehen und erlebt.

Mein typischer, etwas skeptischer „Rolf-Blickwinkel“ könnte auch folgendes Bild zeichnen: der Sozialismus in seinen Endzügen: bis auf die einige Hundert toll hergerichtete Touristen-Cabrios sind die meisten „Oldtimer“ schrottreif, ohne Bremsen und Federung, viele ohne Originalmotor sondern mit billigen chinesischen Motoren ausgestattet. Die „Luxus“ Viazul Reisebusse waren über 30 Jahre alt, die Klimaanlagen waren Bazillenschleuder, auf 18°C Kälte eingestellt. Die Busse fahren nur sehr wenige Städte an. Das Taxi vom Flughafen nach Havanna Center kostete umgerechnet Euro 30. Generell war Kuba sehr teuer. Selbst die Privatpensionen kosteten € 30,- bis 40 pro Zimmer und Nacht. Das Frühstück kostete zwischen €5,- und 7,- extra. Abendessen € 10,- und 17,-. Jeder, wirklich jeder wollte Dir etwas andrehen – ob Übernachtung, Taxi, Zusatzessen, Fahrradverleih, geführte Touren etc. In ganz Kuba herrscht Mangelwirtschaft. Es gab nur einlagiges Toilettenpapier, in der Hauptstadt Havannna war das 1-lagige Papier jedoch schon per Blatt perforiert! Als Nicht-Pauschaltourist landete ich auf dem Flughafen in Havanna. Vor der Passkontrolle passierte ich eine Kameraüberwachungsstation mit 4 Kameras und Überwachungsdame inkl. Bildschirmstation. Nach der Passkontrolle musste ich 1,5 Stunden auf mein Gepäck warten (relativ schnelle Abfertigung – deutsche Touristen aus Berlin, die per Aeroflot anreisten, mussten 5 Stunden auf ihr Gepäck warten). Und dann geht es ab nach Havanna. Stopp!!! – Erst Geld wechseln – nach über 1 Stunde Wartezeit vor der einzigen Geldwechselstube, bekam ich meine CUC, Kubanische Peso Convertible. Nur mit CUC kannst du das Taxi bezahlen. Anderer Lösungsansatz: du buchst Pauschalurlaub Kuba, kommst auf dem Flughafen in Varadero an, wirst vom Hotelbus abgeholt und wechselt Geld im Hotel. Dort bekommst du in deinem all-inklusiv Hotel Frühstücksbuffet, machst deine Ausfflüge mit modernen Busse etc.

Andere – die Rolfs – übernachten in Casa particulars (Privatpensionen), bekommen den kubanischen Einheitsschinken Marke Pressfetzenschinken, farblosen und geschmackstneutralen Scheiblettenkäse, folgen den absoluten Geheimtipps des Reiseführers Lonely Planet. Du gehst zusammen mit Tausenden von anderen Touristen zu „der!“ Shrimpsbude im Hafen und triffst die ganze Bande wieder am Kilometer 34 bei dem Geheimtipp Fahrradverleih und hängst dann mit weiteren 2000 Touristen in der Lieblingskneippe von Ernest Hemingway ab. Seit letzterWoche bekommst du Verstärkung von den Kreuzfahrtschiffen, die von den USA eintreffen. Pech demjenigen, der durch Zufall in die zweistündige Tour ( auf die Minute durchgeroutet) der „Neu“-Kreuzfahrer gerät. Orientierungsproblem? Mach dir keine Sorgen – folge einfach dem Selfestick-Dickicht der Kreuzfahrer oder der Großleinwand, die sich aus Hunderten von knipsenden Tablets vor dir aufbaut. Schnell noch in ein altes Cabrio aus den 50er Jahren gejumpt. Der authentische, einheimische, kubanische Fahrer mit Sonnenbrille, Strohhut und Zigarre fährt dich für 50 Euro 30 Minuten lang auf der angesagtesten Uferpromenade der Karibik (Originaltext von meinem Reisebuchführer). Links von dir eine 10km lange öde Uferkaimauer, rechts von dir 10 km verfallene Häuser ohne chice Bars, keine PAlmen oder Grünzeug, nur morbides, manchmal farbiges Trashgemäuer.

Leute seht das nicht so negativ. Kuba hat sein Charme, nur es ist wirklich nicht mehr so ursprünglich wie es viele noch vermuten. In Havanna hat es wirklich sehr schöne Ecken, überall wird renoviert. Die Leute sind wirklich sehr freundlich, aber auch sehr geschäftstüchtig. Du fährst auf einem Leihfahrrad und mehrmals halten Taxis neben dir an und fragen, ob du ein Taxi möchtest. Am besten „erobert“ man Kuba im Kombinationspaket. 1 Woche Pauschalurlaub und 1 Woche auf eigene Faust. Und bedenkt – Kuba ist kein Billigland und es herrscht nachwievor Mangel an vielen Alltagsgüter. Um den roten Faden zur Headline zu spinnen – 2- oder 3lagiges Toilettenpapier, das auch noch perforiert ist, dann müsst ihr in ein Pauschalurlaub auf Varadero buchen.

Also wer noch 1-lagiges Toilettenpapier – unperforiert – erleben will, ab nach Kuba. Willst Du Karibik mit Flair erleben, gibt es auch noch andere Länder. Mehr dazu im 2. Teil meiner Reise.

Nach diesem zum Teil „provokanten“ Blog-Beitrag genießt die wirklich tollen Bilder von Kuba.

Kuba Cars


Leute und Gebäude


 

Weltkulturerbe Vinales

Medellin – Caucasia – Bandenkrieg auf der PanAmerica – Cartagena

Nach dem BMW-Service an der Kupplung fuhr ich optimistisch Richtung Norden nach Cartagena weiter. 700 km Fahrt auf recht kurvenreicher Strecke. Nach ca. 150km plötzlich eine endlose Fahrzeugschlange, hauptsächlich LKWs. Plötzlich waren auch überall Polizeiposten und Militär unterwegs. Anfangs dachte ich es handelt sich um ein LKW-Streik oder es ist wieder einmal vorne ein LKW umgekippt und hat die Strasse blockiert.  Ich zog einfach rechts an der Kolonne und an dem Streckenposten vorbei. Seltsam – es kamen mir kaum Autos oder Mopeds entgegen. Nach weiteren 20 km der nächste Polizei- und Militärposten. Beim Überholen der unorthodox parkenden LKWs und Autos blieb ich rechts hinten mit meinem Alukoffer an einem LKW hängen. Es tat einen Riesenschlag und ich touchierte noch ein SUV. Nur nicht anhalten, sonst bekomme ich noch Stress. Ich fuhr einfach durch den Kontrollposten durch. Vereinzelt kamen mir noch Fahrzeuge entgegen. Alle wedelten mit den Händen und zeigten in die Gegenrichtung. Ich soll umkehren. Leicht verunsichert fuhr ich trotzdem weiter. Bis zum nächsten Kontrollpunkt. Hier wurde ich vom Militär angehaltet. Zuerst dachte ich, Major Gomez, so hiess der Befehlshaber, erklärt mir auf spanisch, dass es ein paar Kilometer weiter einen Erdrutsch gegeben hat und die Strasse wäre gesperrt. Als ich antwortete, ich kann auch offroad fahren, holte er sein Handy heraus und übersetzte mit einer App, dass ca 1-3 km weiter Kampfhandlungen wäre, es wird geschossen, die Strasse sei blockiert, das Militär habe die Situation noch nicht unter Kontrolle. Erst vor einer Stunde hat es 4 Tote gegeben. Später erfuhr ich, dass die größte Drogenbande von Kolumbien  4 Angriffe auf einem Streckenabschnitt von 30km Länge auf Polizei und Militär vorgenommen hatte.  Es wurden dabei auch grössere Waffen eingesetzt. U. a. wurden ein LKW und Bus in Brand geschossen. Die Vollsperrung gelte noch mind. 5 Stunden, dann wurden mind. 12 Stunden genannt, ein Polizist meinte, die Strasse würde erst am nächsten Morgen wieder sicher sein. Da stand ich mitten in der Pampa, nix zum Essen und Trinken. Direkt an der Front.

Plötzlich nach 2 Stunden kam Major Gomez wieder und erklärte, dass die Strasse wieder frei sei und wer will, kann langsam wieder weiterfahren. Das musste er mir kein zweites Mal sagen und ich fuhr als Erster los. Aber nicht lento sondern ich gab Stoff. Nach 3 km kam ich an einem noch brennenden Bus vorbei. Die mit Baumstämmen und Ästen gesperrte Strasse war vom Militär noch nicht ganz geräumt. Überall Glasscherben, Kettenspuren und Munitionsspuren. Irgendwie mulmig war es mir schon. Überall massiv Militär und Polizei. Nach 50 km war ich aus dem Gebirge draussen und tankte. An der Tankstelle waren sie erstaunt, dass ich die umkämpfte Strecke schon passieren konnte. Laut den Nachrichten wäre sie noch gesperrt.

Noch über  450 km nach Cartagena. Ich wollte unbedingt vor der Dunkelheit ( ab 18.30 Uhr wird es schlagartig finster) im Hotel eintreffen. Mit über 120 km/h fuhr ich weiter. Knapp 50 km vor Cartagena, es wurde schon dunkel, passierte es. Nein. Kein Unfall. Aber die Kupplung wurde wieder soft. Die Schaltung ging wieder teigig und verschlechterte sich zusehends. Zum unpassendsten Augenblick – als das abendliche Chaos im Hauptverkehr von Cartagena ausbrach – zickte meine Kupplung wieder. Irgendwie schaffte ich es zum Hotel. Nach 2 Tagen Strand zog ich innerhalb Cartagena zu dem Haus „meines Kapitäns“ um. Hier parkt meine BMW die nächsten 2 Monate bis ich dann im  Juni meine Reise  wieder fortsetze. Beim Transfer zum neuen Standort funktionierte die Kupplung einwandfrei. Die BMW war ja wieder kalt. Mal schauen ob meine Werkstatt in Deutschland oder meine Motorradkumpel vielleicht eine Lösungsansatz haben. In der Nähe von Cartagena gibt es noch eine BMW-Werkstatt und ich habe im Juni noch 2 Reservetage für eine mögliche Reparatur bevor es mit dem Schiff nach Panama geht.

Ihr seht, so richtig langweilig wird es mir nicht. Cartagena ist übrigens ist eine tolle Stadt mit vielen alten Kolonialgebäuden und einer prächtigen Festungsmauer. Hier ist es sehr heiss und schwül. Ich bin von Cartagena nach Bogota geflogen. Morgen geht es weiter nach Havanna in Kuba. Dort werde ich 2 Wochen lang mit dem Bus herumreisen und ausschließlich in Privatwohnungen übernachten. Einen Bericht und Fotos gibt es erst wieder, wenn ich am 21.4 in Deutschland zurück bin.

Hier einige Bilder von Cartagena

 

Von Ecuador nach Kolumbien – 2000 km fast ohne Kupplung

Früh startete ich von Quito Richtung Kolumbien. Gerade rechtzeitig, um die morgentliche Rush Hour noch mitzunehmen. Nach knapp 1 Stunde und ca 8 km weiter plötzlich ein total ungewohntes Gefühl am Kupplungshebel. Kein Widerstand, fast auf den Vordermann aufgefahren. Was war das? Kein Leerlauf und der Gang ging auch nicht raus. Und es wurde nicht besser. Ich würgte die Maschine mehrmals ab. Ich hatte noch 150 km nach Otavalo, einer Kleinstadt mit dem berühmtesten Indio Market von Ecuador. Umkehren und in Quito nach einer BMW Werkstatt suchen – keine echte Option. Irgendwie kam ich aus dem Moloch Quito heraus und entwickelte meine eigene Technik – Strecke zurücklegen ohne zu schalten. Prinzipiell heißt das, immer links oder rechts an Fahrzeugen vorbeiziehen und ja nicht zu stark herunterbremsen. In Cali, Kolumbien gibt es eine BMW-Werkstatt. Schlappe 700 km.

Erstaunlicherweise war das Kupplungsproblem am nächsten Tag nicht existent. Ich fuhr an diesem Tag auch nur 300 km mit Zwangspause am Grenzübergang Ecuador-Kolumbien. Dort traf ich einen Italiener mit seiner BMW GS. Er lebt zur Zeit in Argentinien. Seine Erfahrung mit Peru und dessen Korruption deckte sich mit meinen Erfahrungen. Mein Motorrad bekam anstandslos eine Aufenthaltsgenehmigung von 90 Tagen – exakt bis zum 23. Juni 2016. Gerade wegen den enormen Zollproblemen habe ich meine Reisepläne inzwischen geändert. Es ist praktisch unmöglich das Motorrad 1 Jahr lang in Kolumbien zu parken und dann die Reise fortzusetzen. Fazit: ich muss noch dieses Jahr auch die 2. Etappe durchziehen. Ich habe inzwischen auf der Stahlratte, einem ca. 50 m langen Segelschiff (zur Info: www.stahlratte.de) angeheuert bzw. gebucht. Am 22.06. läuft sie von Cartagena aus. Die BMW kommt auf das Deck, dann geht es raus in die Karibik mit Tauchzwischenstopp bei einer Insel und anschließend werde ich in Colon, Panama von Bord gehen. Es gibt keinen Landweg von Kolumbien nach Panama. Alternativ könnte ich die BMW per Schiff oder Flugzeug nach Panama transportieren. Die Kosten wären aber ein Vielfaches. Stellt euch mal das ganze mit DHL und seinem korrupten System vor (siehe Verzollung Uruguay). Praktisch nicht bezahlbar. Zeitlich reicht es mir aber nicht nach Alaska. Ich werde in Vancouver Richtung Osten abbiegen und nach Montreal fahren. Das sind aber immer noch insgesamt 20.000 km, die ich in knapp 2 Monaten zurücklegen muss.

Vom 6.4. bis 21.4 bin ich in Kuba und werde dort per Bus herumreisen und in Privatwohnungen übernachten. Dann geht es zurück in die schwäbische Heimat und am 17.06 wieder zurück nach Kolumbien. Die BMW parke ich solange im Privathaus des Kapitäns der Stahlratte.

Kupplung okay?

Solang die BMW nicht heiß wird  – geht die Kupplung. Irgendwie kam ich in Cali an. Natürlich konnte BMW dort an der kalten Maschine am nächsten Morgen nichts an der Kupplung finden und ich fuhr weiter  Richtung Medellin. Knapp 100 km vor Medellin gegen 17.00 Uhr wurde die Strecke sehr kurvenreich und Hunderte von LKWs fuhren im Schneckentempo die engen Kehren dicht an dicht gedrängt. Dazwischen überall Tausende von Mopeds im Freestyle. Mal links, mal rechts und ab 18.00 Uhr auch viele ohne Licht. Dann kamen auch noch Baustellen und es ging nur noch im StopandGo. … und das ohne Kupplung. Die BMW lief heiß und die Kupplung verabschiedete sich. Eine reine Horrorfahrt begann. Zwangsweise musste ich in unübersichtlichen Kurven selbst bei Gegenverkehr überholen, war irgendwo theoretische eine Lücke, schlängelte bzw. drängelte sich ein lichterloses Moped dazwischen. Ich hatte mehrmals „Feindberührung“. Irgendwann half selbst intensives Pumpen am Kupplungshebel nicht mehr und es ging einfach nicht mehr weiter. Ich übernachtete in einem verwanzten Loch ohne richtige Dusche. Besser noch als zwischen 2 LKWs zerquetscht zu werden.

Am nächsten Morgen ging es dann nach Medellin. Schon nach kurzer Zeit war die Kupplung auf Betriebswärme und die letzten 8 km zur BMW-Servicegarage waren der reinste Albtraum. Dort wurde die Kupplungsflüssigkeit und die Kupplungsschläuche entlüftet. Damit sollte das Problem laut BMW gelöst sein. 2 Stunden Check kosteten diesmaql unglaubliche € 7,-. In Ecuador wären da noch zwei Nullen dazugekommen.

Nächsten Tag schaute ich mir das sehr moderne und sichere Medellin an. Eine Attraktion ist die Metro und Metrocable. Selbst nach 20 Jahren Betrieb sieht die Metro noch wie neu aus. Keine Kratzer, kein Dreck, kein Graffiti. Medellin, einst Hochburg der Drogenkartelle, ist heute eine sehr attraktive, westliche Stadt.

Meine BMW ist jetzt privat versichert

Peru – das Land der Polizeikontrollen

Von Cusco ging es Richtung Küste nach Nazca. Ruckzuck geht das. Denkste. Eine Kurbelei war das. Eine Kurve nach der anderen. Dann nochmals auf 4500m Höhe. Dort kam ich erst einmal in ein Schneeregengewitter. Dann zickten die Bremsen. Die Bremsleistung lies nach gefühlten 3000 Kurven rapide nach und ich musste sämtliche Zwiebel-Klamottenteile anziehen um mich vor ernsthaften Erfrierungen zu schützen. Es war schon dunkel als ich in Nazca an der Peruanischen Küste eintraf. Obwohl das Städtchen nicht gross ist, herrschte hier ein Weltuntergangsverkehr. Plötzlich war es auf Meereshöhe wieder drückend heiß und sehr staubig.

Nazca ist berühmt für seine Geoglyphen. Riesige Tierkreislinien sind in der Wüste eingraviert. Sehen und erkennen kann man sie am Besten morgens von einem Kleinflugzeug aus. Auf einen Flug verzichtete ich. Die nächsten 2 Tage fuhr ich nonstop auf der Panamerica Richtung Norden, passierte die Hauptstadt Lima und legte ca. 1800 km zurück. Die ganze Strecke war reine Wüste, nur unterbrochen von einigen grünen Oasen, in denen riesige Rebfelder mitten in die Wüste per Bewässerung am Leben gehalten werden. Die Monotonie der Fahrt wurde von unsäglichen Polizeikontrollen unterbrochen. Irgendwie haben die sich auf die Kontrolle von Versicherungsdokumenten spezialisiert. Ich glaube ein wesentlicher Bestandteil der Polizeiausbildung besteht im Eintreiben von Bakschisch und Versicherungsdokumente scheint hier ein lohnendes Objekt zu sein. Versicherung für das Moped hatte ich ja nicht. Dafür ein tolle Karte meiner privaten Krankenversicherung. Die zeigte ich jedesmal mit grösster Selbstverständlichkeit. Meine BMW war ab sofort privat versichert, Zweibettzimmer-Anspruch und Chefarztbehandlung. Auf Gegenfragen wie aus der Pistole geschossen: No hablas Espanol. Ihr könnt mich mal.

Spät abends nach der 2. Peru Wüstenrallye-Etappe kam ich an die Grenze Ecuadors. Zunächst problemlose Ausreise aus Peru. Jetzt Ecuador. Versicherung kein Thema. Aber: der Zöllner, sehr freundlich, nahm alles sehr genau. Er machte mehrere Fotos von dem Bike, wollte die ganze Historie zum Motorrad wissen und hackte alle Informationen bzw. downloaded sämtliche Bilder in den internen Fahndungscomputer. Würden wir in Europa alles so erfassen, hätten wir keine unbekannten Terroristen. Er ermahnte mich mehrmals, dass das Motorrad max. 1 Monat in Ecuador sich aufhalten dürfte. Überziehe ich das, dann wird wahrscheinlich der BMW vor der komplett angetreten Zollbrigade die Kolben entfernt und die katholische Kirche wird zusätzlich die BMW noch aus der Kirche ausstossen. Irgendwie ist das total unlogisch. Sie sollten doch froh sein, wenn Touristen länger im Land bleiben und Devisen bringen. Zu deutsch gedacht.

Am nächsten Tag ein ganz anderes Bild: alles grün, Viehzeug springt am Strassenrand herum. Es ist sehr warm aber auch sehr feuchtschwül. Ich fahre an riesigen Bananenplantagen vorbei, die Strassenhändler bieten sämtliche Früchte des Paradieses im Überfluss an. Die Leute sind auch irgendwie anders drauf. Sie lachen viel mehr, winken und schütteln einem die Hand und sind neugierig. Die Peruaner und Bolivianer sind eher ablehnend, reserviert. Kein Wunder, wenn du ständig in der Höhe lebst und grosse Teile des Landes aus Wüste bzw. kargen Böden bestehen. Dann wirst du und bist du halt so.

In Guayaquil fahre ich gleich zum BMW-Händler. Nur Reifenwechsel (die Reifen habe ich dabei), Ölwechsel sowie Luft- und Ölfilter wechseln und neue Bremsbeläge. Sonst nix. Am nächsten Tag hole ich die BMW ab und bekomme die Rechnung. Hier ist die BMW tatsächlich Privatpatient. Auf der Rechnung erscheinen die Bremsbeläge mit US$ 550. Fast das Zehnfache wie bei uns. Laut Händler wäre der exorbitante Zoll dafür verantwortlich. Ich japse nach einem Sauerstoffzelt  und beschliesse ab sofort noch weniger zu bremsen. Für das Geld kann ich daheim zum Juwellier gehen und mir Diamantbremsbeläge anfertigen lassen!

Jetzt brauche ich eine Auszeit – ab an den Strand. 4 Tage mal nicht fahren und viel Erholung. Die Unterkunft und die Leute sind sehr nett. Einziger Wermutstropfen: ich schlafe in einer Sauna. Keine Klimaanlage. So bin ich recht froh, dass ich wieder in höhere, kältere Gefilde – nach Quito ca. 3000m hoch- darf.

Quito ist eine sehr schöne Stadt und auch ordentlich auf Touristen ausgerichtet. Ein sicherer Platz (geschätzte 10% der Bevölkerung arbeitet für irgendeine Polizei, ich staune wieviel unterschiedliche Uniformen und Bezeichnungen es gibt, selbst der Polizeihund hat ein chices Mäntelchen, seinen Dienstgrad bellte er leider auf Spanisch…).

Von hier geht es nach Norden nach Kolumbien. Dazu mein nächster Bericht.

Der böse W(R)olf

Der böse Rolf isst den Kindern ihr Haustier weg

Eine Delikatesse in Peru sind gebratene Meerschweinchen. Auf meiner Fahrt nach Cusco kam ich auch an einem Ort vorbei, der sich auf die Meerschweinchen-Gastronomie spezialisiert hat. Links und rechts befinden sich einige Dutzend Meerschweinchen-Grillbuden. Natürlich musste ich mir das näher anschauen. Die Meerschweinchen werden nackt ohne Fell auf einen Spieß gesteckt. Vorher werden sie innen mit Kräutern ausgestopft. Selbstverständlich musste ich mir ein Meerschweinchen zu Gemüte führen.

Für ca. € 8 bekam ich ein komplettes Essen.  Im Touristenlokal kostet das ganze mindestens das Dreifache. Da ich das ganze von einem Franzosen, der zufällig vorbei kam, filmen lies, bestand ich auf ein komplettes Meerschweinchen, das ich selber aufschnitt. Leider hat er mir die Essfotos versaut, aber die Filmsequenz wurde ganz ordentlich. Im Normallfall werden die Meerschweinchen filetiert serviert.

Zum Meerschweinchen gab es Papas (Kartoffel), eine scharfe Gemüsepastete und eine Art Kräutersenf. Wie schmeckt das Ganze? Ich mag es. Es ist nicht fett, gut verdaulich und schmeckt auch durch die Kräutereinlage recht würzig. Besser und intensiver als Hähnchen. Es ist genug Fleisch dran, dass man satt wird. Innereien und Kopf isst man nicht. Nebenwirkungen: nach einiger Zeit vermisst man sein Rhönrad für den Verdauungsspaziergang.

Viel Spass beim Anblick der peruanischen „Spießchen“

 

Hier noch einige Bilder zu Cusco, der „Inka“-Hauptstadt

 

Im Reich der Inkas

Peru – das Zentrum der Inkas – heute das Reich der Korruption

Nur kurz zur Geschichte – ca. 1200 wurde das Inka-Reich von Manco Capac gegründet und erreichte 1525 seinen Höhepunkt und endete mit Pizarro, der 1533 Cusco einnahm und den Niedergang des Inka-Imperiums einleitete. Der „Nabel der Welt“ war Cusco. Die Nervenstränge des Inkareiches waren die Straßen mit einer Gesamtlänge von weit über 20.000 km. Mit Hilfe von Staffettenläufern wurde ein effektives Nachrichtensystem betrieben. Das Reich erstreckte sich von Quito, Ecuador im Norden bis  tief in den Süden Chiles.

Von La Paz ging es auf recht chaotischen Straßen Richtung Copacabana an den Titicacasee. Die Bolivianer haben ihr eigene Straßentechnik – ja kein Verkehrsschild aufstellen. Die wissen genau, dass es keine Navi-Software für Bolivien gibt. Und unbedingt alle 5 km eine abenteuerliche Umleitung mit möglichst viel Schlamm und grobem Schotter und undefinierbaren Richtungsänderungen einbauen. Wenn das nicht reicht um den Schwaben die Orientierung zu rauben, dann lassen wir es von oben schütten, was das Zeug hält. Der ideale Blindflug mit angelaufenem Visier und Brille. Irgendwie war nach einigen Stunden soviel Wasser auf der Strasse, dass aus dem Wasser der Titicaca-See wurde. Mit 195 km Länge ist er fast 13 mal so groß wie der Bodensee. Bevor ich aber nach Copacabana gelangte, musste ich auf ein Art Floß aus ein paar wackeligen Brettern inkl. vieler Zwischenräume fahren. Das Ganze hatte einen Außenbordmotor und einen Fährmnn, der das Boot mit Hilfe einer Stange im Nanobereich an die Anlegestelle bugsierte. Da vorher noch ein heftiges Gewitter tobte, war die 1 km lange lustige Seefahrt von entsprechendem Seegang begleitet. Ich musste das Motorrad halten, damit der Seitenständer nicht in einen der Hohlräume des Flosses rutschte.

Am nächsten Tag wollte ich beim Ort Copacabana die vorgelagerte Isla del Sol ( ein mystischer Inkaort) besuchen. Aber wegen Regenschauern und Höhenkopfweh (permanent über 3800m hoch),  nahm ich dann das Projekt Grenzübertritt von Bolivien nach Peru in Angriff.

Die Nachfahren der Inkas haben sich leider in eine falsche Richtung weiterentwickelt.  Zum Leidwesen von alleinreisenden, schwäbischen Motorradfahrern.

Es fing gut an. Bei der Ausreise aus Bolivien fehlte irgendein abgestempelter Fresszettel von der Bolivieneinreise. Der Grenzbeamte von der Immigrationspolizei wollte umgerechnet 70 Euro als Ersatz. Ich schaute ihn an und sagte nichts. Dann holte er seinen Kollegen, der sagte Minimum US$ 50. Ich schaute beide an und sagte noch immer nichts. Beide zuckten mit den Schultern und sagten grande problema. Dann warf ich ihnen einen 5 US$ Schein hin und forderte sie auf , meinen Pass zu stempeln. Basta. Ich bekam meinen Stempel. Dafür ärgerte mich sein Kollege, der Zollbeamte, bei der Motorradausreise. Ich musste extra das Motorrad (300kg schwer) noch einmal 3 m nach vorne schieben, damit er meine Einreisezolldokumente mit dem Motorrad abgleichen konnte. Reine Macho-Schikane.

Proximo (nächstes) – Peru.

Ungefähr 1 km später kam die peruanische Grenze. Meine persönliche Einreise – Pass etc. war sofort erledigt. Nun kommt das Motorrad und der Zoll. Alles klar. Pass zeigen, Kfz-Schein zeigen. Führerschein zeigen. Frage nach meiner Versicherung für Peru – grüne Versicherungskarte. Er studiert sie aufmerksam. Natürlich ist Peru nicht drauf. Das weiß ich. Ich probiere es noch mit meiner Krankenversicherungskarte. Er stellt sich stur. Ich soll nach Puno (ca. 120km,  2 Stunden entfernt) mit dem Bus fahren und dort eine Versicherung abschließen. Ich weiß genau, was er will. Er verschwindet, bespricht sich mit seinem Capitano. Nein, ohne Versicherung darf ich nicht einreisen. Ich soll ihm einmal einen Vorschlag machen, wie wir das Problem lösen können. Ich biete ihm US$ 20 an, er meint 2 Leute müssen ein Auge zudrücken und ich soll auf US$ 30 erhöhen. Das Geld verschwindet ruckzuck in der Schublade und innerhalb von 5 Minuten habe ich meine Zollpapiere, unter der Auflage, dass ich in Puno die Versicherung abschließe. Verspreche ich zwar, aber mein Spanisch ist so schlecht, dass ich mein Versprechen schnell wieder vergesse. Auf den nächsten 50 km werde ich noch an 3 weiteren Kontrollstellen gestoppt und muss abwechselnd einem Inlandszoll, einer normalen Polizei und einer Stadtpolizei meinen Führerschein und die Zolldokumente präsentieren. Nach einer Versicherung fragt aber keiner mehr. Wenn das so weiter geht, wird es noch spannend-es kommen noch ca. 3800 km in Peru.

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Machu Picchu. Anstatt nach Cusco fahre ich nach Ollanta. Der Hauptgrund – der Ort liegt 1200m tiefer als Cusco – ich will  endlich meine Kopfschmerzen und Höhen-Übelkeit los werden.

Machu Picchu

Um zur geheimnisvollen Bergstadt Machu Picchu(liegt logistisch wirklich sehr kompliziert versteckt) zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten. Eine teure Softvariante- man fährt mit der Inka Rail – einem Luxuszug. Für Hin- und Rückfahrt liegen die Kosten bei über € 300 pro Person für eine relativ kurze Strecke.

oder Variante 2: Anreise für arme Schüler, Studenten oder Schwaben.

Du buchst für ca. € 25 eine Hin-und Rückfahrkarte inkl. einem Mittagsessen mit dem Kleinbus. Jedenfalls war keiner dabei, der älter als 30 war. Außer mir.

Hier die Story:

Du steigst zusammen mit 10 Youngstern in einen kleinen Mercedes-Bus. Nach 2-stündiger Serpentinenfahrt hört die Asphaltstraße auf, dann wird die Straße eng und schlecht und man fährt für weitere 1 1/2 Stunden permanent an einem ca. 600m tiefen Abgrund entlang . Vor jeder Biegung wird gehupt. 2 Fahrzeuge passen nicht aneinander vorbei. Eine echte Todesstraße. In Santa Theresa – dem ersten Zielort bekommst du deine letzte Ölung – äh – Mahlzeit. Anschließend wirst du nochmals 5 Minuten auf einer engen Todesstraße an eine Hängebrücke gefahren. Da diese sehr eng ist und sehr schwankt, dürfen nur max. 4 Personen gleichzeitig die Brücke überqueren. Auf der anderen Seite erwarten dich nach ein paar hundert Metern Minibusse. Sie fahren dich dann ca. 20 Minuten auf ebenfalls halsbrecherischen Höllenwegen zur Hydro Electrica – einem Wasserkraftwerk. Hier ist Endstation – für Fahrzeuge. Hier musst du dich bei irgendeiner Parkverwaltung registrieren, bekommst eine kurze Verhaltenseinweisung und wirst dann auf deinen Fußmarsch geschickt. Ca. 12km auf und neben den Bahngleisen inkl. unregelmäßigem Zugverkehr. Spannend wird es vor allem in den Tunnels, besonders wenn der Zug hupt. Nach ca.  2 1/2 Stunden kommst du dann endlich (in meinem Fall in strömendem Regen) in Machu Picchu Pueblo (auch Aquas Calientes genannt) an. Schnell noch die Eintrittskarte gekauft (ca. € 35) und nach einer Übernachtung geschaut. Alle Hostels sind belegt. Du findest trotzdem für €12 ein Zimmer. Die Nacht ist kurz. Um 4.30 Uhr wanderst du mit ein paar hundert jungen Seelen Richtung unteres Einlasstor. Die Stirnlampe nicht vergessen. Es sind nur 20 Minuten bei absoluter Dunkelheit. Auf dem Plan ist als Orientierung irgendein Campingplatz eingezeichnet. Pünktlich um 5.00 Uhr morgens wird das untere Tor geöffnet: du zeigst deine Eintrittskarte und deinen Reisepass (beide sind gekoppelt!). Jetzt beginnt der Viehauftrieb! 1300m steilste Treppenstufen. Für das Inka-Sportabzeichen ist die Vorgabe 60 Minuten. Ich schaffe es in 50 Minuten. Total erschöpft und durchgeschwitzt. Ich denke, ich bin mit Abstand der Älteste. Die Softies – die Reichen und Schönen, die Edeltouris nehmen für US$ 9 den Bus. Wo bleibt da die Mystik.

Ich komme am oberen Einlasstor mit meiner eigenen Schweißwolke an. Zusammen mit meinen jungen Leidensgenossen sind wir die Ersten, die hereingelassen werden. Die meisten bequemen, wohlhabenden Edeltouris kommen erst um ca. 9.00 Uhr mit Zug und Luxusbussen oben an. Um 4.30 Uhr gibt es nämlich noch kein Frühstück im Hotel.

Der Anblick entschädigt für all die Mühe.  Noch sind es nur einige hundert Besucher und Glück haben wir auch. Im Gegensatz zum Vortag regnet es heute nicht. Immer wieder ziehen Wolkenschwaden zwischen den Ruinen durch und geben dem Ort noch ein ganz besonderen Flair. Ab 9.00 Uhr schwärmen Tausende Japanische und Amerikanische Selfietouristen aus. Vor lauter „Jesus-Gepose“ sieht man kaum noch die antiken Gebäude. Zeit zu Gehen. Ca. 1300m Treppen runter, 12 km Bahngleis etc. etc.. Tatsächlich wartet auch hinter der Hängebrücke wieder ein Mercedes-Kleinbus und nach 5 Stunden halsbrecherischer Fahrt komme ich wieder in meinem Hotel totmüde und hungrig an. Abendessen fällt wieder einmal aus. Zwei Coca-Colas müssen den Blutzuckerhaushalt wieder ins Lot bringen.

Am nächsten Tag geht es wieder weiter Richtung Cusco. Dazu aber ein anderer Blog.

Zwei Bilderblöcke:

  1. Copacabana und Machu Picchu
  2. Fahrtweg und Gleis

Bilder zu

  • Copacabana und Machu Picchu:

 

Bilder zu

  • Fahrtweg und Gleisweg Machu Picchu

 

Sucre und La Paz

Sucre – eine Reise, die sich lohnt

Auf dem Weg nach Sucre kommt man in Potosi vorbei. Potosi ist bekannt für seine Silber- und Zinnvorkommen. Die Spanier entdeckten in einem Bergkegel, dem Cerro Rico, im Jahr 1545 Silber in gigantischer Dimension. Bis 1660 holten sie aus dem Berg 16.000 Tonnen Silber. Bis heute sind es schon 46.000 Tonnen. Da Potosi über 4000m hoch liegt und ich noch nicht ganz höhenakklimatisiert bin, war es für mich irgendwie nicht verlockend in engen Minenschächten herum zu kriechen.  Selbst heute „dopen“ sich die Mineros noch mit allen erlaubten und unerlaubten Mittel und sind dementsprechend nach einigen Jahren total verbraucht.

Ich wollte einfach weiter nach Sucre. Was für eine Überraschung: Sucre trumpft mit hübschen, alten Kolonialgebäuden auf. Unzählig viele Schüler und Studenten bevölkern die Strassen, Cafes und Geschäfte. Man hört überall lachende Menschen, auch der Markt ist einen Besuch wert. Bolivien ist für Schwaben ein Schlaraffenland. Für ein Essen mit Getränk zahlst du, wenn du nicht in ein Touri-Restaurant gehst, umgerechnet ca. 3 Euro. Ein Jugo, frisch gepresster Saft aus einem oder mehreren Früchten um die 0,50 Euro. Mein 4-Sterne Hotel inkl. Frühstück € 26/Nacht. Auch sonst sind die Preise in Bolivien für uns sehr niedrig.

Hier einige Impressionen aus Sucre.


 

La Paz – eine Stadt mit Höhen und Tiefen

Irgendwie läuft mir die Zeit davon. Noch knapp 4 Wochen, dann geht mein Flug nach Kuba und noch liegen vor mir Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien. Die riesigen Strecken in Patagonien sowie der nicht eingeplante Zollaufenthalt in Uruguay haben ziemlich viel Zeit gekostet. Die Wüsten-Offroadstrecken haben sich auch als Reifenfresser entpuppt. Das Geröll schmirgelt die Stollen am Hinterreifen viel zu schnell weg und ab Bolivien habe ich kein Kartenmaterial mehr auf meinem Navi.

Ab Sucre führt eine wunderschöne, ordentlich ausgebaute und kurvenreiche Strasse durch die Andenwelt. Auf ca. 4000m Höhe erlebe ich die verschiedensten Gesteinsformationen. Mal zerklüftet, mal in allen Farben schillernd, dann wieder mächtig, felsig, an manchen Stellen erinnern die Felswände an die Dolomiten. Verkehr anfangs so gut wie keiner, nur Überlandbusse und LKWs. Je näher ich nach La Paz komme, um so mehr nimmt der Verkehr zu und auch die Strecke, jetzt 4-spurig, wird zusehends langweilig und kerzengeradeaus. Über 700 km Tagesetappe und ab 19.00 Uhr wird es rapide dunkel und kälter. Ich habe mir zwar einen Routenplan aufgeschrieben. Der nutzt dir aber in Bolivien überhaupt nichts. Selbst Fernstrassen sind fast nie ausgeschildert. La Paz müsst ihr euch vorstellen als wäre es in den Dolomiten verteilt. Wie die Kletten hängen die Häuser oder ganze Stadtteile an den Hängen. Du weist nicht einmal ob du in einem Vorort oder schon in La Paz bist. Das Drama beginnt. Ich ohne Stadtplan und GPS. Selbst booking.com hat mir falsche Koordinaten vom Hotel übermittelt. Es geht rein ins Chaos. Ich bin ja ein erfahrener und naja manchmal auch rücksichtsloser und unerschrockener Fahrer. Aber was jetzt abgeht, ist ein nightmare. Night= Nacht. Es ist dunkel, man erkennt überhaupt nichts, Millionen von Minibussen fahren kreuz und quer durch die Gegend. Ampelsignale dienen nur zur Hupkonzertverstärkung. Jeder hält überall an, Leute steigen aus oder ein, laufen über die Strasse. Der Verkehr stockt, kein Wunder, irgendein Stadtteil hat sich entschlossen, mitten auf dem Hauptring ein Stadtfest abzuhalten. Aus 3 Spuren werden 2 Spuren, dann 1 Spur, dann keine mehr. Die bauen einfach ihre Getränke-/Fressbuden auf der Stadtautobahn auf. Dazwischen fliegende Händler und jeder hupt was das Zeug hergibt. Ich weiss wenigstens in welchem Stadtteil mein Hotel liegt. Nach über 1 Stunde bin ich im Kamikaze-Blindflug durch das „Stadtfest“ durch und fahre talabwärts. Mehrmals frage ich Taxi- und Kleinbusfahrer nach der richtigen Richtung. Egal wohin ich zeige, die Richtung stimmt immer. Irgendwann komme ich doch im Stadtteil Sopocachi an. Jetzt geht gar nichts mehr. Ich halte ein leeres, lokales Taxi an und sag ihm die Adresse und das ich ihm folge und bezahle. Endlich geht es weiter. Denkste. Der hat auch kein richtiger Plan. Nach unzähligen Anrufen in der Zentrale, findet ein spiralförmiges Einkreisen des Zielortes statt. Mehrere Polizisten werden konsultiert. Jeder hat so eine Idee und Richtungspräferenz. Es fängt zu regnen an. – Klasse-. Steile, kurvige Kopfsteinpflaster, das hat mir noch gefehlt. Und die Tankanzeige hat den Reservebereich schon lange unterschritten.

Nach schon fast aussichtslosem Kampf und Herumgekurve plötzlich Bingo. In einer kleinen Sackgasse das Hotel. Der Taxifahrer möchte für umgerechnet 1 Stunde Lotsendienst nur € 4,20. Ich runde auf € 5,- auf. Todmüde und den ganzen Tag wieder einmal nichts gegessen, erwartet mich ein Traum von Unterkunft. Da schon alles ausgebucht war, ich aber reserviert hatte, bekam ich eine komplette Mansardenwohnung. Um die 100 qm, von einem Künstler eingerichtet, tolle Qualität und das Ganze  für€ 36/Nacht.

Am nächsten Tag habe ich mich mit dem Taxi zum höchsten Punkt von La Paz (kostete für 7 km Fahrt € 2,80) fahren lassen. Von dort ging es für mich abwärts. Fast 8 Stunden zu Fuss meine eigene Foto- und Filmsafari in La Paz und habe dabei tolle Aufnahmen gemacht. Wieder einmal ziemlich kaputt, hat bei mir die Aufmerksamkeit kurz vorm Hotel nachgelassen. Ich bin zwei als Polizisten verkleideten Trickbetrüger auf den Leim gegangen. Was für ein naiver Esel ich bin. Sie gaben sich als Fremden- und Drogenpolizisten aus und „kontrollierten“ mein Ausweis und Rucksack und entwendeten mein Handy und umgerechnet ca. € 30. Also ich habe jetzt kein Handy mehr und bin eine Erfahrung reicher oder besser ärmer.

Morgen geht es weiter zur Yungas Road – besser bekannt als Todesstrasse. Und wir hoffen das Beste –  anschliessend nach Copacabana am Titicasee. Von dort ist es dann nur ein kurzer Sprung nach Peru.

Hier wieder einige Bilder zu La Paz.

 

Salar de Uyuni

Uyuni – ein Ort für Fans von Staub und Schmutz

Zitat aus meinem Reiseführer: „Verwunderlich, wie in dieser bitterkalten, windigen und trostlosen Hochlandöde etwa 18.000 Menschen leben können und was sie an diesem Ort hält.“  Viel zu sehen gibt es hier wahrlich nicht. Nur Schmutz und Staub und Tourenanbieter. Ich selbst hatte nach meiner anstrengenden Wüstentour eine sehr bescheidene Unterkunft mit einer Gemeinschafts-Sanitäranlage, die selbst mich, der schon einiges diesbezüglich erlebt hatte, zu strategischen Essüberlegungen zwang. Als ich die „Toilette zuerst roch und dann auch noch sah, entschloss ich mich einfach 1 Tag lang nichts zu essen. Dann habe ich auch keinen Stuhlgang und diese Strategie ging auch auf.

Was suchen die Leute alle in Uyuni? Die Stadt ist Ausgangspunkt für ein- oder mehrtägige Touren in die gleichnamige Salzpfanne. Diese Salzpfanne (Salar) ist die größte Salzfläche der Erde (160 km lang und 135km breit). Die Salzkruste ist zwischen 2 und 7m dick.  Von Dezember bis März ist Regenzeit, dann steht ein Großteil der Fläche unter Wasser und kann nur von erfahrenen Tourguides befahren werden. Meine Intention einer Überquerung hat sich beim Anblick der riesigen Salzlauge erübrigt. Also habe ich eine 1-Tagestour gebucht (ca. € 20,- inkl. Lunch). Es war wie bei der Rallye Paris-Dakar, bei der übrigens auch eine Etappe hier ausgetragen wurde. Gefühlte 1000 SUVs starten gleichzeitig (meine Rennbesatzung bestand aus 2 Chilenen, 1 Japaner, 1 Saudi und 1 Dubaier und 1 Schwaben – ich).

Erstes Etappenziel Lokomotivenfriedhof. Mir gelangen 2 Schnappschüsse: nur alte, verrottete Loks ohne Touris auf dem Bild. Das soll mir erst einer mal nachmachen. Das bei Tausenden von Touristen, die sich wie kleine Kinder an dem alten Schrott mit ihren Selfies mal wieder austobten.

Zweite Etappe war ein Besuch bei einem Salzhersteller mit anschliessendem Rheumadeckenverkauf – natürlich im Indio-Design. Echt originell – all die Indio-Souvenirstände.

Nachdem ich meine Indio-Tupperware Party hinter mir hatte, fragte ich den Guide, ob er bei der riesigen Salzfläche nicht vielleicht eine Stelle kennt, bei der mir nicht ständig japsende Japaner und kreischende Chinesen ins Bild laufen.  Er tat uns den Gefallen. Die glitzernde, endlose Salzfläche war dann doch sehr beeindruckend und der herrliche Sonnenuntergang entschädigte für den trubelhaften Start. Wir verloren zwar die Rallye und kamen unter ferner liefen wieder in Uyuni an.

Hier einige Bilder

Als mal wieder das Internet ging, bekam ich eine furchtbare Nachricht aus der Heimat.

Fritz – mein guter Freund, Klassenkamerad und Pate unseres jüngsten Sohnes ist überraschend an Herzstillstand verstorben. Mit ihm bin ich viel in meiner Jugend verreist. Auch hatten wir überlegt, ob er nicht nach Kuba kommt, und wir gemeinsam 2 Wochen Kuba bereisen. Was für ein Schock. Die Nachricht passte irgenwie zum trostlosen Ort Uyuni.

Ich bin froh, dass es nach Sucre geht, das nur 2700m hoch liegt. Dort habe ich ein ordentliches Hotel mit sauberer Toilette gebucht. Ich brauche jetzt irgendwie ein angenehmerer Ort um alles zu verdauen.

Wüst – Wüster – Am Wüstesten

Wüste Atacama

Nach dem doch recht „intimen“ Besuch des Planetariums mit 9 Teilnehmern machte ich mich auf in das „touristische Zentrum“ der Atacama-Wüste nach San Pedro de Atacama. Wie nicht anders zu erwarten quoll der Ort mit Touristen über. Ein wenig merkwürdig sind aber die nationalen Gewichtungen. Hier tummeln sich vor allem Franzosen. Sind halt doch echte Fremdenlegionäre oder Wüstensöhne und -töchter. Wir Deutschen sind aber gleichmässig überall. San Pedro ist ein weitverzweigtes Dorf mit astronomisch hohen Preisen. Hier können sich die Touranbieter an den Touristen gut bedienen. Tagestouren oder auch mehrtägige Touren führen sternförmig in die nähere Umgebung. Mal zur Salzlagune, dann ins Valle de la Luna, dann wieder werden irgendwelche Bruchbuden als archäologische Indio-Siedlungen hofiert, dann wieder wird der ganze Tross zu Geysiren hinverfrachtet, die anscheinend vor 9.00 Uhr morgens am besten „speien“.  Der Clou war wirklich das „Mondtal“. Tausende von Touristen hockten auf dem Bergkamm um auf den Sonnenuntergang zu warten. Sah eher aus als würde bald ein neuer Messias erscheinen. Gottseidank bin ich mit meinem Moped flexibel und bin allein irgendwo auf einer Wüstenpiste herumgekurvt. Dennoch die Wüste hat hier viele Facetten. Sand, Stein, Geröll, Salzlagunen, tagsüber sehr heiss, nachts kühlt es dann aber ordentlich ab. Nach 2 Tagen „wüsten“ Eigentouren fuhr ich weiter nach Calama zur größten Kupfermine der Welt. Aber leider wurde die Besuchertour am 29. Februar abgesagt.  Durch den Ausfall der Tour war meine Gruppe übergebucht und ich fiel der Streichliste zum Opfer. Trotz meiner Überredungsversuche TV Alemania, etc. hatte ich keinen Erfolg. Übermorgen wäre es kein Problem. Noch ein oder zwei Tage in der staubigen Minenstadt zu verweilen wegen einer Führung, das wollte ich dann doch nicht und machte mich auf den Weg nach Uyuni, Bolivien. Bis zur Grenze war die Strasse ganz ordentlich, ein wenig Offroad, aber im ordentlichen Zustand. Seltsam –  es gab Null Verkehr. Genug Hitze und ich stieg in immer höhere Sphären. Als ich an der Grenzstation ankam waren es schon 4000m über Meereshöhe.  Ich war der einzige an der Grenze. Laut Grenzer war ich dieses Jahr der erste Motorradfahrer überhaupt und an einen Solisten in den letzten 2 Jahren kann er sich überhaupt nicht erinnern. Die Grenzabfertigung ging recht zügig. Nur 1 1/2 Stunden – ich war ja schließlich der einzige Grenzgänger. Meine persönliche Immigrationsformalitäten waren in 2 Minuten erledigt, aber beim Motorrad musste ich Ihnen fast noch die Erfindung des Rades erklären. Witzig war es irgendwie doch. Mit einer Warnung, dass Teile der Strecke wegen eines kürzlichen Regenfalles sehr schwierig zu befahren wäre und mit „mucho suerte“ schickten sie mich in die Wüste. Die Strecke war traumhaft, aber doch zum Teil tückisch. Bei einer durchschnittlichen Meereshöhe von 4000 m fällt einem Offroad-Fahren doch schwer. Kurzatmig und leicht dösig besteht die Kunst beim Fahren die Konzentration hoch zu halten. Aber doch wieder Glück gehabt. Keine Panne, kein Sturz, sondern total eingestaubt und erschöpft kam ich in Uyuni am gleichnamigen Salar an. Mehr zum Ort im nächsten Blogeintrag.