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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Archives › Das Motorrad

BMW R1200 GS Adventure

Die BMW – seit Jahren ein treue Reisegefährtin

In meiner Zweirad-„Karriere“ habe ich schon mehrere Zweiräder besessen.

Mein erstes mobiles Fortbewegungsmittel war jedoch ein Dreirad. Nach mehreren Fahrrädern begann mein motorisierter Lebensabschnitt im stolzen Alter von 16 Jahren mit einer Honda DAX. Ein echtes Geschoss. Natürlich war es damals üblich, seine Maschine zu „frisieren“.  Anstatt gediegene 40 km/h brachte das kleine Geschoss 70 km/h.

Das genügte für mein pubertäres Selbstwertgefühl ganze 2 Jahre.  Kaum 18 Jahre alt, legte ich mir eine nagelneue, feuerrote Suzuki 250 zu. Versicherungstechnisch waren zu jener Zeit die Maschinen auf 34 PS gedrosselt. Nach einem Kolbenfresser „musste“ der Kolben aufgebohrt werden und auch einige andere Komponenten verhalfen zu einem Motordoping. 48 PS kamen auf dem Prüfstand heraus. Anmerkung: heute bin ich ein ehrbarer Biker und würde so etwas natürlich nicht mehr tun.

offroadNach 3 Jahren verkaufte ich wegen meines Auslandsstudiums die Maschine und blieb von da an partnerlos – zumindest was Motorräder betrifft.

Dann kamen Beruf, Familie und Kinder. In dieser Phase sind „gefährliche“ Motorräder unpraktisch und auch oft unerwünscht. Mit 40+ Jahren  kommen die meisten Ex-Biker in eine kritische Lebensphase. Die Motorrad Midlife Crisis zwingt uns jedoch früher oder später zum Erwerb eines Motorrads. Bei mir fiel die Wahl auf eine Moto Guzzi California, der europäischen Variante einer „Born-to be Wild“ Harley-Davidson. Trotz halsbrecherischer Kurvenartistik, war die California doch ein eher schwerer Metallhobel, akustisch jedoch ein Genuss. Nur mit extremsten Anstrengungen konnte ich mit meinen besser/stärker motorisierten Bikerkollegen Schritt halten.

Wer also sollte die ideale Reisebegleiterin für meine zukünftigen Reisen werden?

Soll ich mir ein rassiges, schnelles Naked Bike zulegen? Oder doch ein HighSociety Modell (Harley-Davidson), das sich permanent in Beauty Salons (beim Waschen und Service) und bei Schönheits-Chirurgen (Werkstätten und Customs Bike Läden) herumtreibt? Nee – ich brauchte eine ordentliche Touringmaschine, die nicht nur zum Promenieren und Herumschrauben geeignet ist. Ein Motorrad, das äußerst zuverlässig ist, mehr wie ein Kamel – das einmal richtig säuft und dann eine lange Zeit keine Tankstelle mehr braucht, dem man ordentlich  Gepäck aufladen kann, und die mit mir durch jedes Gelände geht.

BMW GS nach einer Schlammschlacht im Norden von Namibia

BMW GS nach einer Schlammschlacht im Norden von Namibia

 

Mit der ich auch einmal in die Luft gehen kann. Die mir meine Stürze nicht übel nimmt. Die nur ein Minimum an Wartung erfordert und auch nicht jeden Tag geputzt werden muss. Also keine Tussie, sondern eine BMW GS 1200 Adventure. Sie hat mit Ihrem Tank eine Reichweite von über 600 km, verbraucht dabei weniger als 5 l/100km (Afrikatour: bei 21.000 km im Schnitt: 4,7l/100km!). Auch darf sie kein Schuhfetisch mit max 2.500 km  Laufleistung sein. Meine BMW GS zieht sich ordentliche Schuhe/Reifen an, die über 12.000 km halten. Bin einmal gespannt auf Südamerika –  ich habe der BMW diesmal  ein Paar Heidenau K60 SCOUT spendiert, richtige Outdoor Trekking Reifen für unwegsames Gelände.

Vor der Reise habe ich die BMW nochmals zum Motorrad-Doktor geschickt. Sie ist komplett durchgecheckt worden und kleinere Verschleißteile wurden ersetzt. Aber im Großen und Ganzen ist sie trotz ihrer 72.000 km und zahlreichen Stürzen noch toll in Schuss – ein absolut zuverlässiges Mädel!

Ägyptisches Kennzeichen auf der Sinai Halbinsel

Ägyptisches Kennzeichen auf der Sinai Halbinsel

Damit sie sich ihre hübschen Augen nicht per Steinschlag ruiniert, hat sie eine Plexiglasscheibe als Schutz bekommen. Auch sonst habe ich ihr an allen verwundbaren Stellen Metallbügel und Bleche anbringen lassen. Wichtig: ein extra großes Auflageblech für  den Seitenständer, damit sie nicht zum gefallenen Mädchen mutiert. Sie soll mir fleißig meine 2 wasserdichten Gepäcksäcke schleppen, deshalb bekam sie eine Auflagen-Vergrößerung für den Gepäckträger.

Die 2 Original BMW Aluminiumkoffer sollen nicht ihr Hinterteil betonen, sondern dienen außer als  beachtlicher Stauraum auch als eine Art Airbag.  Während die „Kosmetikköfferchen“ (Kunststoffkoffer) meiner Bikerfreunde nach Stürzen meistens im Gelben Sack enden, zeigt meine BMW ihre Alukoffer mit Stolz inkl. deren Kampfspuren ( nur Kratzer), die sie sich bei „Feindberührungen“ (mehrere Pirouetten auf den Koffern gedreht, einen VW Polo beim Crash zerstört und diverse afrikanische  und italienische Fahrzeuge damit abgedrängt)  geholt hatte.

Ihr denkt, sie ist nur ein Arbeitstier?

Weit gefehlt. Am Abend, im Camp kann sie auch romatische Stunden genießen.

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Ich hoffe, wir werden noch viele aufregende Momente zusammen genießen können und wünsche meiner BMW GS weiterhin „viel Gesundheit“ und Spaß bei unseren zukünftigen Reisen.