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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Alaska – reine Augenwischerei!

Was einem gleich bei der Fahrt nach Norden ins Auge fällt, ist ausser der grandiosen Landschaft, das brennende Gefühl im linken Auge. Mitten im nowhere findet ein besonders anhängliches Spezi einer alaskaischen Killermoskito ihren Weg in mein linkes Auge und das trotz Visier und Brille. Und zu meinem Glück hatte ich kein Wasser mehr, zufällig und das ist wirklich großes Pech, war auch kein Fluss oder See in der Nähe und ich musste die sterbliche Überreste dieser Arktismücke über 40 Minuten mit heftigen Tränen in meinem Auge ertragen bis mich endlich ein Trading Post, sprich Laden, mit einem Waschbecken erlöste. Da sind wir schon beim Thema: Mücken gibt es genügend und Flüsse, Seen und Wälder ohne Ende. Oft sind ganze Wälder Waldbränden zum Opfer gefallen. Je weiter ich nach Norden kam und es ging fast 4000 km nach Fairbanks, Alaska um so weniger wurde der Verkehr, die Bäume wurden niedriger, … und die Strassen zogen sich ins Unendliche.

Kurven? Fehlanzeige. Oft 100 bis 200 km gerade aus, kein Auto stundenlang und nur wenige Tankstellen, die oft nur 2 Sprits zum Auswahl hatten: Diesel oder Regular mit 88 Oktan. Willst du oder besser du musst auch manchmal etwas zum Essen kaufen, ist die Auswahl sehr bescheiden: Chips und Softdrinks zu Nuggetpreisen. Unterkünfte musst du nehmen wie sie kommen. Selbst State Park Camping kostet $20 und das ohne Wasser oder Dusche. Dafür kannst du ja oft in einen eiskalten See springen. Feste Unterkünfte mit Etagendusche und-klo fangen bei $80 an. Bei 1 Pizza und 1 Bier- bist du mit $30-35 dabei.

Tagesetappen von 800-900km die Regel, mein Rekord 1150km und das mit dem Motorrad. Dazwischen immer das Highlight: Pilot Cars! Was ist denn das? Da kommt ein schwäbischer Offroad Champ angeschossen und wird abrupt angehalten und muss dann mit 30 km/h in der Schlange (3-5 Autos!) kilometerweise hinter einem kriechenden Baustellen-Pickup hinterherfahren. Manchmal 15 km lang. Da kommt Freude auf. Ja die Nordamerikaner sind verwegene und kühne Fahrer! Mit Todesmut passieren Sie mit 10m Abstand den Gegenverkehr und halten dabei auch tapfer 200m Abstand zum Vordermann/-frau. Die kommen sich wie im Actionfilm vor, wenn ein schwäbischer Motorrad-Stuntfahrer beim Überholen schon nach 100m wieder einschert und um Himmels Willen: der überholt im Kamikazestil, der Gegenverkehr ist keine 1,5 Kilometer weit entfernt! Auf der Top-of-the-World Highway, eine 150km lange gut befahrbare Offroadstrecke überholte ich mit weit über 120 km/h mehrere Motorradfahrer, die mit geschätzten 50km/h durch die Gegend hoppelten. Später treffe ich sie wieder bei der Klondyke-Fähre. Ihr Kommentar: Unbelieveable – you are not from here. No – I am from another planet.

Fairbanks – mein Endziel

Alle fahren nach Prudhoe Bay ans Polarmeer. Ich schenke mir die ca. 850km lange Strecke. Ursprünglich wollte ich auch dorthin, aber meine Reifen sind schon ziemlich abgefahren und die Strecke soll sehr monoton sein und dann auch noch den gleichen Weg wieder zurück – nee. Dann fahre ich doch lieber zu den Goldgräbern, mache mal selber „Gold panning“. Unterwegs nach Dawson City komme ich zum Goldgräberflecken „Chicken“. Dort esse ich erst einmal ein Goldnuggetburger und schaue mir verschiedene Goldgräberutensilien an. Bei meiner Weiterfahrt treffe ich auf einen echten Goldgräber, der mit Bagger und Fördergerät von April bis Ende September professionell Gold sucht – mit Erfolg. Ich mache ein Videointerview. Dan erklärt mir ausführlich den Fundort und zeigt mir seine Ausbeute von den letzten Tagen: echte Nuggets. Mit dem Erfolg kann er dann auch über die kalte Jahreszeit in Florida überwintern. Unterwegs treffe ich noch viele Hobby-Goldgräber, die auf Free Claims (da darf jeder ohne Lizenz schürfen) tage- bzw. wochenweise im Bach stehen und ihre Goldpfanne meist erfolglos schwenken. Sie verbringen dort ihren Urlaub im Wohnmobil. Man fühlt sich bei ihnen eher wie bei einer BBQ-Party. Aber alle sind recht locker drauf.

Hier folgen gleich wieder die obligatorischen Bilder.

In Kürze folgt auch mein nächster Bericht mit Dawson City und der Fahrt nach Edmonton, Alberta.