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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Archives › März 2016

Meine BMW ist jetzt privat versichert

Peru – das Land der Polizeikontrollen

Von Cusco ging es Richtung Küste nach Nazca. Ruckzuck geht das. Denkste. Eine Kurbelei war das. Eine Kurve nach der anderen. Dann nochmals auf 4500m Höhe. Dort kam ich erst einmal in ein Schneeregengewitter. Dann zickten die Bremsen. Die Bremsleistung lies nach gefühlten 3000 Kurven rapide nach und ich musste sämtliche Zwiebel-Klamottenteile anziehen um mich vor ernsthaften Erfrierungen zu schützen. Es war schon dunkel als ich in Nazca an der Peruanischen Küste eintraf. Obwohl das Städtchen nicht gross ist, herrschte hier ein Weltuntergangsverkehr. Plötzlich war es auf Meereshöhe wieder drückend heiß und sehr staubig.

Nazca ist berühmt für seine Geoglyphen. Riesige Tierkreislinien sind in der Wüste eingraviert. Sehen und erkennen kann man sie am Besten morgens von einem Kleinflugzeug aus. Auf einen Flug verzichtete ich. Die nächsten 2 Tage fuhr ich nonstop auf der Panamerica Richtung Norden, passierte die Hauptstadt Lima und legte ca. 1800 km zurück. Die ganze Strecke war reine Wüste, nur unterbrochen von einigen grünen Oasen, in denen riesige Rebfelder mitten in die Wüste per Bewässerung am Leben gehalten werden. Die Monotonie der Fahrt wurde von unsäglichen Polizeikontrollen unterbrochen. Irgendwie haben die sich auf die Kontrolle von Versicherungsdokumenten spezialisiert. Ich glaube ein wesentlicher Bestandteil der Polizeiausbildung besteht im Eintreiben von Bakschisch und Versicherungsdokumente scheint hier ein lohnendes Objekt zu sein. Versicherung für das Moped hatte ich ja nicht. Dafür ein tolle Karte meiner privaten Krankenversicherung. Die zeigte ich jedesmal mit grösster Selbstverständlichkeit. Meine BMW war ab sofort privat versichert, Zweibettzimmer-Anspruch und Chefarztbehandlung. Auf Gegenfragen wie aus der Pistole geschossen: No hablas Espanol. Ihr könnt mich mal.

Spät abends nach der 2. Peru Wüstenrallye-Etappe kam ich an die Grenze Ecuadors. Zunächst problemlose Ausreise aus Peru. Jetzt Ecuador. Versicherung kein Thema. Aber: der Zöllner, sehr freundlich, nahm alles sehr genau. Er machte mehrere Fotos von dem Bike, wollte die ganze Historie zum Motorrad wissen und hackte alle Informationen bzw. downloaded sämtliche Bilder in den internen Fahndungscomputer. Würden wir in Europa alles so erfassen, hätten wir keine unbekannten Terroristen. Er ermahnte mich mehrmals, dass das Motorrad max. 1 Monat in Ecuador sich aufhalten dürfte. Überziehe ich das, dann wird wahrscheinlich der BMW vor der komplett angetreten Zollbrigade die Kolben entfernt und die katholische Kirche wird zusätzlich die BMW noch aus der Kirche ausstossen. Irgendwie ist das total unlogisch. Sie sollten doch froh sein, wenn Touristen länger im Land bleiben und Devisen bringen. Zu deutsch gedacht.

Am nächsten Tag ein ganz anderes Bild: alles grün, Viehzeug springt am Strassenrand herum. Es ist sehr warm aber auch sehr feuchtschwül. Ich fahre an riesigen Bananenplantagen vorbei, die Strassenhändler bieten sämtliche Früchte des Paradieses im Überfluss an. Die Leute sind auch irgendwie anders drauf. Sie lachen viel mehr, winken und schütteln einem die Hand und sind neugierig. Die Peruaner und Bolivianer sind eher ablehnend, reserviert. Kein Wunder, wenn du ständig in der Höhe lebst und grosse Teile des Landes aus Wüste bzw. kargen Böden bestehen. Dann wirst du und bist du halt so.

In Guayaquil fahre ich gleich zum BMW-Händler. Nur Reifenwechsel (die Reifen habe ich dabei), Ölwechsel sowie Luft- und Ölfilter wechseln und neue Bremsbeläge. Sonst nix. Am nächsten Tag hole ich die BMW ab und bekomme die Rechnung. Hier ist die BMW tatsächlich Privatpatient. Auf der Rechnung erscheinen die Bremsbeläge mit US$ 550. Fast das Zehnfache wie bei uns. Laut Händler wäre der exorbitante Zoll dafür verantwortlich. Ich japse nach einem Sauerstoffzelt  und beschliesse ab sofort noch weniger zu bremsen. Für das Geld kann ich daheim zum Juwellier gehen und mir Diamantbremsbeläge anfertigen lassen!

Jetzt brauche ich eine Auszeit – ab an den Strand. 4 Tage mal nicht fahren und viel Erholung. Die Unterkunft und die Leute sind sehr nett. Einziger Wermutstropfen: ich schlafe in einer Sauna. Keine Klimaanlage. So bin ich recht froh, dass ich wieder in höhere, kältere Gefilde – nach Quito ca. 3000m hoch- darf.

Quito ist eine sehr schöne Stadt und auch ordentlich auf Touristen ausgerichtet. Ein sicherer Platz (geschätzte 10% der Bevölkerung arbeitet für irgendeine Polizei, ich staune wieviel unterschiedliche Uniformen und Bezeichnungen es gibt, selbst der Polizeihund hat ein chices Mäntelchen, seinen Dienstgrad bellte er leider auf Spanisch…).

Von hier geht es nach Norden nach Kolumbien. Dazu mein nächster Bericht.

Der böse W(R)olf

Der böse Rolf isst den Kindern ihr Haustier weg

Eine Delikatesse in Peru sind gebratene Meerschweinchen. Auf meiner Fahrt nach Cusco kam ich auch an einem Ort vorbei, der sich auf die Meerschweinchen-Gastronomie spezialisiert hat. Links und rechts befinden sich einige Dutzend Meerschweinchen-Grillbuden. Natürlich musste ich mir das näher anschauen. Die Meerschweinchen werden nackt ohne Fell auf einen Spieß gesteckt. Vorher werden sie innen mit Kräutern ausgestopft. Selbstverständlich musste ich mir ein Meerschweinchen zu Gemüte führen.

Für ca. € 8 bekam ich ein komplettes Essen.  Im Touristenlokal kostet das ganze mindestens das Dreifache. Da ich das ganze von einem Franzosen, der zufällig vorbei kam, filmen lies, bestand ich auf ein komplettes Meerschweinchen, das ich selber aufschnitt. Leider hat er mir die Essfotos versaut, aber die Filmsequenz wurde ganz ordentlich. Im Normallfall werden die Meerschweinchen filetiert serviert.

Zum Meerschweinchen gab es Papas (Kartoffel), eine scharfe Gemüsepastete und eine Art Kräutersenf. Wie schmeckt das Ganze? Ich mag es. Es ist nicht fett, gut verdaulich und schmeckt auch durch die Kräutereinlage recht würzig. Besser und intensiver als Hähnchen. Es ist genug Fleisch dran, dass man satt wird. Innereien und Kopf isst man nicht. Nebenwirkungen: nach einiger Zeit vermisst man sein Rhönrad für den Verdauungsspaziergang.

Viel Spass beim Anblick der peruanischen „Spießchen“

 

Hier noch einige Bilder zu Cusco, der „Inka“-Hauptstadt

 

Im Reich der Inkas

Peru – das Zentrum der Inkas – heute das Reich der Korruption

Nur kurz zur Geschichte – ca. 1200 wurde das Inka-Reich von Manco Capac gegründet und erreichte 1525 seinen Höhepunkt und endete mit Pizarro, der 1533 Cusco einnahm und den Niedergang des Inka-Imperiums einleitete. Der „Nabel der Welt“ war Cusco. Die Nervenstränge des Inkareiches waren die Straßen mit einer Gesamtlänge von weit über 20.000 km. Mit Hilfe von Staffettenläufern wurde ein effektives Nachrichtensystem betrieben. Das Reich erstreckte sich von Quito, Ecuador im Norden bis  tief in den Süden Chiles.

Von La Paz ging es auf recht chaotischen Straßen Richtung Copacabana an den Titicacasee. Die Bolivianer haben ihr eigene Straßentechnik – ja kein Verkehrsschild aufstellen. Die wissen genau, dass es keine Navi-Software für Bolivien gibt. Und unbedingt alle 5 km eine abenteuerliche Umleitung mit möglichst viel Schlamm und grobem Schotter und undefinierbaren Richtungsänderungen einbauen. Wenn das nicht reicht um den Schwaben die Orientierung zu rauben, dann lassen wir es von oben schütten, was das Zeug hält. Der ideale Blindflug mit angelaufenem Visier und Brille. Irgendwie war nach einigen Stunden soviel Wasser auf der Strasse, dass aus dem Wasser der Titicaca-See wurde. Mit 195 km Länge ist er fast 13 mal so groß wie der Bodensee. Bevor ich aber nach Copacabana gelangte, musste ich auf ein Art Floß aus ein paar wackeligen Brettern inkl. vieler Zwischenräume fahren. Das Ganze hatte einen Außenbordmotor und einen Fährmnn, der das Boot mit Hilfe einer Stange im Nanobereich an die Anlegestelle bugsierte. Da vorher noch ein heftiges Gewitter tobte, war die 1 km lange lustige Seefahrt von entsprechendem Seegang begleitet. Ich musste das Motorrad halten, damit der Seitenständer nicht in einen der Hohlräume des Flosses rutschte.

Am nächsten Tag wollte ich beim Ort Copacabana die vorgelagerte Isla del Sol ( ein mystischer Inkaort) besuchen. Aber wegen Regenschauern und Höhenkopfweh (permanent über 3800m hoch),  nahm ich dann das Projekt Grenzübertritt von Bolivien nach Peru in Angriff.

Die Nachfahren der Inkas haben sich leider in eine falsche Richtung weiterentwickelt.  Zum Leidwesen von alleinreisenden, schwäbischen Motorradfahrern.

Es fing gut an. Bei der Ausreise aus Bolivien fehlte irgendein abgestempelter Fresszettel von der Bolivieneinreise. Der Grenzbeamte von der Immigrationspolizei wollte umgerechnet 70 Euro als Ersatz. Ich schaute ihn an und sagte nichts. Dann holte er seinen Kollegen, der sagte Minimum US$ 50. Ich schaute beide an und sagte noch immer nichts. Beide zuckten mit den Schultern und sagten grande problema. Dann warf ich ihnen einen 5 US$ Schein hin und forderte sie auf , meinen Pass zu stempeln. Basta. Ich bekam meinen Stempel. Dafür ärgerte mich sein Kollege, der Zollbeamte, bei der Motorradausreise. Ich musste extra das Motorrad (300kg schwer) noch einmal 3 m nach vorne schieben, damit er meine Einreisezolldokumente mit dem Motorrad abgleichen konnte. Reine Macho-Schikane.

Proximo (nächstes) – Peru.

Ungefähr 1 km später kam die peruanische Grenze. Meine persönliche Einreise – Pass etc. war sofort erledigt. Nun kommt das Motorrad und der Zoll. Alles klar. Pass zeigen, Kfz-Schein zeigen. Führerschein zeigen. Frage nach meiner Versicherung für Peru – grüne Versicherungskarte. Er studiert sie aufmerksam. Natürlich ist Peru nicht drauf. Das weiß ich. Ich probiere es noch mit meiner Krankenversicherungskarte. Er stellt sich stur. Ich soll nach Puno (ca. 120km,  2 Stunden entfernt) mit dem Bus fahren und dort eine Versicherung abschließen. Ich weiß genau, was er will. Er verschwindet, bespricht sich mit seinem Capitano. Nein, ohne Versicherung darf ich nicht einreisen. Ich soll ihm einmal einen Vorschlag machen, wie wir das Problem lösen können. Ich biete ihm US$ 20 an, er meint 2 Leute müssen ein Auge zudrücken und ich soll auf US$ 30 erhöhen. Das Geld verschwindet ruckzuck in der Schublade und innerhalb von 5 Minuten habe ich meine Zollpapiere, unter der Auflage, dass ich in Puno die Versicherung abschließe. Verspreche ich zwar, aber mein Spanisch ist so schlecht, dass ich mein Versprechen schnell wieder vergesse. Auf den nächsten 50 km werde ich noch an 3 weiteren Kontrollstellen gestoppt und muss abwechselnd einem Inlandszoll, einer normalen Polizei und einer Stadtpolizei meinen Führerschein und die Zolldokumente präsentieren. Nach einer Versicherung fragt aber keiner mehr. Wenn das so weiter geht, wird es noch spannend-es kommen noch ca. 3800 km in Peru.

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Machu Picchu. Anstatt nach Cusco fahre ich nach Ollanta. Der Hauptgrund – der Ort liegt 1200m tiefer als Cusco – ich will  endlich meine Kopfschmerzen und Höhen-Übelkeit los werden.

Machu Picchu

Um zur geheimnisvollen Bergstadt Machu Picchu(liegt logistisch wirklich sehr kompliziert versteckt) zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten. Eine teure Softvariante- man fährt mit der Inka Rail – einem Luxuszug. Für Hin- und Rückfahrt liegen die Kosten bei über € 300 pro Person für eine relativ kurze Strecke.

oder Variante 2: Anreise für arme Schüler, Studenten oder Schwaben.

Du buchst für ca. € 25 eine Hin-und Rückfahrkarte inkl. einem Mittagsessen mit dem Kleinbus. Jedenfalls war keiner dabei, der älter als 30 war. Außer mir.

Hier die Story:

Du steigst zusammen mit 10 Youngstern in einen kleinen Mercedes-Bus. Nach 2-stündiger Serpentinenfahrt hört die Asphaltstraße auf, dann wird die Straße eng und schlecht und man fährt für weitere 1 1/2 Stunden permanent an einem ca. 600m tiefen Abgrund entlang . Vor jeder Biegung wird gehupt. 2 Fahrzeuge passen nicht aneinander vorbei. Eine echte Todesstraße. In Santa Theresa – dem ersten Zielort bekommst du deine letzte Ölung – äh – Mahlzeit. Anschließend wirst du nochmals 5 Minuten auf einer engen Todesstraße an eine Hängebrücke gefahren. Da diese sehr eng ist und sehr schwankt, dürfen nur max. 4 Personen gleichzeitig die Brücke überqueren. Auf der anderen Seite erwarten dich nach ein paar hundert Metern Minibusse. Sie fahren dich dann ca. 20 Minuten auf ebenfalls halsbrecherischen Höllenwegen zur Hydro Electrica – einem Wasserkraftwerk. Hier ist Endstation – für Fahrzeuge. Hier musst du dich bei irgendeiner Parkverwaltung registrieren, bekommst eine kurze Verhaltenseinweisung und wirst dann auf deinen Fußmarsch geschickt. Ca. 12km auf und neben den Bahngleisen inkl. unregelmäßigem Zugverkehr. Spannend wird es vor allem in den Tunnels, besonders wenn der Zug hupt. Nach ca.  2 1/2 Stunden kommst du dann endlich (in meinem Fall in strömendem Regen) in Machu Picchu Pueblo (auch Aquas Calientes genannt) an. Schnell noch die Eintrittskarte gekauft (ca. € 35) und nach einer Übernachtung geschaut. Alle Hostels sind belegt. Du findest trotzdem für €12 ein Zimmer. Die Nacht ist kurz. Um 4.30 Uhr wanderst du mit ein paar hundert jungen Seelen Richtung unteres Einlasstor. Die Stirnlampe nicht vergessen. Es sind nur 20 Minuten bei absoluter Dunkelheit. Auf dem Plan ist als Orientierung irgendein Campingplatz eingezeichnet. Pünktlich um 5.00 Uhr morgens wird das untere Tor geöffnet: du zeigst deine Eintrittskarte und deinen Reisepass (beide sind gekoppelt!). Jetzt beginnt der Viehauftrieb! 1300m steilste Treppenstufen. Für das Inka-Sportabzeichen ist die Vorgabe 60 Minuten. Ich schaffe es in 50 Minuten. Total erschöpft und durchgeschwitzt. Ich denke, ich bin mit Abstand der Älteste. Die Softies – die Reichen und Schönen, die Edeltouris nehmen für US$ 9 den Bus. Wo bleibt da die Mystik.

Ich komme am oberen Einlasstor mit meiner eigenen Schweißwolke an. Zusammen mit meinen jungen Leidensgenossen sind wir die Ersten, die hereingelassen werden. Die meisten bequemen, wohlhabenden Edeltouris kommen erst um ca. 9.00 Uhr mit Zug und Luxusbussen oben an. Um 4.30 Uhr gibt es nämlich noch kein Frühstück im Hotel.

Der Anblick entschädigt für all die Mühe.  Noch sind es nur einige hundert Besucher und Glück haben wir auch. Im Gegensatz zum Vortag regnet es heute nicht. Immer wieder ziehen Wolkenschwaden zwischen den Ruinen durch und geben dem Ort noch ein ganz besonderen Flair. Ab 9.00 Uhr schwärmen Tausende Japanische und Amerikanische Selfietouristen aus. Vor lauter „Jesus-Gepose“ sieht man kaum noch die antiken Gebäude. Zeit zu Gehen. Ca. 1300m Treppen runter, 12 km Bahngleis etc. etc.. Tatsächlich wartet auch hinter der Hängebrücke wieder ein Mercedes-Kleinbus und nach 5 Stunden halsbrecherischer Fahrt komme ich wieder in meinem Hotel totmüde und hungrig an. Abendessen fällt wieder einmal aus. Zwei Coca-Colas müssen den Blutzuckerhaushalt wieder ins Lot bringen.

Am nächsten Tag geht es wieder weiter Richtung Cusco. Dazu aber ein anderer Blog.

Zwei Bilderblöcke:

  1. Copacabana und Machu Picchu
  2. Fahrtweg und Gleis

Bilder zu

  • Copacabana und Machu Picchu:

 

Bilder zu

  • Fahrtweg und Gleisweg Machu Picchu

 

Sucre und La Paz

Sucre – eine Reise, die sich lohnt

Auf dem Weg nach Sucre kommt man in Potosi vorbei. Potosi ist bekannt für seine Silber- und Zinnvorkommen. Die Spanier entdeckten in einem Bergkegel, dem Cerro Rico, im Jahr 1545 Silber in gigantischer Dimension. Bis 1660 holten sie aus dem Berg 16.000 Tonnen Silber. Bis heute sind es schon 46.000 Tonnen. Da Potosi über 4000m hoch liegt und ich noch nicht ganz höhenakklimatisiert bin, war es für mich irgendwie nicht verlockend in engen Minenschächten herum zu kriechen.  Selbst heute „dopen“ sich die Mineros noch mit allen erlaubten und unerlaubten Mittel und sind dementsprechend nach einigen Jahren total verbraucht.

Ich wollte einfach weiter nach Sucre. Was für eine Überraschung: Sucre trumpft mit hübschen, alten Kolonialgebäuden auf. Unzählig viele Schüler und Studenten bevölkern die Strassen, Cafes und Geschäfte. Man hört überall lachende Menschen, auch der Markt ist einen Besuch wert. Bolivien ist für Schwaben ein Schlaraffenland. Für ein Essen mit Getränk zahlst du, wenn du nicht in ein Touri-Restaurant gehst, umgerechnet ca. 3 Euro. Ein Jugo, frisch gepresster Saft aus einem oder mehreren Früchten um die 0,50 Euro. Mein 4-Sterne Hotel inkl. Frühstück € 26/Nacht. Auch sonst sind die Preise in Bolivien für uns sehr niedrig.

Hier einige Impressionen aus Sucre.


 

La Paz – eine Stadt mit Höhen und Tiefen

Irgendwie läuft mir die Zeit davon. Noch knapp 4 Wochen, dann geht mein Flug nach Kuba und noch liegen vor mir Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien. Die riesigen Strecken in Patagonien sowie der nicht eingeplante Zollaufenthalt in Uruguay haben ziemlich viel Zeit gekostet. Die Wüsten-Offroadstrecken haben sich auch als Reifenfresser entpuppt. Das Geröll schmirgelt die Stollen am Hinterreifen viel zu schnell weg und ab Bolivien habe ich kein Kartenmaterial mehr auf meinem Navi.

Ab Sucre führt eine wunderschöne, ordentlich ausgebaute und kurvenreiche Strasse durch die Andenwelt. Auf ca. 4000m Höhe erlebe ich die verschiedensten Gesteinsformationen. Mal zerklüftet, mal in allen Farben schillernd, dann wieder mächtig, felsig, an manchen Stellen erinnern die Felswände an die Dolomiten. Verkehr anfangs so gut wie keiner, nur Überlandbusse und LKWs. Je näher ich nach La Paz komme, um so mehr nimmt der Verkehr zu und auch die Strecke, jetzt 4-spurig, wird zusehends langweilig und kerzengeradeaus. Über 700 km Tagesetappe und ab 19.00 Uhr wird es rapide dunkel und kälter. Ich habe mir zwar einen Routenplan aufgeschrieben. Der nutzt dir aber in Bolivien überhaupt nichts. Selbst Fernstrassen sind fast nie ausgeschildert. La Paz müsst ihr euch vorstellen als wäre es in den Dolomiten verteilt. Wie die Kletten hängen die Häuser oder ganze Stadtteile an den Hängen. Du weist nicht einmal ob du in einem Vorort oder schon in La Paz bist. Das Drama beginnt. Ich ohne Stadtplan und GPS. Selbst booking.com hat mir falsche Koordinaten vom Hotel übermittelt. Es geht rein ins Chaos. Ich bin ja ein erfahrener und naja manchmal auch rücksichtsloser und unerschrockener Fahrer. Aber was jetzt abgeht, ist ein nightmare. Night= Nacht. Es ist dunkel, man erkennt überhaupt nichts, Millionen von Minibussen fahren kreuz und quer durch die Gegend. Ampelsignale dienen nur zur Hupkonzertverstärkung. Jeder hält überall an, Leute steigen aus oder ein, laufen über die Strasse. Der Verkehr stockt, kein Wunder, irgendein Stadtteil hat sich entschlossen, mitten auf dem Hauptring ein Stadtfest abzuhalten. Aus 3 Spuren werden 2 Spuren, dann 1 Spur, dann keine mehr. Die bauen einfach ihre Getränke-/Fressbuden auf der Stadtautobahn auf. Dazwischen fliegende Händler und jeder hupt was das Zeug hergibt. Ich weiss wenigstens in welchem Stadtteil mein Hotel liegt. Nach über 1 Stunde bin ich im Kamikaze-Blindflug durch das „Stadtfest“ durch und fahre talabwärts. Mehrmals frage ich Taxi- und Kleinbusfahrer nach der richtigen Richtung. Egal wohin ich zeige, die Richtung stimmt immer. Irgendwann komme ich doch im Stadtteil Sopocachi an. Jetzt geht gar nichts mehr. Ich halte ein leeres, lokales Taxi an und sag ihm die Adresse und das ich ihm folge und bezahle. Endlich geht es weiter. Denkste. Der hat auch kein richtiger Plan. Nach unzähligen Anrufen in der Zentrale, findet ein spiralförmiges Einkreisen des Zielortes statt. Mehrere Polizisten werden konsultiert. Jeder hat so eine Idee und Richtungspräferenz. Es fängt zu regnen an. – Klasse-. Steile, kurvige Kopfsteinpflaster, das hat mir noch gefehlt. Und die Tankanzeige hat den Reservebereich schon lange unterschritten.

Nach schon fast aussichtslosem Kampf und Herumgekurve plötzlich Bingo. In einer kleinen Sackgasse das Hotel. Der Taxifahrer möchte für umgerechnet 1 Stunde Lotsendienst nur € 4,20. Ich runde auf € 5,- auf. Todmüde und den ganzen Tag wieder einmal nichts gegessen, erwartet mich ein Traum von Unterkunft. Da schon alles ausgebucht war, ich aber reserviert hatte, bekam ich eine komplette Mansardenwohnung. Um die 100 qm, von einem Künstler eingerichtet, tolle Qualität und das Ganze  für€ 36/Nacht.

Am nächsten Tag habe ich mich mit dem Taxi zum höchsten Punkt von La Paz (kostete für 7 km Fahrt € 2,80) fahren lassen. Von dort ging es für mich abwärts. Fast 8 Stunden zu Fuss meine eigene Foto- und Filmsafari in La Paz und habe dabei tolle Aufnahmen gemacht. Wieder einmal ziemlich kaputt, hat bei mir die Aufmerksamkeit kurz vorm Hotel nachgelassen. Ich bin zwei als Polizisten verkleideten Trickbetrüger auf den Leim gegangen. Was für ein naiver Esel ich bin. Sie gaben sich als Fremden- und Drogenpolizisten aus und „kontrollierten“ mein Ausweis und Rucksack und entwendeten mein Handy und umgerechnet ca. € 30. Also ich habe jetzt kein Handy mehr und bin eine Erfahrung reicher oder besser ärmer.

Morgen geht es weiter zur Yungas Road – besser bekannt als Todesstrasse. Und wir hoffen das Beste –  anschliessend nach Copacabana am Titicasee. Von dort ist es dann nur ein kurzer Sprung nach Peru.

Hier wieder einige Bilder zu La Paz.

 

Salar de Uyuni

Uyuni – ein Ort für Fans von Staub und Schmutz

Zitat aus meinem Reiseführer: „Verwunderlich, wie in dieser bitterkalten, windigen und trostlosen Hochlandöde etwa 18.000 Menschen leben können und was sie an diesem Ort hält.“  Viel zu sehen gibt es hier wahrlich nicht. Nur Schmutz und Staub und Tourenanbieter. Ich selbst hatte nach meiner anstrengenden Wüstentour eine sehr bescheidene Unterkunft mit einer Gemeinschafts-Sanitäranlage, die selbst mich, der schon einiges diesbezüglich erlebt hatte, zu strategischen Essüberlegungen zwang. Als ich die „Toilette zuerst roch und dann auch noch sah, entschloss ich mich einfach 1 Tag lang nichts zu essen. Dann habe ich auch keinen Stuhlgang und diese Strategie ging auch auf.

Was suchen die Leute alle in Uyuni? Die Stadt ist Ausgangspunkt für ein- oder mehrtägige Touren in die gleichnamige Salzpfanne. Diese Salzpfanne (Salar) ist die größte Salzfläche der Erde (160 km lang und 135km breit). Die Salzkruste ist zwischen 2 und 7m dick.  Von Dezember bis März ist Regenzeit, dann steht ein Großteil der Fläche unter Wasser und kann nur von erfahrenen Tourguides befahren werden. Meine Intention einer Überquerung hat sich beim Anblick der riesigen Salzlauge erübrigt. Also habe ich eine 1-Tagestour gebucht (ca. € 20,- inkl. Lunch). Es war wie bei der Rallye Paris-Dakar, bei der übrigens auch eine Etappe hier ausgetragen wurde. Gefühlte 1000 SUVs starten gleichzeitig (meine Rennbesatzung bestand aus 2 Chilenen, 1 Japaner, 1 Saudi und 1 Dubaier und 1 Schwaben – ich).

Erstes Etappenziel Lokomotivenfriedhof. Mir gelangen 2 Schnappschüsse: nur alte, verrottete Loks ohne Touris auf dem Bild. Das soll mir erst einer mal nachmachen. Das bei Tausenden von Touristen, die sich wie kleine Kinder an dem alten Schrott mit ihren Selfies mal wieder austobten.

Zweite Etappe war ein Besuch bei einem Salzhersteller mit anschliessendem Rheumadeckenverkauf – natürlich im Indio-Design. Echt originell – all die Indio-Souvenirstände.

Nachdem ich meine Indio-Tupperware Party hinter mir hatte, fragte ich den Guide, ob er bei der riesigen Salzfläche nicht vielleicht eine Stelle kennt, bei der mir nicht ständig japsende Japaner und kreischende Chinesen ins Bild laufen.  Er tat uns den Gefallen. Die glitzernde, endlose Salzfläche war dann doch sehr beeindruckend und der herrliche Sonnenuntergang entschädigte für den trubelhaften Start. Wir verloren zwar die Rallye und kamen unter ferner liefen wieder in Uyuni an.

Hier einige Bilder

Als mal wieder das Internet ging, bekam ich eine furchtbare Nachricht aus der Heimat.

Fritz – mein guter Freund, Klassenkamerad und Pate unseres jüngsten Sohnes ist überraschend an Herzstillstand verstorben. Mit ihm bin ich viel in meiner Jugend verreist. Auch hatten wir überlegt, ob er nicht nach Kuba kommt, und wir gemeinsam 2 Wochen Kuba bereisen. Was für ein Schock. Die Nachricht passte irgenwie zum trostlosen Ort Uyuni.

Ich bin froh, dass es nach Sucre geht, das nur 2700m hoch liegt. Dort habe ich ein ordentliches Hotel mit sauberer Toilette gebucht. Ich brauche jetzt irgendwie ein angenehmerer Ort um alles zu verdauen.

Wüst – Wüster – Am Wüstesten

Wüste Atacama

Nach dem doch recht „intimen“ Besuch des Planetariums mit 9 Teilnehmern machte ich mich auf in das „touristische Zentrum“ der Atacama-Wüste nach San Pedro de Atacama. Wie nicht anders zu erwarten quoll der Ort mit Touristen über. Ein wenig merkwürdig sind aber die nationalen Gewichtungen. Hier tummeln sich vor allem Franzosen. Sind halt doch echte Fremdenlegionäre oder Wüstensöhne und -töchter. Wir Deutschen sind aber gleichmässig überall. San Pedro ist ein weitverzweigtes Dorf mit astronomisch hohen Preisen. Hier können sich die Touranbieter an den Touristen gut bedienen. Tagestouren oder auch mehrtägige Touren führen sternförmig in die nähere Umgebung. Mal zur Salzlagune, dann ins Valle de la Luna, dann wieder werden irgendwelche Bruchbuden als archäologische Indio-Siedlungen hofiert, dann wieder wird der ganze Tross zu Geysiren hinverfrachtet, die anscheinend vor 9.00 Uhr morgens am besten „speien“.  Der Clou war wirklich das „Mondtal“. Tausende von Touristen hockten auf dem Bergkamm um auf den Sonnenuntergang zu warten. Sah eher aus als würde bald ein neuer Messias erscheinen. Gottseidank bin ich mit meinem Moped flexibel und bin allein irgendwo auf einer Wüstenpiste herumgekurvt. Dennoch die Wüste hat hier viele Facetten. Sand, Stein, Geröll, Salzlagunen, tagsüber sehr heiss, nachts kühlt es dann aber ordentlich ab. Nach 2 Tagen „wüsten“ Eigentouren fuhr ich weiter nach Calama zur größten Kupfermine der Welt. Aber leider wurde die Besuchertour am 29. Februar abgesagt.  Durch den Ausfall der Tour war meine Gruppe übergebucht und ich fiel der Streichliste zum Opfer. Trotz meiner Überredungsversuche TV Alemania, etc. hatte ich keinen Erfolg. Übermorgen wäre es kein Problem. Noch ein oder zwei Tage in der staubigen Minenstadt zu verweilen wegen einer Führung, das wollte ich dann doch nicht und machte mich auf den Weg nach Uyuni, Bolivien. Bis zur Grenze war die Strasse ganz ordentlich, ein wenig Offroad, aber im ordentlichen Zustand. Seltsam –  es gab Null Verkehr. Genug Hitze und ich stieg in immer höhere Sphären. Als ich an der Grenzstation ankam waren es schon 4000m über Meereshöhe.  Ich war der einzige an der Grenze. Laut Grenzer war ich dieses Jahr der erste Motorradfahrer überhaupt und an einen Solisten in den letzten 2 Jahren kann er sich überhaupt nicht erinnern. Die Grenzabfertigung ging recht zügig. Nur 1 1/2 Stunden – ich war ja schließlich der einzige Grenzgänger. Meine persönliche Immigrationsformalitäten waren in 2 Minuten erledigt, aber beim Motorrad musste ich Ihnen fast noch die Erfindung des Rades erklären. Witzig war es irgendwie doch. Mit einer Warnung, dass Teile der Strecke wegen eines kürzlichen Regenfalles sehr schwierig zu befahren wäre und mit „mucho suerte“ schickten sie mich in die Wüste. Die Strecke war traumhaft, aber doch zum Teil tückisch. Bei einer durchschnittlichen Meereshöhe von 4000 m fällt einem Offroad-Fahren doch schwer. Kurzatmig und leicht dösig besteht die Kunst beim Fahren die Konzentration hoch zu halten. Aber doch wieder Glück gehabt. Keine Panne, kein Sturz, sondern total eingestaubt und erschöpft kam ich in Uyuni am gleichnamigen Salar an. Mehr zum Ort im nächsten Blogeintrag.