web analytics

Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Von Mendoza über den Passo San Francisco nach Chile

Kleine Bildernachlese Mendoza

Mendoza ist wie eine Oase in der Wüste. Die drittgrößte Stadt Argentiniens. Ab 19.00 Uhr geht es richtig los mit dem Shoppen. Die Läden sind brechend voll. Im Gegensatz zu unseren Innenstädten gibt es hier noch eine Vielzahl von individuellen Läden anstatt die Monotonie von System-Ladenketten. Ab 22.00 Uhr füllen sich die Restaurants, Cafes, Eisdielen usw. Um diese Uhrzeit  gibt es in Deutschland anscheinend eine „Fress“-Sperrstunde. Bei uns herrscht dann „Bestellverbot“. Beim Mitternachtsimbiss ist die ganze Familie dabei. Es wimmelt nur von Kindern. Auch in den Spielhallen gehen Groß und Klein mit großem Engagement ihrem Spieltrieb nach. Die BMW übrigens hat ihren Routinecheck ohne größere Beanstandung hinter sich.

Über den Passo San Francisco – 4725 m hoch

Nach 3 Tagen Mendoza ging es weiter Richtung Norden. Wieder einmal eine kleine Tagesetappe von über 700km. Leicht erholt und die BMW neu gefiltert, geölt und gewaschen ging es früh los. Das Streckenprofil auf der Karte zeigte keine besondere Schwierigkeiten. Nach nicht einmal 20 km musste ich zum ersten Mal durch eine Wasserfurt. In diesem Teil Argentiniens kommt es immer wieder zu sinnflutartigen Regengüssen, die selbst Hauptstrassen überfluten. Zurück bleibt im günstigsten Fall Sand, Geröll oder Kies. Man muss sich die Strasse wie eine riesige Achterbahn vorstellen. Es geht permanent in Wellenform auf und ab. Alle 300 bis 500m senkt sich die Strasse in ein kleines Tal und du fährst mit ca. 100km/h  über die Kuppe und bist dann gespannt was dich erwartet. Bei leichtem Geröll, Sand oder Schutt rast du die 20-50 m Stelle mit Karacho darüber – immer mit der Hoffnung, dass die Maschine sich doch nicht eingräbt oder schlingert. Bei den überschwemmten Partien wird es spannender – how deep is your love – oder besser dein Vertrauen in die Maschine. Mehrere Mal hat sich ein neues Flussbett mit einer undefinierbaren Fahrspur gebildet. Selbst Offroad-Fahrzeuge stehen dabei vor fast unüberbrückbaren Felshindernisse. Jetzt kannst du umdrehen, eine andere Strecke suchen – die Alternative gibt es aber nicht – oder du musst hier durch bis die Kupplung raucht. Ihr seht, langweilig wird es einem nie, trotz Geradeausfahrt. Gibt es keine Furten zu durchqueren, dann gibt es, was für ein Horror für Motorradfahrer, Längsfräsrillen. Unangenehm das besoffene Schlingern der Maschine. Aber nicht wie bei uns einige Hundert Meter, sondern gleich 70km am Stück.

220 km vor einem der größten Andenpässe übernachte ich noch. Die Maschine wird vollgetankt, genügend Wasser eingekauft und los geht es. Auf sehr gut ausgebauter Strasse geht es ca. 220 km auf der argentinischen Seite zum Pass hoch. Von 1000 m auf 4725 m ohne mehrtägige Höhenakklimatisierung. Obwohl das Fahren auf diesem Streckenabschnitt problemlos ist, merke ich die zunehmende Höhe. Kurz vor dem Gipfel die Grenzstation. Der Zöllner meinte, es wären hier schon länger keine Motorräder vorbeigekommen. Das ich solo fahre, konnte er gar nicht glauben. Er schüttelte mir mehrmals die Hand und wünschte mir viel Suerte, viel Glück oder Erfolg. Er warnte mich noch vor dem chilenischen Teil der Strecke mit fast 250 km Offroad. Insgesamt gibt es auf der über 500 km langen Etappe keine Tankstelle oder Läden. Er hatte nicht übertrieben. 120 km davon waren extrem schlechte Offroad. Loser Untergrund mit vielen Kurven. Harte Arbeit und kaum Zeit einen Blick auf die traumhafte Andenkulisse zu werfen. Hohe Berge, Salzlagunen, wilde Esel, vereinzelt auch Flamingos und immer wieder Laster, die riesige Staubwolken aufwerfen und dich zu einem 100 m langen Blindfahrt zwingen. Zum Schluss wurde die Offroad-Strecke besser und noch wichtiger, es ging bergab. Extrem-Offroad gepaart mit Superhöhe, das brachte auch mich oft ans Limit.

So fühlte ich mich nach dem Tag

So fühlte ich mich nach dem Tag

Total erschöpft kam ich in Copiapo an der chilenischen Pazifikküste an. Als Krönung des Tages hatte ich noch ein verrauchtes, versifftes Minizimmer ohne Frischluft und ein Gemeinschaftsbad für 30 Übernachtungsgäste mit einem Hygienestandard, den ich nicht näher beschreiben möchte. Am nächsten Tag früh auf nach Taltal, nur ca 300 km. Erst einmal ausruhen bis es am nächsten Tag zum Planetarium Paranal ging.