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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Erst Links, dann Rechts, dann wieder Links

Von der Gletscherwand in die Schweiz

Passend zum Titel habe ich bei einem Schweizer übernachtet. Er ist zwar in Argentinien geboren, konnte aber seinen schnellen, schweizerischen Zungenschlag, den er von seinen Eltern und Großeltern vererbt bekam, nicht ablegen.

Schweizer Hotelier

Schweizer Hotelier

Das klingt ganz witzig, wenn Du Spanisch mit einem Schweizer Einschlag hörst… oooder? Jedenfalls war das Hotel sauber und sehr leise. Toller Ausblick auf den aufgewühlten See. Es windete mal wieder sehr heftig.

Von hier ging es weiter nach Norden. Immer noch Wüstenlandschaft, aber unterbrochen von türkisfarbenen Seen. Bei El Bolson kam ich recht müde an. Das Hostel, das ich gebucht hatte, war ziemlich weit oben auf dem Berg. Auf dem Weg dorthin habe ich mich im losen Schotter die Kupplung heissgefahren. Als ich endlich ankam, stank die BMW als würde sie gleich abfackeln. Ich parkte sie und oh Schreck, genau unter der BMW riesige Öllachen. Oh Shit! Der Hostelwirt beruhigte mich aber. Ich hatte das Motorrad exakt an der Stelle geparkt an der am Vortag ein PKW viel Öl verloren hatte.

Das Hostel entpuppte sich als Perle: neu, Hostelbetreiber, die perfekt Englisch sprachen, keine Stockbetten, Getränke vorhanden und tolle Gäste aus allen Ecken der Welt. Abends kochten sie Huhn mit Kartoffel und Kürbissalat. Das Ganze für umgerechnet € 3,30.

Das war bisher mein bestes Hostel.

Übernachtungen

Aus Gründen des Budgets und auch wegen der Abwechslung buche ich soweit möglich über booking.com abwechselnd Hostels oder „Schnäppchen-Hotels“. Die Preise für Hostels liegen in diesem Teil von Südamerika bei ca. € 15-20 die Nacht, meistens ohne Frühstück. Hotels der Kategorie 3 Sterne (nicht unbedingt mit unseren Standards zu vergleichen) liegen zwischen € 30-55 pro Nacht, dann aber immer mit einem sehr kargen Frühstück. Kaffee, Toast, Butter, Marmelade, gepresstem Flickschinken, fade Käsescheiben, evtl. Hörnchen und manchmal auch Orangensaft. Wenn ich kein Frühstück bekomme, gehe ich in der Regel in eine Panderia (Bäckerei) und hole mir dort ein frisches Sandwich, manchmal gibt es dort auch ganz hervorragenden Kaffee. Generell esse ich sehr wenig. Ich denke ich habe mittlerweile gute 5kg abgenommen.

Von El Bolson, Argentinien nach Pucon, Chile

Die Landschaft wird wirklich abwechslungsreicher. Wälder und tolle, türkisfarbene Gebirgsseen. Kurvenreiche Strassen, kein Wind und auch sehr angenehm warm. Auf einer kleinen Landstrasse geht es über einen wunderschönen Gebirgspass nach Chile. Natürlich offroad auf einer Vulkanaschenbahn. Links der noch aktive Vulkan mit seinem Sahnehäuptchen. Sieht tatsächlich wie eine Krone aus: die dampfenden Wolken um den Krater.

In Pucon übernachte ich in einem französischen Surferhostel. Sehr nett eingerichtet, alle sprechen französisch – auch ich. Besonderheit – die kleinste Schlafkabine, in der ich je übernachtet hatte. 2m lang, 80 cm breit. Genau der Platz für eine Matraze. Dein Zeug verstaust du draußen in einem abschließbaren Holzwürfel. Platzangst darfste dabei nicht haben, denn die Kabine ist auch noch abgeschrägt. Der Kniestock ist gerade 40-50cm hoch. Nur an der Verschlagstüre kannste noch halbwegs stehen. Echt japanische Tokio-Verhältnisse. Aber einmal etwas anderes.

Chile ist fast wie Deutschland

Die Fahrt geht weiter Richtung Panamerica Highway. Die Infrastruktur in Chile (zumindest dieser Abschnitt) ist sehr gut ausgebaut. Die Strassen besser wie bei uns, intensive Landwirtschaft und vor Santiago reiht sich ein Weinbaugebiet an das andere. Ich übernachte diesmal wieder in einem privaten Hotel.

Privatunterkunft

Privatunterkunft

Der Eigentümer ist selbst ein Motorradfahrer. Am nächsten Morgen baut er ein Frühstück auf, das keine Wünsche übrig lässt.

SONY DSC

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Unterwegs nach Santiago treffe ich – welch Zufall nach über 1 Woche und ca. 2000km wieder den kanadischen Biker, der auf dem Weg zu einer Werkstatt ist, um sein gebrochenes Federbein an der BMW GS austauschen zu lassen.

GS Biker aus Vancouver Wir haben uns schon auf ein Bier verabredet

GS Biker aus Vancouver
Wir haben uns schon auf ein Bier verabredet

Mein Motorrad stinkt noch immer nach Kupplung vor allem nach Stopp/Go-Phasen. In Mendoza gibt es einen BMW-Händler, der soll mal das Öl nach über 11.000 km wechseln und sich einmal die Kupplung ansehen.

 

Von Santiago, Chile nach Mendoza, Argentinien

Meine imaginären Verfolger schüttele ich jetzt bestimmt ab. Mein Zickzack-Kurs führt mich wieder über die Anden und Grenze nach Argentinien. Erst geht es einmal über einen 3200m hohen Pass. Unzählige, schwere LKWS quälen sich die Serpentinenstrecke hoch. Ich fahre zwar sehr gern schnell Pässe hoch, aber die Kurven sind vom Reifenabrieb der Brummis so schmierig, dass ich diesmal auf einer meiner berüchtigten Pirouettenversuche verzichte und ebenfalls sehr gemässigt nach oben fahre. Ein wenig enttäuscht bin ich schon, der höchste Berg Südamerikas der Aconcaqua (fast 7000m ) wird leider von anderen Bergen „sichtgeschützt“, nur ein kleiner schneebedeckter Gipfel ist sichtbar.

Dagegen erwartet mich eine besondere Belohnung. Eine Riesenschlange vor der Zollabfertigung. Man sagt mir 6-7 Stunden Wartezeit – auch für Motorräder. Zum Glück spreche und verstehe ich perfekt Spanisch und fahre nach meinem Spachverständnis einfach an der Schlange vorbei und ordne mich mit „Engelsgeduld“ kurz vor der Abfertigungshalle wieder ein. 1 Stunde Wartezeit ist doch auch ein guter Kompromiss. Ich will ja schließlich nach Alaska und kann meine Zeit nicht mit dem ollen Zoll bzw. Grenze vergeuden.

Die Fahrt nach Mendoza führt durch einen 100km langen Canyon. Der schlammige Fluss hat ein tiefes Tal ausgeschwemmt. Unterwegs sehe ich eine neue Sportart: Schlamm-Rafting. Wenn du dort kenterst, ertrinkst du nicht, sondern erstickst du in der Schlammbrühe. Dann fahre/segele ich doch lieber mit dem Motorrad.

Runter und raus aus den Bergen liegt auf einmal eine grüne Oase vor dir. Mendoza – das größte Weinanbaugebiet Argentiniens. Mendoza City selbst hat über 1 Million Einwohner. Die ganze Stadt hat quadratisch angeordnete Strassenzüge. Jede Strasse hat eine Baumallee. Ich denke es sind Plantanenbäume. Sehr schöne Stadt und umgeben mit Weinbergen, Olivenbäume und sonstige Obstplantagen. Nach einigen Irrwegen finde ich am nächsten Morgen den BMW-Händler. Eine ganze Gruppe von paraguaischen BMW- Fahrer sind ebenfalls dort eingetroffen. Sie sind recht erstaunt über meinen „schwäbischen“ Service-Intervall 12.000km anstatt 6000km. Die Südamerikaner warten halt gerne an der Grenze und halten sich erstaunlicherweise an BMW-Vorgaben. Bestaunt werden meine Heidruns (Heidenau-Reifen). Nach fast 12.000 km sind sie fastnoch wie neu. Sie müssen noch mindestens weitere, schwäbische 10.000 km bis Kolumbien halten.

Meine BMW bekommt frisches Öl, ich buche eine Weintour inkl. Olivenölproduktion um die Zeit zu überbrücken. Ich hoffe die Inspektion ergibt keine versteckten Schäden.

Morgen geht es weiter nach Norden. Dann beginnt der Hardcore-Teil meiner Südamerikaetappe. Zunächst über den berüchtigten Passo San Francisco (ca. 4720m hoch), anschließend auf der chilenischen Seite fast 300 km offroad, beinahe 600km keine Tankstelle, dann Planetarium-Besichtung, Salpeter- und Kupferminen, Wüsten etc, etc.

Ich werde mich jetzt unregelmässiger im Blog melden. Je nach Verfügbarkeit von Internet und persönlicher Fitness.