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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Erst Israel – nun Asien?

Feuerland Adios

Nachdem ich Ushuaia mehr als ausführlich touristisch erkundet hatte, dafür benötigte ich inkl. Besuch von Ramons Generales ganze 5 Stunden, ging es am nächsten Morgen wieder Richtung Nordwesten nach Punta Arenas im chilenischen Teil von Feuerland.

Hier noch einige Bilder von Feuerland:

Mit wachsender Routine wieder die Grenzübergänge, Fähre und auch zahlreiche Motorradfahrer getroffen. Erstaunlicherweise sind sehr viele Brasilianer nach Feuerland unterwegs. Nach ca. 600km mit wiederum viel Wind und ca. 12 Stunden Fahrt treffe ich in Punta Arenas, der größten Stadt Feuerlands, ein. Punta Arenas war der Ausgangsort für alle größeren Expeditionen in die Antarktis. Laut Reiseführer eine attraktive, schöne Stadt. Na ja – mein Urteil: ein trostloser Flecken, der weder ein tollen Hafen noch einen sehenswerten Stadtkern aufzuweisen hat. Das Highlight sind die riesigen Pinguinkolonien, die man auf mehreren Inseln verteilt, per Bootstour besichtigen kann. Die halbtägige Tour habe ich mir geschenkt. Mein Highlight war das total überfüllte Hostel. Fast 70% der Gäste waren Israelis, die aber irgendwie alle individuell angereist waren. Wahrscheinlich stockt im Gazastreifen gerade die Ansiedlungspolitik und die Jugend will sich bei den Pinguinen niederlassen. Im Ernst – warum die alle nach ihrer Militärzeit sich an das Ende der Welt begeben, keine Ahnung – vielleicht hat auch der Lockruf vom Papst auf dem Plakat etwas damit zu tun. Jedenfalls ging es sehr laut zu – bis früh in den Morgen.

Nach 1 Tag Rast ging es dann Richtung Norden wiederum nach Argentinien – El Calafate – zu dem berühmten Gletscher Perito Moreno.

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Mit 2 Motorrädern unterwegs

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Australisches Bikerpaar

Müder Schwabe vor El Calafate

Müder Schwabe kurz vor Calafate

 

Egal, welchen Biker man traf, jeder schwärmte von dem tollen patagonischen Wind.

Meine ca. 700 km von Punta Arenas nach El Calafate waren von extremer Kälte und Regen geprägt. Ich bin kein verfrorener Typ, aber bei 5° C und starkem Seitenwind inkl. Schlagregen, musste selbst ich die Zwiebeltechnik anwenden: mit 5 Schichten Klamotten war es dann irgendwie „kuschelig“ angenehm. 80 km offroad waren ein echter Bonus. Endlich durfte ich wieder mit meiner BMW „arbeiten“. Konzentration und Balance waren gefordert.

Bei El Calafate wurde es endlich wieder warm. Diesmal hatte ich ein Hotel gebucht. Heiße Dusche, raus aus den Klamotten und rein ging es in den Touristenort. Unglaublich, wieviele Touris sich hier aufhielten. Dazu kam noch ein 2-wöchiges Musikfestival mit dem Resultat, dass alle Leute (zur Zeit über 50.000 Besucher!) glücklos versuchten, bei den 4 Banken Bargeld aus den Bankautomaten zu ziehen. Laut mehreren Aussagen spuckten die Automaten seit 5 Tagen kein Bargeld mehr aus. Kleine Info – 2000 argent. Pesos (Gegenwert von ca. € 130,-) – sind der Maximalbetrag, der normalerweise ausgezahlt wird. Da brauchst du schon eine Kreditkarte, die keine Spesen berechnet.

Am nächsten Tag ging es zum 80 km entfernten Gletscher. Von Israel nach Asien. Dominierten in Punta Arenas die Israelis, war hier irgendwie die Asiengrippe ausgebrochen. Hier wimmelte es nur so von asiatischen  Selfie-Fotografen. Der Gletscher war schon imposant. Aber mitten in einer Heerschaar von Asiaten kommt einem irgendwie das Abenteuer- und Exklusivitätsgefühl abhanden. Und ständig bei jedem Eisgeknarre das gemeinschaftliche Aufstöhnen und Zücken der Kameras. Dem sensationslüsternen Asiaten könnte ja das „Kalben“ eines Minieisberges entgehen. Bricht dann doch ein Eiszacken ab – hört man links und rechts das laute orgiastische Aufstöhnen der Selfiebesitzer.

Einige Bilder vom Perito Moreno. Die Gletscherwand ist ca. 4 km breit, 60 m hoch und ca. 13 km lang und wächst noch.

Heute und morgen geht es weiter nach Norden. Ca. 1500 km liegen vor mir – auf der Flucht vor dem patagonischen Wind.

Mucho viento, mucho frio?