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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Am Ende der Welt – Ushuaia

Terra del Fuego – Fin del Mundo

Nochmals fast 600 km bis zum Ende der Welt. Vor dem Happy End kommt aber noch eine reine Zoll- und Grenzorgie. Schon nach ca. 110 km komme ich an die argentinisch-chilenische Grenze. Voller Spannung nähere ich mich der Grenzstation. Ein Grenzbeamter winkt mich gleich vorbei an der großen Autoschlange. Ich darf gleich neben dem Zollgebäude parken. Glück gehabt. Denkste. Erst mal rein – die Bude ist völlig überfüllt. Ein Bikerkollege aus Uruguay zeigt mir in welche Schlange ich mich einordnen muss. Dann erstes Formular ausfüllen und los geht es – mit dem Warten. Schalter 1: Passkontrolle – Stempel hier, Stempel da. Dann zügig weiter an Schalter 2 inkl. Zettel mit Stempel. Dann neuer Stempel und wieder alles hergezeigt. Donde? Woher, wohin, bist du Eigentümer der BMW etc., Fahrzeugschein usw. Das ging ja recht flott – nur 30 Minuten. Dann an Schalter 3. Ah da drüben nur 10m entfernt. Aber was ist das für eine langsame Polka. Die Schlange kommt gar nicht von innnerhalb des Raumes. Sie kommt von außen. Also Ende der Polkaschlange gesucht – ein Guiness Book Versuch? – die längste Polka der Welt! Nach ca. 150m das Ende.  Dann in den nächsten 1 1/2 Stunden im Schneckentempo zum Schalter 3. Die armen Südamerikaner – im eisigen Wind kommen sie fast schockgefroren in der Zollhalle an. Ich im Vollkombi und einem Windbreaker habe da es doch viel angenehmer. Schalter 3 nimmt mir wieder den argentinischen Biker-Pass ab. Schalter 4 gibt mir wieder einen neuen – diesmal einen chilenischen BMW Aufenthaltsschein. Und jedesmal bekomme ich auf einen Zettel mehrere Stempel. Da können meine Afrikaner noch etwas lernen! Nun geht es mit dem Zettel und den vielen Stempeln nach außen. Zollbeschau. Ob ich einen Asado oder sonst etwas Essbares im Motorrad hätte. Lächelnd sage ich meine BMW fährt mit aceite puro de oliva. Reinem Olivenöl. Er schaut mich ungläubig an und will dann doch den Inhalt eines Koffers sehen. Zum Glück erwischt er die richtige Seite. Im anderen hätte er wohl Queso natural – meine Käsesocken vorgefunden. Jedenfalls geht es endlich nach über 2 Stunden weiter.

Nach 70 km erreiche ich die Fähre nach Feuerland.

Riesen Warteschlange vor Fähre nach Feuerland

Riesen Warteschlange vor Fähre nach Feuerland

Wieder eine Fahrzeugschlange. Das erste was ich höre – 3 Stunden Wartezeit. Ja für Autos und LKWs. Mopeds dürfen sich immer vorne anstellen.

Keine 5 Minuten und schon kommt die Fähre. Mein urugayischer Bikerkollege erkundigt sich nach dem Ticketverkauf. An Bord gibt es Tickets. Unsere Bikes kommen als letzte Fahrzeuge dran. Er hat aber ein großes Problem: seine Maschine bleibt auf dem Ständer nicht stehen. Er muss sein Fahrzeug halten und kann nicht selbst sein Ticket holen.

Ruckzuck auf Fähre

Ruckzuck auf Fähre

Was kostet die Fähre? Er gibt mir 60 US$. Er meint das wäre billiger als in Argent. Pesos zu zahlen. Ich zahle für beide Bikes US $10. Das hatten wir doch schon mal – uruguayischer Zoll – wahrscheinlich habe ich auch da den 6-fachen Zoll gezahlt.

Willkommen auf Feuerland

Willkommen auf Feuerland

 

Der Wichser hängt mich ab

Nach kurzer Asphaltstrecke geht es wieder auf die Piste. Über 100 km trockene Geröllstrecke. Hart aber griffig. Ca. 20 km vor dem nächsten Grenzübergang eine Baustelle auf der Piste. Der Stopp wird gerade aufgehoben. Ich möchte aber nicht den Staub von über 100 Fahrzeugen schlucken und gebe Stoff. Ein Fahrzeug nach dem anderen überhole ich. Längst zeigt mein Tacho weit über 100km/h. Heute habe ich so gut wie nichts gegessen – da tut ein ordentlicher Schuss Adrenalin mal richtig gut. Die BMW fliegt phantastisch über das Geröll. Es kracht am Unterboden und ich ziehe eine enorme Staub- und Steinwolke hinter mir her (ich habe ja kein hinteres Schutzblech mehr!). Vor mir fährt ein Wichser. Er steigert ebenfalls das Tempo. Bei ca. 140 km/h liege, eher springe ich neben ihm. Nach 3 km gebe ich auf. Da der Untergrund holpriger wurde, hatte ich Angst um meine Stossdämpfer. Und der Wichser? – ja der Mitsubishi Pajero – übersetzt heißt Pajero im Spanischen einfachWichser. Mitsubishi erfuhr erst nach der Markteinführung die wahre Bedeutung des Namens seines neuen SUV. An der Grenze traf ich wieder den Fahrer des „Pajeros“. Er hob den Daumen nach oben und sagte Paris-Dakar. Ich antwortete: No Senor – Ruta Express Kenia Norte!

Immer wieder trifft man unterwegs Bikerkollegen. Diesmal 4 GS Fahrer aus Paraguay und Uruguay. Alle mit neuesten BMW Motorräder und Top-Ausrüstung versehen.

BMW GS Treffen auf Feuerland

BMW GS Treffen auf Feuerland

Ushuaia

Ushuaia gehört zur argentinischen Seite von Feuerland. Politisch gesehen auf einer Halbinsel. Das heisst nach 150 km muss man wieder Chile verlassen und wieder nach Argentinien einreisen. Same procedure as usual. Okay diesmal war es weniger als 1 Stunde.  600 km hört sich anfangs nicht als eine lange Tagesetappe an. Aber mit 2 Grenzübergängen und einer Fähre bist du dann doch gut 12 Stunden unterwegs. Die letzten 100 km entschädigten mich für all die montonen Windkanalstrecken Patagoniens. Plötzlich wird es hügelig – richtig alpin. Grün, Wälder, schneebedeckte Gipfel und blaue Fjorde und kurvige Streckenführung. Von der Landschaft, Vegetation und Gebäuden erinnert mich das Ganze an Skandinavien bzw. zum Teil an Island.

Ushuaia liegt am Beagle-Kanal, einem Meerarm. Eher schmucklos. Hafen, Sendemasten, keine schöne Stadt. Das Panorama mit seinen Schneegipfeln und der blaue Meerkontrast ist die eigentliche Schönheit der Gegend. Die Innenstadt (Ushuaia hat ca. 60.000 Einwohner) hat unzählige Outdoor-Geschäfte und ein paar urige Kneipen.

Hier wieder einige Impressionen:

Ein Muss ist der Besuch von Ramos Generales und nicht nur wegen der originellen Toilette.

Einige Bilder zeigen, dass hier nicht gerade Hochsommer herrscht. Hoffentlich regnet es morgen bei der Weiterfahrt nicht. Ich möchte noch gerne einige Panoramabilder und Fotos von der Vegetation schiessen.

Drückt mir die Daumen, dass morgen der erneute Grenzübergang nach Chile nicht wieder zur einer Polkaschlangenorgie ausartet. Sind doch nur 550 km nach Punta Arenas.

Donde? Ab jetzt geht es Richtung Alaska.