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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Fiesta Nacional del Asado – Cholila, Pategonia

Kaum angekommen, ging es gleich am Freitag abend um 22.00 Uhr zum Grillfest. Die perfekte Zeit. Der Südamerikaner geht erst um diese Zeit zum Abendessen (Cena). Den ganzen Tag bin ich gegen den Wind gesegelt, hatte fast nichts gegessen und freute mich auf mein erstes Asado. Ich bekam eine Riesenschüssel mit verschieden Fleischstücken. Genial dazu: Plastikbesteck! Versuch einmal mit solchen Zahnstochern Fleisch von den Knochen zu trennen – unmöglich. Die Profis (links und rechts an meinem Tisch, alle außer mir) hatten ihr Kampfwerkzeug (langes Messer mit Scheide) dabei. Asado = 90% Fettschwarte? Irgendwie waren die Fleischstücke eher zähe, aber sehr knusprige, Fettklumpen. Selbst mit 2 Dosen Bier konnte ich mich mit diesem Asado nicht anfreunden. Dann doch lieber der Live Musik zuhören und den ausgelassen tanzenden Einheimischen zuschauen.

Nachts regnete es in Strömen. Pünktlich um 9.00 Uhr morgens kam aber die Sonne heraus. Mein Hostel-Chef Dario gab mir den Tipp, das gleichzeitig stattfindende Rodeo zu besuchen. Auch hier viel pathetische Reden und immer viel argentinische Country Musik. Dann Dutzende „Absteiger“. Null Touristen, massig Gauchos in allen Klamottenkombinationen und auch jeglichen Alters. Dann ging es wieder zum Asado. Kotelett und Würste sind die bessere Wahl . Nicht so grasso (fett). Hugo und sein Freund, zwei ältere Herren, mit denen ich mein „Zimmer“ teilte, meinten, dass wir heute Abend alle zur Miss Asado-Wahl gingen. Dort würde die neue „Miss Hüftsteak 2016“ gewählt.

Unglaubliche Mengen an Leuten haben sich auf dem Festgelände eingefunden, die meisten campten irgendwo wild, hatten Kinder dabei und schleppten ihre Klappstühle herum. Neben dem gigantischen Live Grill gab es noch Hunderte von Ständen, auf denen alles Mögliche und Kitschige verkauft wurde. Auf der großen Bühne fanden permanent Live Auftritte statt – von Komikerauftritten über Country-, Hard Rock- und Tangomusik – hauptsächlich laut – aber das Publikum ging immer mit.

Dann das Highlight gegen Mitternacht: die Miss ASADO-Wahl. Was für ein Spaß. Ich mit meiner Monsterkamera ganz vorn und Hugo schrie ständig auf die Kandidatinnen ein – TV Allemania – schau mal her. Und ob ihr es glaubt oder nicht – jede Kandidatin blieb stehen und posierte extra vor meiner Kamera.  Wir hatten eine Riesengaudi.

Hier einige Bilder:

Meine 2 Jungs sahen, dass ich vom offiziellen Asado-Essen ein wenig enttäuscht war und organisierten mit ein paar anderen Hostelbewohner richtig gutes Fleisch und Würste. Dazu gab es Tomatensalat, Zwiebeln und Weißbrot. Nach ca. 2 Stunden hatten wir unser Asado privado:

Rey del Bano Seco (König des Trockenklos)

Unser Hostel war ganz auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Nichts aber gar nichts wurde verschwendet. Auch der letzte Sch…. wurde nachhaltig recycled. Dazu wurde extra ein Bano Seco (ein Trockenklo) errichtet. Aus Lehm, Gras und Flaschen (sie dienen als Fensterersatz) hat Dario ein nachhaltiges Toiletten-Refugium errichtet. Man(n) oder Frau ersteigt innen den Thron und residiert (verrichtet sozusagen seine Geschäfte). Lecker oder? Hast du deine Amtsgeschäfte verrichtet, gibst du anschließend deinen Segen in Form von Sägemehl. Das Naturdeo – Nachhaltigkeit in Perfektion.

Leute – ganz im Ernst. Heute war ich unterwegs von Cholila zur Atlantikküste. Zweimal musste ich tanken und zweimal fand ich katastrophale, überflutete Toiletten vor. Dann kneifst du entweder, trinkst und isst den ganzen Tag nichts und sehnst dir ein ordentliches Hotelzimmer mit bano privado herbei. – Das gehört auch zu Abenteuerreisen.

Unterwegs traf ich noch 2 Biker aus Brasilien. Sie kamen von Feuerland und fuhren Richtung Norden. Wir tauschten uns über die verschiedenen Streckenabschnitte aus und sie gaben mir die Adresse eines guten BMW-Händlers in Punta Arena, auf der chilenischen Seite von Feuerland.

 Zwei Biker aus Brasilien

Zwei Biker aus Brasilien

Dort könnte ich wahrscheinlich ein neues Schutzblech bekommen. Insgesamt legte ich heute mäßige 675 km bei wiederum heftigem Seitenwind zurück. Morgen und übermorgen geht es weiter nach Ushuaia, Feuerland. Macht nochmals ca. 1350km.

Ölpumpstation in Patagonien

Ölpumpstation in Patagonien

Sobald ich am Ende der Welt bin, werde ich mich wieder melden.