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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Vom Winde verweht – it’s a long way down!

Von Buenos Aires quer durch die Pampa an die Atlantikküste

In zwei Etappen ging es Richtung Atlantikküste. Ich brauchte 3 Stunden um den Großraum Buenos Aires hinter mich zu lassen und das bei relativ flüssigem Verkehr. Anschließend ging es durch flaches Agrarland mit Viehzucht . Zwischen Mar del Plata und Bahia Blanca verbringen viele Argentinier ihren Sommerurlaub. Fast Zustände wie bei Rimini.

Punta Alta zur Halbinsel Valdes

Vom Marinestützpunkt Punta Alta ging es dann Richtung Süden zur Halbinsel Valdes. Die Fahrt war aufregend: die Temperatur stieg immer mehr, bis zu 39°C, die Landschaft einfach abwechslungsreich – absolut flach, kein einziges Tier, kein Baum nur trockenes Gestrüpp, wenig Verkehr und immer geradeaus inkl. den 5-6 Kurven als Highlights und das auf über 760 km.

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Gedenkstätte Verkehrsopfer an Kreuzung

Immer wieder sieht man am Strassenrand Minikapellen mit vielen roten Fahnen. Sie erinnern an die vielen Verkehrsopfer. Schnell pennst du auf den monotonen Strassen ein. Ich selbst hatte meine Mühe mit dem extremen Seitenwind. Im Ernst, ich hatte nächsten Tag Muskelkater im Nacken. Du musst ständig den Kopf gegen den Wind drücken und bei dieser Etappe ganze 9 Stunden lang!

Komplett erschöpft kam ich Piramides auf der Halbinsel Valdes an. Das Hostel Aloha und die anwesende Leute waren sehr nett und aus aller Welt. Valdes ist ein Naturschutzgebiet und vor allem bekannt für seine Seelöwen, -elefanten, Pinguine und Schwertwale (Orkas). Die Hauptattraktion sind aber die großen Buckelwale. Leider sind die dort nur bis November zu sichten. Es gibt auf Valdes mehrere „Spotting Points“. Der größte Aussichtspunkt -Punta Norte- hat auch die größte Tierkolonie.

Hier einige Schnapshots:

Als ich aufbrach, begann es schon leicht zu tröpfeln. Der ganze Weg zurück zum Hostel (ca. 90 km) ist offroad mit sehr sandigen und dreckigem Untergrund mit zum Teil sehr heftigen Quer- und Längsrillen. Okay das ist man beim Offroad- Fahren ja gewohnt. Ungewohnt und speziell für Valdes:  der heftige Seitenwind, der dich ständig aus einer der härteren Fahrspuren sprichwörtlich heraushebt. Trotz hervorragander Wettervorhersage zog plötzlich ein heftiger Sturm auf. Innerhalb von wenigen Minuten verwandelte sich die Piste in eine klitschige, seifenartige Rutschbahn. Nix mit 100-120 km/h über die Piste. Geschwindigkeit anpassen. Max. 60 km/h. Dachte ich. Ich legte einen filmreifen Stunt hin – null Grip. Ich drehte mich um die Achse – im Eislauf hätte ich dafür eine tolle künstlerische Note bekommen – schlingerte noch heftig und flog mit der BMW in tiefen Matsch.

Matschpartie auf Valdes

Matschpartie auf Valdes

Das war mein Glück. Ich brauchte 5 Minuten um mich aus der Maschine wieder zu befreien. Die BMW wieder aufzustellen war unmöglich. Es gab kein festen Halt um irgendein Hebel anzusetzen. Erst mit Hilfe von 2 Autofahrern konnte ich die BMW wieder aufrichten. Ich setzte meine Fahrt im Schritttempo fort. Für die nächsten 3 km brauchte ich über 1 Stunde.

Alles Gepäck runter - Gewicht machen

Alles Gepäck runter – Gewicht machen

Irgendwann wurde der Untergrund fester und nach 4 Stunden und 2 weiteren, kleineren Stürzen, erreichte ich total erschöpft und völlig eingedreckt in der Dunkelheit das Hostel und gönnte mir mein „Aventura“-Bier. Den nächsten Tag verbrachte ich damit die Klamotten zu reinigen.

Von Valdes nach Esquel-Cholila

Neue Rekordetappe mit 870 km. Wie gewohnt extrem langweilig, immer geradeaus und als Bonus neben dem Wind extrem kalt mit 10-12°C. Nach 10 Stunden erreichte ich die Ostseite der Anden. Endlich grün und Berge. Aber es regnete und war noch immer kalt. Auf der letzten Strecke – offroad again – kracht es auf einmal infernalisch unten an der BMW. Mein erster Eindruck: jetzt hat sich der Kardanantrieb aufgelöst und die Kugellager spielen Billard im Gehäuse. Ich hielt an, aber ich konnte auf den ersten Blick nichts erkennen. Die Maschine lief auch normal. Auch der Seitenständer und Hauptständer waren noch dran. Aber wo ist das hintere Schutzblech (-plastik)? Beide Halterungsschrauben sind aus dem Plasikteil herausgebrochen und das ganze Schutzteil hat sich zwischen Rahmen und Rad verkeilt und den enormen Krach verursacht. Was soll es – dann fahre ich ohne Schutzblech. Nächstes Jahr kann ich ein Ersatzteil mitbringen.

Nun freue ich mich auf das größte Grillfest von Argentinien.

Bis bald.