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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

Archives › Januar 2016

Buenos Aires – eine City, die nie ruht

Mit über 13 Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt Südamerikas. 40.000 schwarz-gelbe Taxis, 18.000 Autobusse sowie ein Meer von Autos und Kamikaze-fahrenden Motorrädern auf zum Teil 10-spurigen Fahrbahnen lassen Buenos Aires nie zu Ruhe kommen. Spät abends schwadronieren ganze Heerscharen von Leuten durch die Strassen, ab 21.00 Uhr gehen die Leute hier erst richtig aus. Ab in eine Bar, Restaurant oder man hört einem der Strassenmusikanten zu. An jeder Ecke ist etwas los. Das ganze Flair erinnert einen hier an Südeuropa.

Von den Läden und vom Angebot kann Buenos Aires mit jeder Weltstadt mithalten. In den letzten 3 Tagen bin ich sehr viel zu Fuß unterwegs gewesen und habe gefühlt jeden Tag einen Marathon hinter mich gebracht. Bis zu 6-7 Stunden war ich jeden Tag in einigen der angesagtesten Viertel unterwegs und habe über 500 Fotos und viele Videosequenzen geschossen.

Am besten nehme ich Euch auf meine Erforschungstouren mit ein paar Bildergalerien mit .

Da wäre das Viertel Recoleta – ein eher reicheres Viertel -bekannt auch für seinen  Friedhof mit fast monumentalen Mausoleen. Hier ist auch das Familengrab von Evita Peron. In dem Viertel fand ich auch einen sehr beeindruckenden Bücherladen, der sich in einem historischen Theater befand. Reichtum kann man hier außer am Zustand der Gebäude und Autos auch an den vielen, professionellen „Hunde-Gassieführer“ erkennen. Nicht selten sind sie mit über 20 Hunden an der Leine unterwegs.


 

Hier folgen einige Bilder von Restaurants und Cafes:


 

Tangotänzer, Polizisten, Strassenartisten oder ein Foto von mir in der Kaufhausspiegelwand. Außer einigen wenigen Pennern (für eine Großstadt erstaunlich wenige) , fast keine Bettler, es fallen einem nur die Geldwechsler auf, die ständig Cambio, Cambio rufen. Mit der Freigabe des argentinischen Pesos (der Wechselkurs wurde zum 1.1.16 von der Regierung freigegeben und gab auch prompt um 30% nach) müsste der Wechsel-Schwarzmarkt austrocknen. Positiver Effekt: Argentinien ist für Touristen billiger geworden.


 

Impressionen aus den verschiedesten Vierteln von Buenos Aires. Läden, Kaufhäuser, Demos etc.


 

Boca – Heimat der Boca Juniors, dem bekanntesten Fußballclub Argentiniens. Papst Franziskus ist auch ein Fan davon. Natürlich habe ich mir das Stadion, die Museum und Fankneippen angeschaut. Nicht weit davon entfernt habe ich Bilder von dem ehemaligen Einwanderungsviertel Boca geschossen.


 

Fotosafari – manchmal doch ein gefährliches Abenteuer

Auf der Suche nach ungewöhnlichen Szenen und Bildern streife ich oft allein durch abgelegene Straßenzüge. Ein Problem dabei ist meine relativ große Kamera, die sofort ins Auge sticht.

Thema Stechen – ich war gerade dabei, in einer abgelegenen Straße ein skurriles Auto aufzunehmen, als plötzlich ein junger Argentinier auf mich zukam und mir meine Kamera entreißen wollte. Obwohl ich auf diese ungeplante Actionszene nicht gefasst war, konnte ich die Kamera festhalten. Er zückte darauf sofort sein Messer und forderte die Kamera. Leider hatte ich nur die linke Hand frei und konnte ihm nur einen relativ schwachen Hieb verpassen. Er fuchtelte und stieß mit dem Messer noch mehrmals nach mir bis ich die Kamera in meinem Rucksack verstauen konnte. Als er sah, dass ich nun beide Hände frei hatte, ging er einige Schritte zurück.  Da ich mir nicht sicher war, ob noch mehr von seiner Sorte in der Nähe waren, lief ich einige hundert Meter weiter bis ich wieder in einer belebten Straße war.

Nächstes Mal lasse ich mein Pfefferspray nicht mehr im Hotel zurück.

Que aventura!

Jetzt geht es Richtung Süden – nach Patagonien.

 

 

Endlich bin ich wieder im richtigen Film

Mein Alptraum – Uruguay ist vorbei. Nun kann es richtig losgehen.  Am Dienstag ging es aus Montevideo raus Richtung Osten Punta del Este. Mautstelle. Schon wieder diese uruguayischen Piraten. Ihr könnt mich mal und fahre haarscharf an der Absperrschranke an dem verdutzten Polizisten vorbei. Das gleiche nochmals nach ca. 30 km. Von mir bekommt ihr keine Dineros mehr, sondern nur das Hinterteil meiner GS zu sehen. Kann ich doch nichts dafür, dass sich genau über mein Nummernschild ein Teil meiner Tasche gelegt hatte. Zur Sicherheit mache ich noch einen kleinen Schwenk ins Landesinnere um im Offroad-Modus meine neuen Geländereifen Marke Heidenau – ich habe sie „Heidrun“ getauft, zu testen.

Meine Heidruns – sie sollen extrem lang halten und im Gelände besonders guten Grip bieten. Mein erster Eindruck: im Gelände fühlt sich Heidrun sehr wohl, aber auf der Strasse jault sie bei ca. 90km/h fürchterlich. Am Anfang dachte ich die GS hätte einen Motorschaden, so schräg klang es. Es gibt nur zwei Möglichkeiten – entweder du fährst auf der Strasse schneller oder gehst offroad.

Nach ca. 450 km kam ich an mein Tagesziel Punta del Diablo (Teufelspunkt), ca. 35km von der brasilianischen Grenze, an.

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Hostal Lady

Der Ort ist bei Surfern, Yogies und Alt-Hippies sehr beliebt und wird auch sehr stark von der brasilianischen Jugend frequentiert. Mein Hostal war fast komplett belegt. In meinem gemischten Schlafraum waren neben Schotten, Waliser auch noch 2 Yogies, die mit ihren Verrenkungen permanent die Türe blockierten.

Die Hostal Lady – selbst eine Mopedfahrerin – konnte gar nicht glauben, dass ich mit meiner Riesen-Scania, die BMW GS ist zu den uruguayischen 125er mehr ein GigaLiner, direkt aus Alemania gekommen bin. Wahrscheinlich hat sich schon in ganz Uruguay herumgesprochen, dass ich dem uruguayischen Zoll entkommen bin. Jedenfalls bekam ich allein eine Cabana (eine Minihütte mit einem leeren Stockbett). Aber irgendwie bin ich für  einen solch vibrierenden Ort doch ein wenig zu alt.

Punta del Diablo Beach

Punta del Diablo Beach

Bis 4.00 Uhr morgens grölten die von Cannabis gestonte Jugend. An Schlaf war kaum zu denken. Am Abend hatte ich mir noch eine Portion Knoblauch mit ein wenig Pulpo (Tintenfisch) gegönnt. Alex, unser Lager-Knoblauchfetischist hätte daran seine reine Freude gehabt. Mir hat die Überdosis Knoblauch nur einen rumpelnden Magen und Kopfschmerzen bereitet.

Surfboards

Surfboards

Nächsten Morgen ging es wieder auf Achse, oder sollte ich besser sagen auf die Stossdämpfer. Die auf der Karte eingezeichneten Landstrassen entpuppten sich als heavy stuff. Zum Großteil unbefestigte Wege mit zum Teil steinigen und sandigen Untergrund. Das war aber gut so. Ein wenig Namibia (gut geschottert), viel Nordkenia ( permanent wechselnder Untergrund). Meine ganze Konzentration war gefordert. Mit zum Teil über 120km/h jagte ich über die Pisten. Die Heidruns (Reifen!) waren toll. Unten knallte der Schotter gegen die Unterbodenbleche, die Stossdämpfer testeten ihr Limits. Aber ich war frei und konnte stundenlang meinen Zollfrust „herausfahren“. Die Strassen im Landesinnere sind so einsam, dass ich oft über eine Stunde kein Fahrzeug sichtete.

Spät nachmittags landete ich in der Karibik. Trinidad. Karibik wäre schön. Stattdessen war ich mitten in der uruguayischen Pampa. Ich hatte in Montevideo per Internet eine Übernachtung auf einer echten Rinder Rancho (laut dem Obergaucho haben sie dort auch mehr als 100 Pferde) gebucht. Ich hatte zum Glück GPS Daten. Nach 4 Fehlversuchen (die Farm war ein paar mal laut GPS nur einige km entfernt von mir, kam ich dort recht müde an. Das GPS wollte mich zweimal durch einen Fluss lotsen! Kurzer Rundgang, die Leute waren sehr freundlich, sprachen aber schlechtes Spanisch (Grins – verstanden mein Rolf-Esperanto irgendwie nicht), bruzelten mir aber 4 herrliche Schnitzel.

Rancho von Innen

Rancho von Innen

Trotz Sprachschwierigkeiten – wer mich kennt – ich gebe bei der Kommunikation selten auf, erzählte mir der Rancho-Boss, dass der Montevideo Hafenzoll in Uruguay eine Mafia sei. Er selbst hat leidvolle Erfahrung mit extrem überhöhten Zöllen auf Zaumzeug und landwirtschaftliche Geräten gemacht.

Heute ging es früh los – wieder viele Offroad-Strecken. Schnell an die Grenze, ich wollte noch heute nach Buenos Aires, Argentinien. Um 11.00 Uhr erreichte ich die Grenze. Ich gab meine Gefängnispapiere (Motorrad-Aufenthalts-Genehmigung) am uruguayischen Zoll ab. Der argentinische Zoll ? Nettes Rolf-Esperanto Geplauder, nach 10 Minuten hatte ich meine Papiere für Argentinien. 9 Monate Aufenthaltserlaubnis für die BMW. Kosten? Zero Pesos!

Vor lauter Erleichterung vergaß ich die Überquerung des River Uruguay mit der GoPro zu filmen. Eine Monsterbrücke. Sehr beeindruckend. Dann ging es langweilige 250 km auf der Autobahn nach Buenos Aires. Links und rechts der Strasse war ein gigantisches Sumpfgebiet.

Um 16.00 Uhr bin ich in Buenos Aires eingetroffen.  Mit 15 Millionen Einwohnern ist Buenos Aires eine Weltstadt.

Sehr lebhaft. Lauter Verkehr, moderne Geschäfte, die ganze Stadt vibriert. Demos vor dem Regierungsgebäude, Massen von Leute in den Fußgängerzonen, viele Straßenmusikanten. Ich selbst habe schon viele Millionenstädte gesehen.  Ab sofort gehört Buenos Aires zu meinen Lieblingsorten. Ich werde die nächsten 3 Tage geniessen und euch bald Bilder von meinen „Lieblingsecken“ zeigen.

Buenos Aires ist echtes Kino – Montevideo dagegen ist ein veralteter Stummfilm (und das nicht nur wegen dem Zoll)

Viva Argentina

Libertad por la BMW

Endlich ist die BMW aus dem Zoll.

Pablo, ein Angestellter von Cargas war mir eine große Hilfe. Er hat über 6 Jahre in Utah Basketball gespielt. Sein Englisch ist deshalb hervorragend. Mit meinem „Rolf Espanol-Esperanto“ wäre ich nie durch den Zoll gekommen. Selbst er schüttelte manchmal verzweifelt den Kopf bezüglich Einfallsreichtum des uruguayischen Zolls.

Zunächst trafen wir unseren Zollagenten, dann ging es zum Containerhafen. An der Sicherheitspforte blieben wir erstmals hängen. Meine Daten waren nicht im internen System hinterlegt, trotz vorliegendem Scan meines Passes. No permisso. Nach endlosen Telefongesprächen bekam ich endlich meinen Ausweis – mit Foto. Dann ging es zum Zoll. Nach Austausch vieler emotionaler Bruder- und Schwesterküsschen (wenn ich nächstes Mal in Deutschland zum Zoll muss, werde ich auch einmal den Zollbeamten abknutschen – bin schon jetzt gespannt auf die Reaktion!) bekamen wir unsere „Zollschwester“ zugeteilt. Nochmals alle Originalpapiere kontrolliert plus überraschende Frage nach der Motorradversicherung. Die hatte ich zum Glück im Vorfeld bei einem argentinischen Versicherungsbroker abgeschlossen. Noch meine Geburtsurkunde, Metro-Ausweis oder ähnliches? Nein fürs Erste war sie zufrieden.

Pablo von Cargas und mein Zollagent

Pablo von Cargas und mein Zollagent

Dann fuhren wir mit dem Auto zur nächsten Zollabteilung. Hier wurden die Kopien der Papiere nochmals zertifiziert, dokumentiert und autorisiert (ohne Küsschen!). Weiter ging es an die nächste Pforte. Dort bekam ich einen neuen Ausweis, einen Sicherheitshelm und eine Warnweste. Senor – no permisso por camera! Was? Filmen verboten – na ja. Der Typ haut auch einmal ab. Später schoss ich meine Bilder. Von hier fuhren wir mit einem Riesen-Transferbus quer durch den Container-Terminal zur Lagerhalle.

BMW auf Holzsockel noch fest verzurrt

BMW auf Holzsockel noch fest verzurrt

Die Holzkiste war schon entfernt, die BMW stand fest vertäut auf ihrem Siegessockel. Batterie angeklemmt, Motor sprang gleich an. Schnell die Strapsen (seemännish befestigt) und Balancesäcke abgeschnitten und los geht’s. Denkste! Der Lagerchef muss noch unterschreiben, Transferbus kommt. Meine zwei Begleiter (Zollagent und Pablo) steigen ein.

Containerhafen

Containerhafen

Stopp! Uruguayische Sicherheitsvorschriften – ich kann doch nicht einfach hinter einem Bus herfahren. Ein kleiner Sicherheitswagen wird angefordert. Mit Blaulicht und Warnlicht fahren wir im „Convoy“ mit 15 km/h durch den Containerterminal. Bekomme ich jetzt gleich meinen eigenen Runway, muss ich jetzt noch den Tower um „Flight Permission“ bitten? Nö, nur meinen hübschen Sicherheitshelm  und die Weste abgeben. Meinen „Visita“- Ausweis gegen personalisierten Ausweis tauschen und dann geht es wieder zum Zoll. Zollbeschau und wieder ein neues Zolldokument. Hier wird genau der Grenzübergang der Ausreise festgelegt.

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„Hafenarbeiter“ – Ready to Go

Nach knapp 3 Stunden endlich die Pforte – ich fahre einfach durch, ohne meine Papiere oder Sonstiges zu zeigen – Libertad por Todos!

Adios amigos aduana.

Ich fahre mich erst einmal frei – drehe die BMW auf, und dann endlich, im Hotel ein cervesa frio (kaltes Bier)

 

 

 

 

 

Bienvenido Uruguay – Hasta Manana

Willkommen in Uruguay –  bis morgen

Mein neues Lebensgefühl – das Warten auf morgen!

Check-in Frankfurt Airport. Erst jetzt wurde mir bewusst, Air Europa ist eine Billig-Airline. Nur 1 Gepäckstück. Ich hatte 2 – also schnell alles umgepackt und aus 2 mach 1. Im Flugzeug – besonders auf dem zwölfstündigen Flug von Madrid nach Montevideo – musste ich leidvoll feststellen, dass ich noch nie in einem Lilliput Flugzeug gereist bin. Die Sitze waren auf südamerikanische Indio-Grössen ausgelegt. Verzweifelt versuchte ich für meine Germanenmaße eine Flight-Position für den nicht enden wollenden Flug zu finden. Meine absurden Verbiegungen hätten jedem Kamasutra-Yogi zur Ehre gereicht. Gott sei Dank ertrug meine Sitznachbarin, eine ältere Dame aus Uruguay, meine seltsamen Verrenkungen sehr geduldig. Wir unterhielten uns über 4 Stunden lang auf „Rolf Esperanto“.  Unglaublich, mit einem Wortschatz von nicht einmal 100 spanischen Wörtern, diskutierte ich mit ihr lebhaft über Land, Erziehungssysteme, Politik, Klima etc.

Irgendwie ging die Zeit vorbei und Montevideo empfing mich mit über 30°C.

Hotel California, Montevideo

Hotel California, Montevideo

Schnell Geld gewechselt und per Taxi zum Hotel. Gleich zu Fuß zu Cargas-DHL.  Bezahlen, Motorrad aus dem Zoll holen und basta. Das war der Plan. Bei Cargas DHL haben sie im Vorfeld einen US Dollar Scheck gefordert – einen Tag vor Abreise. Was für ein Act! Nur mit viel Mühe und Extrakosten konnte ich einen US Dollarscheck bei meiner Bank auftreiben.  Que sopresa – was für eine Überraschung! Der von der Deutschen Bank ausgestellte Barscheck ist in Uruguay nicht kreditwürdig. Nachdem ich bei mehr als 10 großen Banken erfolglos versuchte, den Scheck einzulösen, gab ich auf. Dass es mit der Deutschen Bank so schlecht steht, hätte ich nicht gedacht. Zum Schluss akzeptierte DHL trotz Falschgeldverdacht meine mitgebrachten US Dollar Banknoten. Okay nach unerwarteten US$ 590 DHL Extragebühren und einem abgestempelten Bill of Lading kann ich ja jetzt zum Zoll und mein Motorrad holen.

Momento – ich brauche einen Zollagenten. Die Einfuhrabwicklung wäre laut DHL sehr kompliziert. Außer diverse Papiere benötige ich auch eine vom Einwanderungsministerium ausgestellte Touristenkarte. Mein Einreisestempel vom Flughafen reicht dem Zoll nicht.

Einwanderungsbehörde

Einwanderungsbehörde

Mit meinem perfekten Spanisch gelingt mir das Kunststück in weniger als 1 Stunde. Zurück zu Cargas/DHL. Jetzt fehlen noch einige Vollmachten und bis manana (morgen) wird es mit dem Zoll funktionieren. Total erschöpft nach einem gefühlten Halbmarathon habe ich erst einmal geduscht und ein wenig die Stadt erkundet. Spät abends gehe ich zum Karneval. Am Freitag war Karnevalsauftakt in Montevideo und die ganze Stadt auf Beinen.

Freitag, den 22.01. – Hoy Aduana

Heute geht es zum Zoll, endlich die BMW abholen und dann kann es losgehen. Zunächst Cargas/DHL. Un poco problema. Was für ein kleines Problem? Primer lugar – pagar. Zunächst einmal bezahlen. Obwohl DHL mir gestern versprochen hatte, dass die Verzollung nur wenig kostet, soll ich nun US$ 1.300 für Agent, Hafengebühr, Zoll etc. bezahlen. Keine Chance. Von zu Hause Blitzüberweisung in der Hoffnung, dass es am Montag mit dem Zoll weitergeht.

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Schwäbischer BMW-Fahrer – Kein Zutritt für Dich!

Der Zoll hat mittlerweile einen offiziellen Fall aufgemacht. Wahrscheinlich bin ich der erste „dumme“ Transit-Tourist, der versucht ein Motorrad durch den uruguayischen Zoll zu bringen. Nach dem DHL schon bei meiner Afrikareise Mist baute, ist das der Gipfel. Mein Tipp: niemals wieder mit DHL, und ein Motorrad nur nach Chile transportieren.

Samstag und Sonntag machte ich Sightseeing bei extremer Schwüle. Die Stadt und der bekannte Strand sind sonntags fast wie ausgestorben. Die Extrakosten für die „BMW-Befreiung“ hake ich einmal als Kosten für meinen Intensivkurs im Bürokraten-Spanisch ab.

Noch habe ich gute Hoffung und einen leichten Sonnenbrand.

Hasta la vista y hasta manana (?)

Siesta beim Zoll

Siesta beim Zoll

Einige Impressionen von Montevideo

NIXTREME-BIKER Rolf Rilling

Warum Nixtreme-Biker?

Im ersten Moment hören sich meine Reisen ein wenig waghalsig oder auch extrem an. Wenn man aber von Kindesbeinen an Reisen gewohnt ist und auch einige Grundregeln berücksichtigt, sind auch „spontane“ Fernreisen ein tolles Erlebnis. Sie entspannen, sie entschlacken (zumindest bei mir – ich nehme bei meinen mehrmonatigen Reisen immer toll ab!) und du triffst neue Freunde fürs Leben. Solche Reisen sind Nix extrem – also Nixtreme!

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2010 – am Cape of Good Hope, Südafrika

 

Wer selbst Biker ist weiss, dass man mit kaum einem anderen Fahrzeug so schnell Kontakte findet. Anstatt isoliert in einem Auto zu sitzen, wirst du mit einem Motorrad schnell in ein Gespräch verwickelt. Die Sympathien fliegen dir sozusagen zu. Selbst Polizisten im Innersten Afrikas wurden von der Magie meines Motorrades angezogen. Anstatt Knöllchen zu bekommen, musste ich oft den Polizisten die technischen Daten meines Motorrades  erläutern.

Oft standen Dutzende, manchmal sogar Hunderte von Leuten um mich herum und bestaunten mich in meiner Motorradkluft als wäre ich ein Astronaut.

Kurz zu meinem  „Reise-Lebenslauf“.

Heute bin ich schon ein alter Knochen – 57 Jahre auf dem Buckel – und doch noch nicht satt vom Reisen. Noch reizen mich ferne Länder, Kulturen und auch die Herausforderung, neue Sprachen – zumindest rudimentär – zu erlernen. Alles genug Anreiz, mich für weitere Reisen fit durch Jogging und Fitness Studio zu halten.

Reisen, ja das tue ich, solange ich zurück denken kann. Meine Eltern, insbesondere mein Vater, haben mich schon als kleines Kind nach Italien, Spanien und andere Länder geschleppt. Kaum war ich 18 Jahre alt, zog es mich in die Ferne. Meine Ferienjobs dienten nur einem Zweck – Reisen zu finanzieren. Mal für das Wochenende nach Istrien, 5 Tage nach Barcelona, England, Frankreich usw..  Zwischendurch wurde es exotischer. Mit einem Freund kurz nach Marokko, rein in die Wüste, ausgeraubt worden, was soll’s! Die nächste Reise führte dann in die Osttürkei. Leider wie heute – Bürgerkriegsgebiet. Nachts mussten wir, auf Aufforderung einer Militärkontrolle, ohne Licht mit unserem Uralt Renault 4 fahren. Flußdurchquerung? Kein Problem – wir schwammen einfach hinter unserem R4 her. Unser Profikartenmaterial – grobe, Gratis-Karten vom ADAC.

Dann ging es in die USA. 1980 noch ein Hauch von echtem Abenteuer. Beeindruckend damals: Mc Donalds, Straßenkreuzer, 6- bis 8 spurige  Highways und Wolkenkratzer. Heute sind die Unterschiede bei weitem nicht mehr so groß.

Uganda - Nilursprung am Viktoriasee

Uganda – Nilursprung am Viktoriasee

Dann Studium in England.

2 Jahre Survival Training – englisches Essen! Nicht so schlimm wie es sich im ersten Augenblick anhört. Eher Neugier auf fremdländisches Essen – Indisch, Chinesisch usw. Dennoch befremdend, was sich manche unserer englischen Kommilitonen zum Breakfast auf den Teller luden: kalte Ravioli auf ungetoastem Brot. Na ja – da bevorzugte ich doch ein gutes Thai Curry oder Vindaloo-Gericht.

Die Sprache blieb, ebenso der britische Sense of Humor sowie die Neugier auf fremde Länder.

Danach Work as Usual?

Nein – einen tollen Job habe ich bekommen. Durfte bei Rehau fremde Märkte aufbauen. Mal in England, dann wieder in Skandinavien, dann wieder Irland, Schottland und auch in die USA jetten. Über 180 Tage im Ausland – jedes Jahr!

Hört sich toll an. Für eine gewisse Zeit. Aber mit Familie eher schwierig. Und Business Trips sind eher ermüdend, werden mit der Zeit Routine.

Natürlich sind wir – Karin, meine Ehefrau und unsere 3 Kinder (Peter, Sabina und Tim) regelmässig verreist. Spontanreisen eher die Ausnahme, wir waren ja an die Schulferien gebunden.

Die Kinder wurden älter und wollten dann auch nicht mehr mit den „Alten“ verreisen. Sie waren durch uns inzwischen unheilbar angesteckt. Auch sie hatte der Reisevirus gepackt. Ob Work & Travel (USA, Australien, Asien) oder High School Year in USA und Kanada, Auslandsstudium in Ecuador oder Costa Rica, nichts konnte sie mehr bremsen. Der Jüngste, Tim, zog mit 18 Jahren nach Bolivien um dort sein Soziales Jahr zu absolvieren. Nebenbei hat er noch den halben Kontinent, alleine und teilweise auch mit seiner Schwester und Mutter bereist.

Uganda Äquator

Uganda Äquator

Jetzt wisst ihr schon eine ganze Menge über mich. Aber warum alleine mit dem Motorrad?

2009 reiste ich mit einer Gruppe nach Kenia/Tansania zum Kilimanjaro. Ich war von Afrika so fasziniert, dass ich mir 2010 die BMW kaufte und entschloss quer durch Afrika zu reisen. Alleine – nicht mein ursprünglicher Plan. Um dir eine 3-monatige Auszeit nehmen zu können, musst Du entweder gerade eine Beziehung hinter Dir haben, kinderlos oder selbständig sein und/oder eine starke Frau daheim haben, die den Laden in deiner Abwesenheit weiterführt. Und meine besten Freunde, sprich potentiellen Reisebegleiter? Sie hatten alle noch eine intakte Beziehung und waren aber leider auch nicht selbständig.

Grundsätzlich erlaubt mir unsere Firma Bull & Bear nur das Reisen in der ersten Hälfte des Jahres. Als Versandhaus haben wir unseren Schwerpunkt immer in der 2.Jahreshälfte. Auch das gut 15-köpfige Team ist sehr eingespielt und managed alles ohne den Boss. Natürlich kann ich nicht jedes Jahr „abhauen“. So alle 4 Jahre nehme ich mir mein „Sabbatical“ – eine Auszeit. Ein wichtiger Reisezweck ist auch die Ausschau nach neuen Produkten und Märkten.

Genug für heute – solange ich noch fit bin, werde ich reisen. Ich bin selbst gespannt, wohin es mich auf meiner Süd- und Nordamerika-Reise verschlägt.

Da ich zum großen Teil spontan meine Etappen auswähle, kann ich euch noch keine vorgefertigte Reiseroute vorstellen. Schaut einfach im Reiseblog nach – dort findet ihr auch eine Karte mit dem „fast“ aktuellen Standort und denTeiletappen.

Viel Spaß bei meinem Reiseblog wünscht euch

Rolf

 

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BMW R1200 GS Adventure

Die BMW – seit Jahren ein treue Reisegefährtin

In meiner Zweirad-„Karriere“ habe ich schon mehrere Zweiräder besessen.

Mein erstes mobiles Fortbewegungsmittel war jedoch ein Dreirad. Nach mehreren Fahrrädern begann mein motorisierter Lebensabschnitt im stolzen Alter von 16 Jahren mit einer Honda DAX. Ein echtes Geschoss. Natürlich war es damals üblich, seine Maschine zu „frisieren“.  Anstatt gediegene 40 km/h brachte das kleine Geschoss 70 km/h.

Das genügte für mein pubertäres Selbstwertgefühl ganze 2 Jahre.  Kaum 18 Jahre alt, legte ich mir eine nagelneue, feuerrote Suzuki 250 zu. Versicherungstechnisch waren zu jener Zeit die Maschinen auf 34 PS gedrosselt. Nach einem Kolbenfresser „musste“ der Kolben aufgebohrt werden und auch einige andere Komponenten verhalfen zu einem Motordoping. 48 PS kamen auf dem Prüfstand heraus. Anmerkung: heute bin ich ein ehrbarer Biker und würde so etwas natürlich nicht mehr tun.

offroadNach 3 Jahren verkaufte ich wegen meines Auslandsstudiums die Maschine und blieb von da an partnerlos – zumindest was Motorräder betrifft.

Dann kamen Beruf, Familie und Kinder. In dieser Phase sind „gefährliche“ Motorräder unpraktisch und auch oft unerwünscht. Mit 40+ Jahren  kommen die meisten Ex-Biker in eine kritische Lebensphase. Die Motorrad Midlife Crisis zwingt uns jedoch früher oder später zum Erwerb eines Motorrads. Bei mir fiel die Wahl auf eine Moto Guzzi California, der europäischen Variante einer „Born-to be Wild“ Harley-Davidson. Trotz halsbrecherischer Kurvenartistik, war die California doch ein eher schwerer Metallhobel, akustisch jedoch ein Genuss. Nur mit extremsten Anstrengungen konnte ich mit meinen besser/stärker motorisierten Bikerkollegen Schritt halten.

Wer also sollte die ideale Reisebegleiterin für meine zukünftigen Reisen werden?

Soll ich mir ein rassiges, schnelles Naked Bike zulegen? Oder doch ein HighSociety Modell (Harley-Davidson), das sich permanent in Beauty Salons (beim Waschen und Service) und bei Schönheits-Chirurgen (Werkstätten und Customs Bike Läden) herumtreibt? Nee – ich brauchte eine ordentliche Touringmaschine, die nicht nur zum Promenieren und Herumschrauben geeignet ist. Ein Motorrad, das äußerst zuverlässig ist, mehr wie ein Kamel – das einmal richtig säuft und dann eine lange Zeit keine Tankstelle mehr braucht, dem man ordentlich  Gepäck aufladen kann, und die mit mir durch jedes Gelände geht.

BMW GS nach einer Schlammschlacht im Norden von Namibia

BMW GS nach einer Schlammschlacht im Norden von Namibia

 

Mit der ich auch einmal in die Luft gehen kann. Die mir meine Stürze nicht übel nimmt. Die nur ein Minimum an Wartung erfordert und auch nicht jeden Tag geputzt werden muss. Also keine Tussie, sondern eine BMW GS 1200 Adventure. Sie hat mit Ihrem Tank eine Reichweite von über 600 km, verbraucht dabei weniger als 5 l/100km (Afrikatour: bei 21.000 km im Schnitt: 4,7l/100km!). Auch darf sie kein Schuhfetisch mit max 2.500 km  Laufleistung sein. Meine BMW GS zieht sich ordentliche Schuhe/Reifen an, die über 12.000 km halten. Bin einmal gespannt auf Südamerika –  ich habe der BMW diesmal  ein Paar Heidenau K60 SCOUT spendiert, richtige Outdoor Trekking Reifen für unwegsames Gelände.

Vor der Reise habe ich die BMW nochmals zum Motorrad-Doktor geschickt. Sie ist komplett durchgecheckt worden und kleinere Verschleißteile wurden ersetzt. Aber im Großen und Ganzen ist sie trotz ihrer 72.000 km und zahlreichen Stürzen noch toll in Schuss – ein absolut zuverlässiges Mädel!

Ägyptisches Kennzeichen auf der Sinai Halbinsel

Ägyptisches Kennzeichen auf der Sinai Halbinsel

Damit sie sich ihre hübschen Augen nicht per Steinschlag ruiniert, hat sie eine Plexiglasscheibe als Schutz bekommen. Auch sonst habe ich ihr an allen verwundbaren Stellen Metallbügel und Bleche anbringen lassen. Wichtig: ein extra großes Auflageblech für  den Seitenständer, damit sie nicht zum gefallenen Mädchen mutiert. Sie soll mir fleißig meine 2 wasserdichten Gepäcksäcke schleppen, deshalb bekam sie eine Auflagen-Vergrößerung für den Gepäckträger.

Die 2 Original BMW Aluminiumkoffer sollen nicht ihr Hinterteil betonen, sondern dienen außer als  beachtlicher Stauraum auch als eine Art Airbag.  Während die „Kosmetikköfferchen“ (Kunststoffkoffer) meiner Bikerfreunde nach Stürzen meistens im Gelben Sack enden, zeigt meine BMW ihre Alukoffer mit Stolz inkl. deren Kampfspuren ( nur Kratzer), die sie sich bei „Feindberührungen“ (mehrere Pirouetten auf den Koffern gedreht, einen VW Polo beim Crash zerstört und diverse afrikanische  und italienische Fahrzeuge damit abgedrängt)  geholt hatte.

Ihr denkt, sie ist nur ein Arbeitstier?

Weit gefehlt. Am Abend, im Camp kann sie auch romatische Stunden genießen.

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Ich hoffe, wir werden noch viele aufregende Momente zusammen genießen können und wünsche meiner BMW GS weiterhin „viel Gesundheit“ und Spaß bei unseren zukünftigen Reisen.

What a Wonderful World

Nach Afrika 2012 folgt nun 2016  die große Amerikareise mit ca. 40.000 km in 2 Etappen.

Januar – April 20 16: Südamerika inkl. Kuba und Juni- August 2016: von Kolumbien per Segelschiff „Stahlratte“ nach Mittelamerika, Mexiko, Kalifornien und Vancouver und dann quer durch Kanada bis zu meinem Bruder in Montreal im Osten Kanadas.

Rolf1Von April 2016 bis Juni 2017 werde ich die BMW in Kolumbien sicher unterstellen.

Ich werde auch diesmal allein reisen, nur begleitet von meiner BMW R1200 GS Adventure, die mich weder in Afrika noch während meiner zahlreichen Touren in Europa jemals in Stich lies.  Sie ist fast 6 Jahre alt und wir hatten auf 72.000 km noch nie eine Panne.

Mit Hilfe des Reiseblogs möchte ich Euch wieder zu meinem nächsten Abenteuer einladen.

Let’s Ride the (BMW) Adventure and Enjoy a Wonderful World.

 

     

    Es geht auch ohne RUT !

    Seefrachtkiste BMW

    Anfang November 2015 habe ich die BMW nach Flörsheim zu einem Subunternehmer der DHL gebracht. Dort wurde sie fachmännisch „eingesargt“. In einer extra für sie gefertigten Kiste wurde das Motorrad, inkl Koffern, Zelt, Stiefeln und dem neuen Touringanzug von Held verstaut. Nicht vergessen: Batterie abklemmen. Von Flörsheim setzte die Kiste ihren Weg fort nach Antwerpen, Belgien zur Einschiffung in einen Sammel-Seecontainer.

    Mittwoch, den 17.12.2015: 15.10 Uhr – BREAKING NEWS – die BMW wird nicht verladen.

    Sie bleibt im Hafen stehen und geht nicht auf die Seereise. Die RUT fehlt!

    Was war passiert?

    Per email informierte mich die DHL Motocycle Logistics & Event Division, dass die RUT Steuernummer für die Verladung auf das Containerschiff  CAP SAN MALEAS fehlt und dass meine USt. Id.Nr. fehlt. Ladeschluss: gleicher Tag 18.30 Uhr.

    Ich hatte weder die RUT Nummer noch eine USt.Id.Nr.

    Um zukünftige Verzollungen und Zollübergänge zu vereinfachen, hatte ich das Motorrad auf Privat umgemeldet, damit Fahrzeugschein und Reisepass deckungsgleich sind und keine Komplikationen bei den diversen Grenzübergängen entstehen.

    Privatleute haben in der Regel keine USt.Id.Nr und keine RUT. Ich habe bestenfalls noch eine KARIN oder im näheren Umfeld CLAUDIAS, GITTA, RENATE, BÄRBEL etc.

    Aber von RUT noch nie etwas gehört. Klarer Fall – frag einfach bei DHL nach, was RUT ist. Klare Antwort: Nicht unser Bier – wir sind Transporteur und nicht Importzollabwickler. Genau aus diesem Grund habe ich DHL Motorcycle Division gewählt. Die müssten normalerweise Erfahrung haben. Pustekuchen. Ich soll mich doch direkt an den uruguayischen Zoll wenden und  dort die RUT beantragen. Und das in den verbleibenden 3 Stunden. Heißer Tipp von DHL  – fragen Sie doch einfach bei der Deutschen Botschaft in Montevideo nach, was RUT genau ist und wie Sie sie kurzfristig bekommen.

    Hola – ein einzigartiger bürokratischer Spießrutenlauf beginnt:

    Email an deutsche Botschaft in Montevideo – Reaktion null (noch 2.45 Stunden zur Deadline!)

    Anruf bei Botschaft – ich bekomme nach einigem Drängeln (wer mich kennt, Geduld ist bei mir ein nicht sehr prägnanter Wesenszug  🙂 )  tatsächlich den Wirtschaftsattaché an die Strippe. Er rät mir,  die Botschaft von Uruguay in Berlin zu kontaktieren.

    Botschaft von Uruguay – RUT? noch nie gehört. Freundlicher Tipp (16.15 Uhr): Federacion Economica Urualemano (Wirtschaftsverband – mein Hablas Espanol oder Castellano ist noch nicht so fortgeschritten). Jedenfalls Erfolg – Telefonkontakt gelungen. Antwort: Hasta Manana – Siesta alla Noche – wir schliessen jetzt – verzweifelter RUT Anrufer – morgen sind wir wieder für Dich da.

    Caramba oder wie das heißt. Was nun?

    Deutscher Zoll anrufen (17.00 Uhr). Sehr freundlich aber auch hilflos. RUT – ja was das ist? Schon irgendwie gehört, aber ist die schon in Kraft? Soll mich am Besten an den Hauptzoll in Bad Homburg wenden (17.20). Witzig oder? Beamte, die nach 17.00 Uhr noch arbeiten?

    Die hatten ein tolles CRM (das Ding wo Du immer eine Nummer drückst und dann auf die nächste Nummer verwiesen wirst und anschließend bis zu Deiner Rente in der Warteschleife versumpfst! – Abbruch.

    IHK noch angerufen. Wirklich sehr hilfreich und bemüht. Aber selbst ausführliches Googlen bringt auch keine Klarheit. Hey – ich bin doch nur ein Bloody Tourist. Ich möchte einfach in Montevideo  meine BMW den Klauen des Zolls entreißen und als Transit Tourist nach ein paar Tagen das Land wieder verlassen. Ich will weder meine BMW in Uruguay verkaufen, noch möchte ich  in Uruguay eine Firma gründen, damit ich die verflixte  Steuernummer RUT  bekomme.

    Zwischendurch versuche ich noch die Auslandsabteilung des ADAC zu erreichen. Zu spät.

    DHL Special Divison Motocycle  in Frankfurt ebenfalls dicht.

    Kurz vor Ladeschluß des Ozeanfrachters kommt mir eine Idee – ich ruf einfach die DHL Frachtabteilung in Hamburg an. Der Wahnsinn – ich bekomme einen echten Ansprechpartner, erkläre ihm die Situation und er kontaktiert einen Kollegen in Montevideo. Ich soll mich noch bis zum nächsten Morgen 8.30 Uhr gedulden. Er verspricht mir, das Motorrad geht auf alle Fälle mit dem Schiff mit.

    Nächster Morgen – große Erleichterung: ein simpler Eintrag in meinen Reisepass würde als Identifikation völlig ausreichen. Nix mit RUT! Mucho gracias.

    Und als Belohnung bekomme ich noch einen englischsprachigen Ansprechpartner in Montevideo inkl. seiner Handynummer.

    Das Containerschiff wird mit meiner BMW am 15.1. in Montevideo eintreffen. Ich komme am 21.1. an und dann …. Attacke auf den uruguayischen Zoll und der schwäbische Che Guevara wird seine BMW befreien. So der Plan.

    Basta por hoy